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Ghislaine Maxwell: Acht weitere Namen im Fall Epstein sollen öffentlich werden

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Von: Tim Vincent Dicke

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Maxwell-Prozess
Ghislaine Maxwell auf einem Archivfoto aus dem Jahr 2013. © Rick Bajornas/dpa

Die Epstein-Komplizin Ghislaine Maxwell ändert ihre Strategie. Sie ist für die Offenlegung einiger Namen in dem Missbrauchsskandal. Prinz Andrew dürfte zittern.

New York – Ghislaine Maxwell, die langjährige Vertraute des US-amerikanischen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, ist von einem New Yorker Gericht Ende letzten Jahres schuldig gesprochen worden. Auf ihr Strafmaß muss sie zwar noch warten, trotzdem verändert der Schuldspruch nun offenbar die Strategie der 60-Jährigen.

Im gesamten Prozess schwieg die Tochter des verstorbenen britischen Medienmoguls Robert Maxwell, die im Juli 2020 in einer Villa im Bundesstaat New Hampshire festgenommen wurde und seitdem in U-Haft sitzt. Sie wollte weder sich noch andere Personen mit eigenen Aussagen belasten.

Berichten zufolge könnte sich die Strategie von Ghislaine Maxwell ändern, da sie von den zwölf Geschworenen des Prozesses in fünf der sechs Anklagepunkte schuldig gesprochen wurde. Ihr droht eine jahrzehntelange Haftstrafe – was bedeuten würde, dass sie nicht mehr lebend aus dem Gefängnis herauskommt. Offenbar könnte sie genau dieser Umstand dazu bewegen, doch mit den Behörden zu kooperieren. Das mutmaßliche Motiv: eine Verminderung ihrer Strafe.

Fall Epstein: Ghislaine Maxwell plädiert für Offenlegung der Namen

Im Jahr 2016 hatte Maxwell acht Namen von Beteiligten im Fall Epstein angegeben. Mit aller Macht kämpfte sie jedoch dafür, dass diese auf keinen Fall veröffentlicht werden. In Gerichtsunterlagen werden die Personen deswegen nur anonymisiert erwähnt. Das Gericht nennt die Beteiligten bisher schlicht „Nicht-Parteien 17, 53, 54, 55, 56, 73, 93 und 151“.

In einem Brief von Maxwells Anwältin an Richterin Loretta Preska, der dem Nachrichtensender CNN vorliegt, heißt es: „Nach sorgfältiger Prüfung der detaillierten Einwände, die von den (nicht öffentlich bekannten Parteien) eingereicht wurden, teilt die Anwältin von Ghislaine Maxwell dem Gericht mit, dass meine Mandantin auf diese Einwände nicht weiter eingehen möchte.“

Schließlich hätte jede Person, dessen Name nicht veröffentlicht wurde, einen Anwalt und könne sich selbst verteidigen. „Frau Maxwell überlässt es daher diesem Gericht, die entsprechende Prüfung vorzunehmen“, schreibt die Anwältin in dem Brief. Die 60-Jährige gibt ihre bisherige Taktik also auf und kämpft nicht mehr dafür, dass die Namen verdeckt bleiben.

Epstein-Missbrauchsskandal: Namensnennung für anonyme Personen „ärgerlich und peinlich“

Die Einwände der Unbekannten, warum sie anonym bleiben wollen, sind ähnlich. Wie die britische Daily Mail den Akten des Gerichts entnimmt, will die unbekannte Person Nummer 17 ihre Identität geheim halten, weil sie der Meinung ist, dass die Nennung des Namens für sie „ärgerlich und peinlich“ wäre. Eine weitere anonyme Person, in diesem Fall Nummer 151, soll behaupten, „ein privates Leben führen“ zu wollen. Die Offenlegung der Identität würde sofort zu Folge haben, dass sie von den Medien „gejagt“ werde.

Maxwells Anwältin schreibt nun allerdings in ihrem Brief an das Gericht: „Eine generelle Abneigung gegen Peinlichkeiten und Negativität, die sich aus der Verbindung mit Epstein und Maxwell ergeben könnten, reicht nicht aus, um die weitere Versiegelung von Informationen zu rechtfertigen.“ Dies gelte insbesondere, weil der Fall Epstein von großem öffentlichen Interesse sei, bei dem es um schwerwiegende Vorwürfe des Sexhandels mit Minderjährigen gehe.

Ghislaine-Maxwell-Prozess: Welche Beziehung hatten Prinz Andrew und Jeffrey Epstein?

Beobachter:innen des Prozesses gehen davon aus, dass sich Prinz Andrew aus Großbritannien unter den bisher nicht genannten Personen befindet. Gegen den zweiten Sohn der britischen Königin Elisabeth II läuft ebenfalls in New York ein Verfahren, das sich um den Fall Epstein dreht. Über Ghislaine Maxwell hatte Andrew den Milliardär Jeffry Epstein kennengelernt und diesen mehrfach auf seinen Anwesen besucht.

Die Klägerin Virginia Giuffre wirft Andrew in dem Zivilprozess vor, sie mehrfach sexuell missbraucht zu haben, als sie erst 17 Jahre alt war. Andrew weist alle Vorwürfe gegen ihn zurück. Er könne sich nicht daran erinnern, Giuffre jemals getroffen zu haben. Es kursiert allerdings ein Foto, das zeigt, wie der Duke of York seinen Arm um die Hüfte der minderjährigen Giuffre legt.

Prinz Andrew schaut mürrisch
Prinz Andrew © Andrew Mccaren/Imago

Virginia Giuffre fordert von dem Mitglied des britischen Königshauses eine Entschädigung in nicht genannter Höhe. Ihr Anwaltsteam hat auch für die Offenlegung der Namen in dem Maxwell-Prozess plädiert. Sollten die Identitäten und Dokumente tatsächlich veröffentlicht werden, könnten diese ein neues Licht auf die Beziehung zwischen Prinz Andrew und Jeffrey Epstein werfen.

Schuldig im Fall Epstein: Ghislaine Maxwell eine „raffinierte Sexualstraftäterin“

Ghislaine Maxwell ist nach Ansicht des Gerichts in New York lange Zeit Epsteins wichtigste Komplizin für seine Sexualstraftaten gewesen. Ihre Methoden sollen dabei äußerst perfide gewesen sein. Laut der Anklage freundete sie sich zunächst mit den zum Teil erst 14 Jahre alten Mädchen an, die sie später an Epstein auslieferte. Mit einigen soll sie beispielsweise ins Kino oder shoppen gegangen sein.

Die mittlerweile 60-Jährige sei eine „raffinierte Sexualstraftäterin, die genau wusste, was sie tat“, sagte Staatsanwältin Alison Moe in ihrem Schlussplädoyer. „Epstein mochte minderjährige Mädchen, er mochte es, minderjährige Mädchen zu berühren. Maxwell wusste das.“ Sie sei ein essenzieller Baustein in dem Missbrauchskomplex gewesen – laut Moe fungierte Maxwell als „der Schlüssel“ im System Epstein. (tvd)

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