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Eine Frau im Hafen von Macquarie versucht, einem Grindwal zu helfen.

Grindwale

Gestrandet in Strahan

  • vonBarbara Barkhausen
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Hunderte Wale sterben vor Tasmanien – nur wenige können gerettet werden. Dennoch ist der Hilfseinsatz nicht vergebens.

Bei der bisher größten Strandung von Walen in Australiens Geschichte konnten Helfer am Donnerstag zumindest teilweise positive Nachrichten melden. 88 Tiere konnten gerettet und zurück ins Meer geleitet werden, meldete die Umweltbehörde der Insel Tasmanien. Außerdem besteht bei wenigen Walen die Chance, dass sie noch gerettet werden können.

Für die verbleibenden Tiere gibt es jedoch keine Hoffnung mehr. „Wir können bestätigen, dass rund 380 Wale bei der Massenstrandung von etwa 470 Walen in Strahan gestorben sind“, hieß es in einer offiziellen Erklärung vom Tasmania Parks and Wildlife Service am Donnerstag.

Die Strandung ist die bisher größte in Australien. Vergleichbar ist nur ein Vorfall in Westaustralien 1996, als 320 Wale anstrandeten. Damals konnten nur 20 Tiere gerettet werden. Der weltweit bisher schlimmste Vorfall ereignete sich 1918 auf der neuseeländischen Insel Chatham, als etwa 1000 Wale gestrandet waren. Die Insel gilt als Hotspot für Strandungen. Auch in Tasmanien geschieht dies häufig. Mehr als 80 Prozent der australischen Walstrandungen betreffen Tasmanien – Macquarie Heads nahe Strahan ist bereits bekannt dafür.

Tote Tiere einsammeln

Angestrandete Wale zu retten, ist schwierig und aufgrund der Größe der Tiere extrem harte Arbeit. In diesem Fall handelt es sich um Grindwale, die auch als Pilotwale bekannt sind. Sie gehören zur Familie der Delfine und werden im Durchschnitt zwischen drei und sechs Meter lang und wiegen bis zu drei Tonnen. Die derzeitige Rettungsaktion kann deswegen durchaus als Erfolg für die australischen Behörden gewertet werden. Der Biologe und Umweltschützer Sam Thalmann bezeichnete sie im Interview mit dem lokalen Sender ABC als einen „Sieg“.

Nic Deka, der Koordinator der Rettung, sagte am Donnerstag, dass sich der Fokus nun darauf verlagere, die toten Wale, die über Sandbänke und Buchten verstreut liegen oder im Wasser schwimmen, einzusammeln. „Es ist ein komplexer Ort und viele Wale sind untergetaucht“, sagte er lokalen Medien. Es sei schwer zu beurteilen, welche Tiere noch leben und welche bereits tot sind. Laut Umweltbehörde mussten Helfer am Donnerstag auch die ersten Meeressäuger töten, um ihnen große Qualen zu ersparen.

Dem „Guardian“ bestätigte Deka, dass die Arbeit, die toten Wale einzusammeln, bereits begonnen habe. Es gebe jedoch Bedenken, dass die Tiere aufblähen und zu driften beginnen würden. Dies wäre mit Gefahren verbunden: Zum einen stellen die Säuger eine Gefahr für Schiffe dar, zum anderen können sie Haie anziehen. „Das ist immer ein Risiko“, sagte Deka. Zudem könne die Zersetzung der Kadaver den Sauerstoffgehalt in Teilen des Hafens beeinflussen. Laut des Experten wäre die beste Lösung, die Tiere ins Meer hinauszuschleppen, aber es kann einige Tage dauern, bis Gezeiten und Strömungen dafür günstig sind. Ein geeignetes Schiff ist bereits vor Ort, ein Lastkran soll am Montag eintreffen.

Wale auf Nahrungssuche?

Meeresforscher sind sich nach wie vor nicht sicher, was die Wale zu der Strandung veranlasst haben könnte. Massenstrandungen von mehreren hundert Grindwalen sind keine Seltenheit, wie die Umweltaktivisten „Sea-Shepherd“ auf ihrer Webseite schreiben. „Gewöhnliche Grindwale schwimmen in der Regel in großen Schulen mit hunderten von Walen“, heißt es dort. Diese Schulen würden aus kleinen, stark miteinander verbundenen Gruppen von bis zu 20 Tieren bestehen, die von weiblichen Grindwalen angeführt werden.

Diese „intensiven familiären Bindungen“ gepaart mit der Annahme, dass die Schule einem einzigen Anführer folgt, könnten erklären, warum so viele Tiere gleichzeitig stranden. „Es ist zwar nicht wissenschaftlich bewiesen, es wird aber allgemein angenommen, dass dies der Grund für die tragischen Massenstrandungen ist“, schreiben die Umweltschützer. Australische Meeresbiologen rätselten auch, ob die Wale auf der Nahrungssuche in ihre missliche Lage geraten sein könnten.

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