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Jeffrey Epstein

Prozess gegen Maxwell: Epstein gab Zeitungs-Anzeigen auf um potenzielle Opfer zu finden

  • VonLukas Zigo
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In New York beginnt der Prozess gegen die langjährige Vertraute des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein. Der 59-Jährigen wird Rekrutierung Minderjähriger vorgeworfen.

New York – Ghislaine Maxwell, langjährige Partnerin von Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, steht am Montag (29.11.2021) in New York vor Gericht. Der 59-Jährigen wird die Rekrutierung Minderjähriger für sexuelle Handlungen mit Epstein vorgeworfen. Ghislaine Maxwell soll Stellenanzeigen „während der Schulferien“ platziert haben.

Diese sollen Telefonaten annehmen, also Assistententätigkeiten nachgehen. Die Anzeigen wurden im Januar 1997 in Zeitungen in Palm Beach Florida veröffentlicht, wo Epstein eine Villa besaß. Interessent:innen bekamen eine Telefonnummer, unter welcher sie sich bei „Miss Maxwell“ melden konnten. Die Telefonnummer stimmt mit der überein, welche sie während eines Verkehrsvergehens in dieser Zeit der Polizei in den USA gab. Gelebt habe sie zu dieser Zeit im „House of Sin“ ihres ehemaligen Freundes Epstein in Palm Beach.

Ghislaine Maxwell plädiert in sechs Anklagepunkten auf Unschuldig

Ghislaine Maxwell und Jeffrey Epstein

Am Vorabend des Maxwell-Prozesses wegen Kinderhandels für den pädophilen amerikanischen Finanzier, wurden Details zu den Stellenanzeigen in der Palm Beach Post bekannt. Maxwell hat in sechs Anklagepunkten auf nicht schuldig plädiert. Darunter Verführung von Minderjährigen und Handel mit Kindern zwischen 1994 und 2004. Bei einer Verurteilung drohen ihr bis zu 80 Jahre Gefängnis.

Ein bevorzugtes Geschlecht für Bewerber:innen geben die neu entdeckten Stellenanzeigen von vor fast 25 Jahren nicht an. In der Palm Beach Post vom 4. Januar 1997 heißt es: „Person für Beantworten von Anrufen und leichten Putzaufgaben während der Schulferien gesucht. Rufen Sie Miss Maxwell an, 655–3704.“

Jeffrey Epstein: Maxwell rekrutierte junge Mädchen für sexuelle Massagen an Epstein

Eine Epstein-Anklägerin namens Johanna Sjoberg sagte 2016 aus, Maxwell habe sie 2001 angeworben, um Epstein Massagen zu geben, als sie noch das College in Palm Beach besuchte. Sjoberg sagt, sie habe den Eindruck gehabt, sie sei als persönliche Assistentin eingestellt worden. Sie musste schnell feststellen, dass ihre Aufgabe darin bestand, Epstein „sexuelle Massagen“ zu geben. Dieser, so Sjoberg, habe ihr mitgeteilt, er müsse mindestens „drei Orgasmen pro Tag“ haben.

Angesprochen auf ihre erste Begegnung mit Maxwell sagte Sjoberg: „Sie wollte wissen, ob es ein Schwarzes Brett oder so etwas gibt, wo sie eine Anzeige anbringen könne, dass sie nach jemandem suche.“ „Ich sagte ihr, wohin sie gehen müsse, um eine Anzeige aufzugeben. Dann fragte sie mich, ob ich jemanden kennen würde, der Interesse hätte, für sie zu arbeiten.“

Maxwell wollte junge Mädchen

Sjobergs Aussage nach erklärte Maxwell, dass sie in Palm Beach lebe und keine Butler wolle, weil die zu steif sind. Und deswegen stelle sie einfach gerne Mädchen ein, um im Haus zu arbeiten, Telefone zu beantworten, Getränke zu holen und den Job eines Butlers zu erfüllen.

Gerichtsdokumenten zufolge habe Maxwell sie bei einer weiteren Begegnung ermutigt, „den Job zu Ende zu bringen“, während sie eine Massage an Epstein durchführte. Sjoberg behauptet, sie sei bestraft worden, als Epstein aufgrund einer ihrer Massagen nicht zum Orgasmus kam. Dies, so Maxwell, sei nötig, da sie selbst nicht in der Lage sei, Epstein zu befriedigen, wie er es benötige und das wäre der Grund warum es andere Mädchen gab.

