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Der Trend geht in Richtung sexy Försterin.

Gib' Gummi!

Das Must-have der Saison: Wasserabweisende Schuhe boomen.

Gegen Schlamm, Dreck und Unwetter: Gummistiefel sind praktisch, und praktisch ist selten sexy. Doch das änderte sich grundlegend im Jahr 2005, als das Supermodel Kate Moss das englische „Glastonbury Festival“ besuchte. Das Musik- und Kunst-Festival ist Laufsteg für Stars und Schlammschlacht zugleich. Moss trägt knappe Shorts und schwarze Gummistiefel. Das schützende Schuhwerk bekommt einen Glanz von Rock’n’Roll, wird erhoben zum Fashion-Statement, wird hip – weg von Bauernhof und Fischerboot.

Gummistiefel sollen in erster Linie vor Nässe schützen. Und wenn es besonders nass wird, steigt die Nachfrage. Wegen des heftigen Regens waren Gummistiefel rund um das diesjährige „Rock am Ring“-Festival im Eifel-Ort Mendig in Rheinland-Pfalz nahezu ausverkauft. Zahlreiche Geschäfte konnten hier zum Auftakt des dreitägigen Musik-Spektakels nur noch Restposten in wenigen Größen anbieten.

Auch Schuhhändler und -marken profitieren direkt vom Regen. Im Vergleich zum eher trockenen Mai vergangenen Jahres kann Deichmann mit 15 Prozent einen „deutlichen Anstieg“ der Verkaufszahlen ausmachen, wie Unternehmenssprecher Ulrich Effing erklärt. Ähnliches stellt die französische Traditionsfirma Aigle fest. Die nach eigenen Angaben älteste Gummistiefel-Manufaktur Europas produziert seit 1853 Stiefel aus Kautschuk in 60 einzelnen Fertigungsetappen. „Tatsächlich haben wir bei regenreichen Perioden einen sofortigen Nachorderanstieg. In diesem Jahr liegt er bei 35 Prozent im Vergleich zu einem eher trockenen Frühjahr/Sommer 2015“, sagt Sabine Dellmuth, Geschäftsführerin von Aigle Deutschland.

2015 wurden gerade einmal 188 025 Gummistiefel aus Deutschland exportiert. Importiert wurden hingegen mehr als neun Millionen Stiefel, wie aus Zahlen des Bundesverbandes der Schuh- und Lederwarenindustrie hervorgeht. Allein wetterabhängig ist die Sache mit den Gummistiefeln nicht, es gibt saisonale Unterschiede: Zum Herbst hin decken sich die Menschen in Deutschland verstärkt ein, sagt Effing. Und „vor allem in den Zeiten vor Schulbeginn und vor dem Eintritt in den Kindergarten werden Gummistiefel stark nachgefragt“, sagt Claudia Schulz vom Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie.

Kurz und gut

Ebenso nehmen Modetrends Einfluss. Sie zeigen, dass die wasserdichten Treter wegrücken vom reinen Gebrauchsgegenstand. „Der Trend geht ganz klar zu Kurzstiefeln. Das sind Modelle, die im Look an Chelseaboots erinnern.“ Im Gummistiefel vereinen sich also Funktionalität und Ästhetik: Sie sind nicht wegzudenken aus dem Jagdalltag, im Fischereibetrieb oder vom Bauernhof, sie sind einerseits Trends unterworfen, sie haben andererseits ihren festen Platz, wo es feucht und schmutzig wird. Farben und Formen unterscheiden sich aber. Vom klassischen Grün im Wald, über leuchtendes Gelb auf dem Meer, in bunt, mit Pünktchen oder in allen Farben des Regenbogens auf dem Festivalgelände oder im Kindergarten. (dpa)

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