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Aussagen von Ghislaine Maxwell veröffentlicht: Epstein-Gehilfin will von nichts gewusst haben

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Ein New Yorker Gericht veröffentlicht Aussagen von Ghislaine Maxwell, der Gehilfin von Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Kriminelle Aktivitäten will sie bei ihm nicht gesehen haben.

  • Ein New Yorker Gericht veröffentlicht Aussagen von Ghislaine Maxwell.
  • Maxwell soll Jeffrey Epstein bei der Verschleppung und dem Missbrauch Minderjähriger geholfen haben.
  • Auch Mar-a-Lago, Golfclub und Wohnsitz von Donald Trump in Florida, findet Erwähnung.

New York - Sie soll Milliardär Jeffrey Epstein unterstützt haben, minderjährige Mädchen zu verschleppen und sexuell zu missbrauchen. Sie bezeichnete eines ihrer Opfer als Lügnerin. Jetzt wurden Aussagen von Ghislaine Maxwell veröffentlicht, die lange unter Verschluss geblieben waren.

Ghislaine Maxwell bestreitet, Jeffrey Epstein bei der Verschleppung und dem sexuellen Missbrauch von Minderjährigen geholfen zu haben (Foto von 2. September 2000).

Ghislaine Maxwell: Aussagen der Gehilfin von Jeffrey Epstein veröffentlicht

Ghislaine Maxwell wurde am 2. Juni im US-Bundesstaat New Hampshire verhaftet. Seitdem sitzt sie in einem Gefängnis in New York. Ihr wird die Zusammenarbeit mit Jeffrey Epstein bei dessen sexuellen Missbrauchsdelikten vorgeworfen, heißt es in der Anklageschrift. Mehrfach habe sie zudem unter Eid gelogen - bei einer Vernehmung 2016. Ein Opfer von Jeffrey Epstein, Virginia Giuffre, hatte Maxwell damals wegen Diffamierung angeklagt, weil sie Giuffre eine Lügnerin nannte.

Die New Yorker Bundesrichterin Loretta A. Preska hatte angeordnet, am Donnerstag (22.10.2020) ein 418 Seiten langes Transkript der Vernehmung Maxwells im Jahr 2016 zu veröffentlichen. Maxwell und ihre Anwälte hatten dagegen angekämpft. Die Dokumente würden ihren Prozess beeinträchtigen. Stundenlang wurde Ghislaine Maxwell verhört. Das Opfer Virginia Giuffre beschuldigt sie, minderjährige Teenager „rekrutiert“ und sie für Jeffrey Epteins Sexhandelsring verschleppt zu haben. Sie behauptet, Maxwell erstmals in Mar-a-Lago getroffen zu haben, dem Golfclub von Donald Trump in Florida, an dem der US-Präsident auch seinen Wohnsitz gemeldet hat. Auch Epstein verfügte dort über ein Anwesen. Maxwell will sich daran jedoch nicht erinnern. Der US-Präsident wird in Giuffres Aussagen nicht erwähnt.

Ghislaine Maxwell: Epstein-Gehilfin bezeichnet Opfer als Lügnerin

Maxwell soll Giuffre zu erotischen Massagen an Epsteins Körper trainiert haben, als sie 17 Jahre alt war. Darauf flog man sie im Privatjet zu seinen Bekannten, mit denen sie gezwungen wurde, zu schlafen. Darunter auch Prinz Andrew, Sohn der britischen Königin Elisabeth II. Die Aussagen bei der Vernehmung zeigen, dass Ghislaine Maxwell immer wieder jegliches Mitwirken in den Taten von Jeffrey Epstein bestritt. „Ich habe bei Jeffrey nie irgendwelche unangemessenen Aktivitäten mit Minderjährigen gesehen“, sagte sie unter anderem. Auch habe sie keine Minderjährigen für Epstein eingestellt.

„Glauben Sie, dass Jeffrey Epstein Minderjährige sexuell missbraucht hat?“ „Ich kann nur bezeugen, was ich weiß“, so Maxwell darauf. „Ich weiß, dass Virginia Giuffre eine Lügnerin ist.“ Mehrfach stellt man Ghislaine Maxwell die gleiche Frage. Dabei wiederholte sie jedoch immer, dass Giuffre gelogen habe. Die Beschuldigte weicht damit der eigentlichen Frage aus. Auf die Frage, ob man Giuffre zu Epstein nach Hause eingeladen habe, antwortete sie lediglich, dass sie eine Masseuse sei. Alle Personen, die sie für Epstein eingestellt habe, seien erwachsen gewesen.

Ghislaine Maxwell: Aussagen bei einer Vernehmung veröffentlicht

„Wieso führten sie weiterhin Kontakt zu Epstein, nachdem er auf schuldig plädiert hatte?“, wurde Ghislaine Maxwell gefragt. „Ich glaube, dass man eine gute Freundin sein sollte, wenn Leute sich in Not befinden“, antwortete sie, „und ich finde, dass ich damit etwas sehr Rücksichtsvolles getan habe, ihm zu helfen, auch wenn es auf eine sehr eingeschränkte Weise war.“

Jeffrey Epstein hat sich letztes Jahr im Gefängnis angeblich umgebracht. Der Prozess gegen Ghislaine Maxwell beginnt im Juli 2021. Donald Trump, jahrelang Freund von Epstein, wünschte ihr „alles Gute“. (Lukas Rogalla)

Rubriklistenbild: © Chris Ison/PA Wire/dpa

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