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Gil Ofarim: Neuer Anwalt fürchtet „Schauprozess“

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Von: Nils Tillmann

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Nachdem er auf sozialen Medien Hotelangestellten Antisemitismus vorgeworfen hatte, wird Gil Ofarim nun der Verleumdung angeklagt. Sein neuer Anwalt kritisiert aber die Bedingungen des Prozesses.

Leipzig – Der neue Anwalt von Gil Ofarim warnt vor einem „Schauprozess“ gegen seinen Mandanten. Er kritisiert damit vor allem die Entscheidung der Staatsanwaltschaft, die Anklage gegen den Musiker am Landgericht und nicht in niedrigerer Instanz zu erheben. Alexander Stevens, der Ofarim nach eigenen Angaben mit seiner Kanzlei im Verleumdungsprozess verteidigen wird, teilte dies nun der Deutschen Presseagentur in München mit.

Als Grund dafür, die Anklage nicht in erster Instanz vor dem Amtsgericht zu erheben, hatte die Staatsanwaltschaft die Prominenz des Angeklagten genannt. Stevens kritisiert die Entscheidung und verweist auf den Körperverletzungsprozess gegen den ehemaligen Nationalfußballer Jérôme Boateng. Dieser war 2021 vor dem Amtsgericht in München zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Gil Ofarim wegen Verleumdung angeklagt

Gil Ofarim wurde im März von der Staatsanwaltschaft in Leipzig wegen falscher Verdächtigung und Verleumdung angeklagt. Der Musiker hatte im vergangenen Jahr ein Instagram-Video hochgeladen, in dem er Hotelangestellten in Leipzig antisemitische Diskriminierung vorwarf. Die Staatsanwaltschaft hatte daraufhin die Ermittlungen aufgenommen, kam aber zu dem Schluss, dass der Vorfall sich nicht so zugetragen habe, wie von Ofarim geschildert.

Demonstration vor dem Hotel Westin Leipzig
Nachdem Gil Ofarim Hotelangestellten Antisemitismus vorgeworfen hatte, kam es Protesten vor dem Westin Hotel in Leipzig. Nun klagt die Staatsanwaltschaft den Sänger wegen Verleumdung und falscher Verdächtigung an. © Dirk Knofe/dpa

Die mediale Aufmerksamkeit, die der Fall auf sich zog, sieht Stevens kritisch. Er fürchtet eine „Vorverurteilung“ seines Mandanten. Insbesondere kritisiert er dabei öffentliche Äußerungen des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer und des ehemaligen Justizministers Heiko Maas. Mit ihren inhaltlichen Äußerungen zum Fall hätten sie der Justiz „Leitlinien einer Verurteilung quasi vorgegeben.“ Ein Antrag, den zuständigen Richter wegen Befangenheit abzulehnen, sei bereits eingereicht worden.

Noch steht nicht fest, ob die Anklage vor dem Landgericht zugelassen wird. Eine Entscheidung vonseiten des Gerichts wird voraussichtlich in den nächsten Tagen fallen. (Nils Tillmann mit dpa)

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