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Giraffen sind jetzt unter Schutz gestellt.

Cites-Konferenz in Genf

Giraffen unter Schutz gestellt

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Cites-Konferenz blockiert auch Lockerung des Elfenbeinhandels.

Afrikanische Elefanten und Giraffen können ein wenig aufatmen: Delegierte der „Konvention über den Handel mit bedrohten wilden Tieren und Pflanzen“ (Cites) haben auf ihrer Konferenz in Genf Versuchen der Lockerung des Elfenbeinhandels eine Absage erteilt und das längste Säugetier der Welt, die Giraffe, erstmals unter Schutz gestellt. Mit einer überraschend deutlichen Mehrheit von 101 zu 23 Stimmen blockierten die 183 Cites-Delegierten einen Antrag mehrerer im südlichen Afrika gelegenen Staaten, zumindest ihre Lagerbestände an Elfenbein verkaufen zu dürfen. Der Argumentation der südafrikanischen Regierungsvertreter zufolge werde das aus dem Elfenbeinverkauf gewonnene Geld der lokalen Bevölkerung zukommen, die infolgedessen nicht mehr wildern und sich verstärkt dem Schutz der Elefanten widmen werde.

Die Vertreter des südlichen Afrikas, wo heute die überwiegende Zahl der Dickhäuter lebt, konnten allerdings nicht einmal die Vertreter ihres Kontinents hinter ihr Vorhaben bringen. Die große Mehrheit der afrikanischen Delegierten lehnte den von Namibia, Simbabwe und Botswana eingebrachten Vorschlag ab. Der Vertreter Kenias verwies darauf, dass zwei frühere Moratorien des Elfenbeinhandelsverbots in den Jahren 1997 und 2008 jeweils einen Anstieg der Wilderei ausgelöst hätten. Nach Angaben der African Wildlife Foundation werden jährlich 35 000 Elefanten für ihre Stoßzähne getötet. Derzeit sollen nur noch 450 000 Dickhäuter auf dem Kontinent leben, vor 150 Jahren waren es noch mehr als 20 Millionen.

Zum ersten Mal wollen die Cites-Repräsentanten auch die Giraffen schützen, deren Zahl in den vergangenen 30 Jahren um 40 Prozent auf rund 35 000 Exemplare dezimiert worden ist. Fachleute sprechen von einem „lautlosen Aussterben“ des längsten Säugetiers der Welt. Auch bei dieser Abstimmung standen Vertreter des südlichen Afrikas den Repräsentanten des restlichen Kontinents und der Industrienationen gegenüber: Der Vorschlag wurde mit 106 gegen 21 Stimmen angenommen. Künftig sollen Körperteile von Giraffen nur noch mit außerordentlicher Genehmigung gehandelt werden dürfen.

Eine Studie der Humane Society International brachte zum Vorschein, dass alleine in den zehn Jahren zwischen 2006 und 2015 40 000 Körperteile von Giraffen in die USA exportiert wurden, wo sie zu Schuhen, Messergriffen oder Kissenbezügen verarbeitet wurden. In sieben afrikanischen Staaten sind die Langhälse inzwischen ganz ausgerottet, von der „nubischen Giraffe“ im Sudan und in Äthiopien gibt es nur noch wenige Hundert Exemplare. Der eingeschränkte Handelsbann bedeute noch längst nicht die Rettung der Giraffen, sagte deren Kenner Fred Bercovitch in Genf: Viele der Säugetiere würden auch von der lokalen Bevölkerung ihres Fleisches wegen gejagt. Giraffen pflanzen sich nur äußerst langsam fort: Ein Weibchen kann frühestens nach sechs Jahren Kinder gebären und auch dann nur eines alle zwei Jahre. Rund die Hälfte der Giraffenkälber, weiß Bercovitch, würden in ihrem ersten Lebensjahr von Löwen gefressen.

Die Vertreter aus Botswana, Namibia und Simbabwe zeigten sich nach der Ablehung ihres Antrags verärgert. „Afrika ist kein einzelner Staat. Unsere Bemühungen um den Schutz wilder Tiere werden niemals dieselben sein“, sagte der botswanische Repräsentant. Sein simbabwischer Kollege pflichtete ihm bei: „Unsere Bevölkerung leidet, wenn sie vom Schutz der Elefanten nicht profitieren kann. Unsere Kinder laufen barfuß herum und haben weder Schulen noch Hospitäler.“ Und der namibische Umweltminister Pohamba Shifeta gab zu bedenken: „Es ist das Recht der lokalen Bevölkerung, ihre aus dem Zusammenleben mit Elefanten entstehenden Kosten erstattet zu bekommen.“

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