Ghislaine Maxwell: Wie groß war ihr Anteil am System Epstein?

Die damalige Fotografie-Studentin beschreibt, wie sie von Maxwell gemaßregelt wurde. „Sie hatte eine Kamera für mich gekauft, und ich war drüben und gab Jeffrey eine Massage. Ich wusste zunächst nicht, dass sie im Besitz dieser Kamera war. Später als ich gegangen war rief sie mich an und sagte sie habe eine Kamera für mich, doch ich könne sie noch nicht bekommen, da ich meinen Job nicht zu Ende gebracht hatte, und sie dies übernehmen musste“.

Auf die Frage, ob die bedeute ihn zum Orgasmus zu bringen, antwortete sie mit Ja, sie habe angedeutet, dass sie es deshalb selbst tun musste.

Epstein Opfer: Prinz Andrew habe ihre Brüste mit Puppe von sich begrabscht

Der Problemfall des britischen Königshauses, Prinz Andrew, langjähriger Freund Epsteins, wird von Sjoberg beschuldigt, 2001 ihre Brüste mit einer Puppe seiner selbst begrabscht zu haben. Der zweite Sohn von Queen Elisabeth wich den Fragen zum Vorfall während seines berüchtigten BBC Newsnight-Interviews vor zwei Jahren aus. Er habe das Anwesen des Pädophilen mehrfach besucht, beteuerte jedoch: „Definitiv nicht, definitiv, definitiv nein, nein, keine Aktivität.“

Die Stellenanzeigen hatte Maxwell anscheinend ein Jahr nach einem Vergewaltigungsvorfall veröffentlicht. Epstein und Maxwell hatten angeblich ein 16-jähriges Mädchen namens Annie Farmer sexuell missbraucht, sie ist eines von vier mutmaßlichen Opfern, die gegen die britische Prominente aussagen sollen.

Farmers Schwester bat das FBI schon 1996 gegen Epstein zu ermitteln – ohne Erfolg

Im Jahr 1996 versuchte die Schwester des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers, die Polizei sowie das FBI zu Ermittlungen gegen Epstein zu bewegen – ohne Erfolg. So konnten Epstein und Maxwell ihren Taten weiter unbehelligt nachgehen. Farmer, die auf ihr Recht auf Anonymität verzichtet hatte, sagte vor dem Gericht aus, Maxwell sei eine „Sexualstraftäterin“, welcher „niemals Reue gezeigt“ habe.

Ihre Aussage war einer der Schlüsselfaktoren, die den Richter dazu bewegte, Maxwells Kaution zu verweigern und sie in einer New Yorker Gefängniszelle zu behalten, bis der Prozess beginnt. In dieser Gefängniszelle verbrachte sie 17 Monate unter Bedingungen, die ihr Bruder als „erniedrigend“ und „foltergleich“ bezeichnete.

New York: Ghislaine Maxwell legt über 6,1 Millionen Euro für ihre Verteidigung zur Seite

In Gerichtsdokumente machte Maxwell öffentlich, dass sie erstaunliche 6,1 Millionen Euro beiseite gelegt habe, um ihre Anwaltskosten zu bezahlen. Zu ihrem Team von Star-Verteidigern gehören ein ehemaliger Bundesanwalt, der geholfen hat, einen Drogenboss zu Fall zu bringen, sowie ein weiterer ehemaliger Bundesstaatsanwalt.

Antreten werden sie gegen die ausgezeichnete US-Staatsanwaltschaft des südlichen Bezirks von New York, mit einem Team von Staatsanwälten, welche ihrerseits auch über eine gute Erfolgsbilanz bei der Durchführung hochkarätiger Fälle verfügen. Sie werfen Maxwell vor, ein regelrechtes Netzwerk des Missbrauchs für und mit Jeffrey Epstein aufgebaut zu haben.

Die Staatsanwälte werden sich auf vier Frauen konzentrieren, welche behaupten, als Teenagerinnen von Maxwell rekrutiert und von Epstein missbraucht worden zu sein. Epstein wurde angeklagt, einen Ring zur sexuellen Ausbeutung von Minderjährigen unterhalten zu haben. Im August 2019 wurde er tot in seiner Zelle aufgefunden. (Lukas Zigo)

Rubriklistenbild: © NY State Sex Offender Register via www.imago-images.de

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