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Die etwas kleineren Waldelefanten - hier in Gabun - werden oft mit ihren größeren Artgenossen in einen Topf geworfen. Amaury HAUCHARD/AFP
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Die etwas kleineren Waldelefanten - hier in Gabun - werden oft mit ihren größeren Artgenossen in einen Topf geworfen. Amaury HAUCHARD/AFP

Waldelefanten

Getötet fürs Prestige

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Wilderei, eingeschränkte Lebensräume, Klimawandel: Nun gelten auch die afrikanischen Waldelefanten als akut vom Aussterben bedroht

Sie sind die Hofnarren ihrer majestätischen Verwandtschaft. Waldelefanten sind fast um die Hälfte kleiner als ihre tonnenschweren Artgenossen, die in Afrikas Savannenlandschaften unterwegs sind. Sie haben geradere Stoßzähne und kleinere Ohren, die in ihrem Fall rund und nicht wie die Umrisse des afrikanischen Kontinents geformt sind. Ihre gedrungene Gestalt lässt sie putziger als die massigen Exemplare der „Loxodonta africana“ erscheinen. Doch ihr Schicksal ist noch tragischer als das ihrer mächtigen Verwandten.

Die Internationale Union für die Erhaltung der Natur (IUCN) hat die Waldelefanten jetzt erstmals als „akut vom Aussterben bedroht“ auf ihre „Rote Liste“ gesetzt – nur noch eine Stufe vom Exitus entfernt. In den vergangenen drei Jahrzehnten sei die Gesamtzahl der „Loxodonta cyclotis“ um 86 Prozent in die Tiefe gestürzt, schlagen die Tierschützerinnen und Tierschützer Alarm: Sie bevölkern nur noch ein Viertel der afrikanischen Waldgebiete, in denen sie einst heimisch waren. Vor allem in Westafrika seien die drolligen Dickhäuter weitgehend ausgerottet – in größerer Zahl sind sie lediglich noch in Gabun und der Republik Kongo zu finden.

Obwohl alle Indizien für eine eigene Art sprachen, die sich mit dem Mammut und dem indischen Elefanten schon vor sechs Millionen Jahren vom Ur-Elefanten wegentwickelt hatte, warfen Naturschützer:innen die kaum 2,5 Meter großen Jumbopygmäen bisher in einen Topf mit ihren über vier Metern großen Verwandten. Das sollte ihren Schutz einfacher machen, trug jedoch zur Verschleierung ihres tragischen Schicksals bei. Die Rüsseltiere in den Savannen galten bislang nicht einmal als „gefährdet“: Sie wurden auf der Roten Liste lediglich als „verletzlich“ geführt.

Allerdings ist auch das nun Geschichte. Erstmals stuft die IUCN jetzt auch die Savannen-Elefanten als „gefährdet“ ein. Auch ihre Zahl soll sich in den vergangenen 50 Jahren um 60 Prozent verringert haben. Alles in allem leben in Afrika heute noch 415 000 Elefanten, vor einem halben Jahrhundert sollen es noch 1,5 Millionen gewesen sein.

Verantwortlich für den drastischen Fall ist nach Auffassung von Fachleuten vor allem die Wilderei, die seit zwölf Jahren wieder stark zugenommen hat. Der Boom wird auf die zunehmende Kaufkraft in China zurückgeführt. Dort gelten aus Elfenbein hergestellte Kunst- und Gebrauchsgegenstände als Prestigeobjekte. Zwischen 2008 und 2012 schossen Wilderer allein in Tansania und Mosambik rund 100 000 Savannen-Elefanten ab. In Kamerun und der Demokratischen Republik Kongo sollen in den vergangenen 15 Jahren neun von zehn Waldelefanten getötet worden sein.

Eein Ende des mörderischen Booms ist nicht abzusehen. Vor zwei Jahren seien 42,5 Tonnen Elfenbein beschlagnahmt worden, meldet die Naturschutzorganisation Pro Wildlife. 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Weil höchstens zehn Prozent der illegal gehandelten Stoßzähne aufgegriffen werden, sei davon auszugehen, dass jährlich mindestens 30 000 Elefanten der Wilderei zum Opfer fallen, rechnet Pro-Wildlife-Sprecherin Daniela Freyer vor. Während der internationale Elfenbeinhandel seit 1989 verboten ist, dürfen die Stoßzähne innerhalb Japans und der EU noch immer gehandelt werden – unter dem Druck von Naturschutzorganisationen will die EU nun die Gesetze verschärfen.

Die Stoßzähne des kleineren Waldelefanten sind unter Elfenbeinhändler besonders geschätzt: Das rosa schimmernde Material ist härter und lässt sich besser zu Figuren verarbeiten. Die Miniatur-Jumbos haben zudem den Nachteil, dass sie ihr Habitat, den Urwald, oft mit Rebellenorganisationen teilen. Die kaufen sich mit Einnahmen aus dem Elfenbeinschmuggel Waffen.

Doch die Wilderei ist nicht die einzige Gefahr, der sich die Dickhäuter ausgesetzt sehen. Elefanten brauchen weite Lebensräume, die die wachsende afrikanische Bevölkerung immer mehr einschränkt. Nur im Südlichen Afrika wurden bislang riesige länderübergreifende Naturschutzgebiete wie der „Kavango Sambesi Park“ zwischen Simbabwe, Botswana, Sambia, Namibia und Angola geschaffen: Dort hat sich die Zahl der Savannen-Jumbos stabilisiert.

Den Waldelefanten steht die schlimmste Bedrohung womöglich erst noch bevor. Laut Lee Whites, Umweltminister von Gabun, hat die Klimaerwärmung messbare Auswirkungen auf die Fruchtproduktion von Urwaldbäumen. Diese sei in Gabuns „Lope National Park“ in den vergangenen drei Jahrzehnten um gut 80 Prozent gesunken. Hungernde Waldelefanten verließen zunehmend den Urwald, um sich woanders nach Essbarem umzusehen – und geraten dort in Konflikt mit Menschen, die sich von den Dickhäutern bedroht fühlten. Wer sich eine Welt – wie er selbst – nicht ohne Elefanten vorstellen könne, müsse jetzt etwas tun, appelliert Lee White im britischen „Guardian“: „Die Zukunft sowohl des Savannen- wie des Waldelefanten wird in den Herzen der Menschen in Afrika und im Rest der Welt entschieden.“

Zehntausende fallen jährlich der Wilderei zum Opfer. j. Dieterich

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