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Eisjäger an der Küste Neufundlands: Mit so kleinen Brocken will sich Nick Sloane nicht zufrieden geben.

Südafrika

Gigantischer Wasserspender

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Ein Havarie-Experte will Eisberge aus der Antarktis an die Küste Südafrikas schleppen lassen, um die Wassernot zu lindern

Als Nick Sloane seine Idee erstmals der Öffentlichkeit vorstellte, lachten alle: Weil das Anfang April des vergangenen Jahres geschah, dachte jeder, es handele sich um einen Aprilscherz. Inzwischen hat der südafrikanische Havarie-Experte durch seine Hartnäckigkeit bewiesen, dass er es ernst meint: Sloane bleibt dabei, dass er riesige Eisberge von der Antarktis bis nach Südafrika schleppen will, um sie dort als Trinkwasserreservoire zu nutzen. „In spätestens drei Jahren wird es soweit sein“, ist der 56-jährige Bergungsfachmann überzeugt. Und wenn jemandem vertraut werden kann, dann ihm: Mit Hilfe von 500 Ingenieuren hat Sloane vor sieben Jahren bereits das havarierte Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ vor der italienischen Küste geborgen.

Sloanes Gehirn ging in Overdrive, als seine Frau wegen des Wassernotstands in Kapstadt nicht mehr wie gewohnt abends ein Bad nehmen und morgens duschen konnte. „Tu was dagegen“, beschwor sie ihren Gatten. Zwar ist die akute Wassernot am Kap der Guten Hoffnung inzwischen einigermaßen behoben, aber Experten sind sich sicher, dass der jüngsten Dürre wegen Klimaerwärmung bald die nächste folgen wird.

Idealer Eisberg ist flach und 250 Meter tief

Die Idee des in Sambia geborenen Kapitäns ist so simpel wie verwegen. Mit Hilfe eines Satelliten soll im Antarktischen Meer zunächst ein idealer Eisberg identifiziert werden, der möglichst flach, rund einen Kilometer lang, einen halben Kilometer breit und 250 Meter tief sein soll. Ein derartiger Koloss wiegt schlappe 125 Millionen Tonnen und kann fast ein Viertel von Kapstadts jährlichem Wasserbedarf decken. Um den Berg herum soll ein Kunstfaser-Netz gespannt werden, das von zwei Supertankern gezogen wird. Zunächst der West-Ost-Strömung des Zirkumpolarstroms folgend, geht es dann mit dem kalten Benguela-Strom gen Norden. Das Gespann werde mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 1,6 Stundenkilometern vorankommen, rechnet Sloane vor: Für die gut 2500 Kilometer lange Reise von der Insel Gough bis nach Kapstadt brauche es 80 bis 90 Tage. Höchstens acht Prozent des Eisbergs würden auf der Fahrt wegschmelzen, sagt der Kapitän.

Nördlich von Kapstadt soll der Koloss schließlich verankert und mit einem riesigen Thermoleibchen umgeben werden, der den Schmelzvorgang verlangsamt und eine Vermengung des aus gepresstem Schnee bestehenden Eisbergs mit Meerwasser verhindert. Das sich an der Oberfläche des Tafelbergs bildende Trinkwasser soll abgepumpt und mit Containerschiffen an Land transportiert werden. Sloane rechnet damit, dass 70 Prozent des gefrorenen Wasserklumpens genutzt werden können. Alle Ausgaben eingerechnet, werde ein Liter Wasser rund fünf US-Cents kosten. Mehr als doppelt soviel, wie aufgefangenes Regenwasser kostet, doch nur ein Bruchteil der mit Entsalzungsanlagen anfallenden Kosten. Von den Umweltschäden, die solche Anlagen anrichten, ganz abgesehen.

Zwei Banken machen mit

Obwohl es in Kapstadt in diesem Jahr wieder ordentlich geregnet hat, ist Sloane zuversichtlich, dass seine ungewöhnliche Maßnahme zur Trinkwasserbeschaffung eine goldene Zukunft hat. Denn nicht nur Südafrika muss sich akute Sorgen um seine sich ständig verschlimmernde Wasserknappheit machen: Auch die Nachbarländer, allen voran der Wüstenstaat Namibia, könnten von dem herbeigezogenen Rohstoff profitieren. Dieselbe Methode ist nach Auffassung des Seenotretters auch in Santiago de Chile oder im australischen Perth möglich: Die Städte sind ebenfalls mit kalten Meeresströmen mit dem Südlichen Ozean verbunden.

Sloane überzeugte bereits zwei südafrikanische Banken und das Schweizer Technologieunternehmen Water Vision von seinen kühlen Plänen. Auf diese Weise könnte ein Aprilscherz tatsächlich einmal Wirklichkeit werden.

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