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Protest gegen Abschiebung in Glasgow
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In Glasgow demonstrierten hunderte Menschen gegen die Abschiebung von zwei Männern.

Schottland

Spontaner Protest verhindert Abschiebungen – „Lasst unsere Nachbarn in Ruhe“

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Hunderte Menschen protestieren in Glasgow gegen die Abschiebung von zwei Anwohnern – und blockieren das Fahrzeug der Migrationsbehörde stundenlang.

Glasgow – Am Donnerstag (13.05.2021) haben sich rund 200 Leute in der Kenmure Street im Stadtteil Pollokshields der schottischen Metropole Glasgow versammelt, um gegen die Abschiebung zweier Männer zu demonstrieren. Dabei wurde das Einsatzfahrzeug der Migrationsbehörde stundenlang blockiert. Ein Mann hatte sich unter den Wagen gelegt, um die Abfahrt zu behindern.

Glasgow: Hunderte demonstrieren gegen Abschiebung von zwei Männern

Die Polizei gab dem Druck nach und ließ die zwei Männer, bei denen es sich laut schottischen Medien um indische Staatsbürger handeln soll, nach acht Stunden unter großem Jubel frei. „Lasst unsere Nachbarn in Ruhe, lasst sie gehen“ hatten die Demonstrant:innen unter anderem gerufen.

Lakhvir Singh, einer der Männer, bedankte sich mithilfe eines Übersetzers bei den Anwesenden. Von der Unterstützung sei er „erstaunt und überwältigt“ gewesen. Dem Fernsehsender ITV erzählte der 34-Jährige, dass ihn das „Schicksal“ nach Glasgow gebracht habe, „wo die Leute eng miteinander verbunden sind und auf die Straße gehen, um sich gegenseitig zu helfen“. Die Freilassung habe „das glücklichste Gefühl“ in ihm ausgelöst. Beide Männer sollen bereits seit zehn Jahren in Schottland leben. Ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht haben sie allerdings nicht.

Zunächst seien nur fünf oder sechs Leute vor Ort gewesen, erzählte Singh. In den sozialen Medien hat sich die geplante Abschiebung allerdings schnell herumgesprochen, „dann waren es Hunderte“. „Ich war noch nie so stolz auf Glasgow“, erzählte ein Anwohner gegenüber der Zeitung The Herald. „Kein feindseliges Umfeld hier.“ Der Protest gegen die Abschiebung in Glasgow verlief weitgehend friedlich. Zwei Männer und eine Frau seien allerdings „in Verbindung mit dem Vorfall“ festgenommen worden.

Protest gegen Abschiebung in Glasgow: Schottlands Regierungschefin übt Kritik am Einsatz

Schottlands Erste Ministerin Nicola Sturgeon reagierte auf Twitter und übte scharfe Kritik am britischen Innenministerium um Priti Patel von der konservativen Regierungspartei. Dass der Einsatz ausgerechnet am Tag des Fastenbrechens „im Herzen der muslimischen Gemeinschaft“ durchgeführt wurde, sei „unglaublich unverantwortlich“. Bei den Männern soll es sich jedoch nicht um Muslime handeln, berichtet The Scotsman. Das tiefere Problem liege in der Asyl- und Einwanderungspolitik Großbritanniens, fügte Sturgeon hinzu. Ihr Kollege der Schottischen Nationalpartei und Justizminister Humza Yousaf sprach von einem „feindseligen Umfeld“ der britischen Regierung, das in Schottland nicht willkommen sei.

Kurz nach 17 Uhr (Ortszeit) gab die schottische Polizei eine Stellungnahme ab. „Um die Sicherheit, die öffentliche Gesundheit und das Wohlergehen aller Beteiligten zu gewährleisten“, wurde angeordnet, die festgesetzten Männer freizulassen. An der Abschiebung sei die Polizei allerdings nicht beteiligt gewesen. Die Beamt:innen seien nur in der Kenmure Street gewesen, um die Lage zu sichern.

Schottland: Abschiebung in Glasgow durch Protest verhindert

Das Einwanderungsrecht unterliegt der britischen Gesetzgebung in Westminster. Eine Sprecherin des Innenministeriums teilte mit: „Der Einsatz in Glasgow wurde im Zusammenhang mit mutmaßlichen Verstößen gegen das Immigrationsrecht durchgeführt.“ Die zwei Männer hätten sich stets an die Anweisungen der Beamt:innen vor Ort gehalten. Mit dem „neuen Plan für Immigration“ werde die britische Regierung diejenigen, die das Vereinigte Königreich illegal betreten haben, künftig schneller „entfernen“. (Lukas Rogalla)

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