Kampf gegen Moskitos: Ein Arbeiter In Managua räuchert ein Haus aus, um die Bewohner vor Zika zu schützen.
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Tropenmedizin

Gesundheitsrisiko Urlaub

  • vonStefan Sauer
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Immer mehr Menschen reisen immer öfter, damit steigt auch die Gefahr, schwer zu erkranken.

Die Welt geht auf Reisen. Schätzungsweise 1,2 Milliarden Menschen haben 2016 Staatsgrenzen überquert, um Verwandte zu besuchen, Ferien zu machen oder Geschäfte abzuschließen. Indem der Homo Sapiens in immer größerer Zahl immer größere Entfernungen überwindet, ist er einer bisher nie gekannten Zahl fremdartiger Krankheitserreger ausgesetzt. Manche sind harmlos, viele sind lästig, einige aber sind gefährlich. Die Malaria tropica etwa ist trotz rückläufiger Infektionsraten und Todeszahlen noch immer ein Massenkiller: 2015 wurden nach Auskunft des Centrums für Reisemedizin (CRM) weltweit 212 Millionen Infektionen und 430 000 Malariatote registriert. Auch Gelbfieber, Zika oder Dengue fordern viele Opfer.

Besonders gefährdet sind die rund 100 Millionen Minderjährigen, die sich mittlerweile jährlich auf Reisen begeben. Ihr Immunsystem ist noch nicht so ausgebildet wie das Erwachsener und sie neigen unbewusst zu riskantem Verhalten, etwa zum Streicheln herumstreunender Tiere.
Was können Eltern beachten, um das Erkrankungsrisiko gering zu halten? Grundsätzlich rät das CRM zu den üblichen Impfungen, etwa gegen Polio, Masern, Tetanus oder Keuchhusten. Reisen in Regionen mit hohem Malaria-Risiko der besonders gefährlichen Tropica-Variante sollten mit Kindern unter fünf Jahren nicht unternommen werden.

Kinder besonders gefährdet

Dazu zählen zum Beispiel weite Teile Indonesiens sowie West- und Ostafrikas. Auch Ziele, die höher als 2500 Meter über Normalnull liegen, sollten laut CRM mit Kleinkindern gemieden werden. Überhaupt ist die kindgerechte Auswahl des Reiseziels die beste Vorbeugung gegen schwerwiegende Erkrankungen, weiß CRM-Kinderfacharzt Mathias Wagner. Kleine Kinder wollten vor allem Zeit mit den Eltern verbringen, spielen und baden, nicht aber auf die höchsten Berge oder in die exotischsten Urwaldregionen. „Das entspricht eher dem Wunsch der Eltern“, sagt Wagner.

In Beratungsgesprächen weist Wagner regelmäßig darauf hin, dass Kinder, was Hitze, Kälte, große Höhen und starke UV-Strahlung betrifft, weniger anpassungsfähig seien als Erwachsene. Dass die Notwendigkeit, sich ständig mit starken Lichtschutzcremes und Anti-Mückenmittel einzuschmieren, beim Nachwuchs in aller Regel auf wenig Gegenliebe stößt und zu einem Dauerärgernis im Urlaub werden kann. Und dass das Risiko heftiger Durchfallerkrankungen ungeachtet aller Vorsichtsmaßnahmen in Kenia eben doch höher ist als in Österreich.

In vielen Fällen reichten die Hinweise auf solche Risiken aus, um eine besonders abenteuerliche Fernreise auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Anders verhält es sich bei Minderjährigen mit Migrationshintergrund, die Verwandte und Freunde besuchen.

Impfungen sind oft teuer

Zu dieser Gruppe zählen rund 80 Prozent der Reisenden, die von Deutschland aus in Malaria-Gebiete reisen. Bei ihnen geht es nicht nur um Erholung, sondern um Kontakt zur Heimat. Für die Familien sind die Reisen kostspielig – weshalb sie vor teuren Impfungen und vorbeugenden Schutzmaßnahmen wie der Malaria-Prophylaxe zurückschrecken. „Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten der Schutzimpfungen aber und einige auch die Malaria-Prophylaxe“, sagt Wagner. Wünschenswert wäre es laut CRM, wenn Impfungen und Prophylaxe grundsätzlich von allen Kassen gezahlt würden.

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