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Amanda Knox bei einem Fernsehinterview im Januar 2014.

Mord in Italien

Gericht entscheidet im Fall Knox

Schuldspruch, Freispruch, Schuldspruch - und nun? Im Fall um die ermordete britische Studentin Meredith Kercher muss erneut das oberste Gericht in Italien entscheiden. Die verurteilte Amanda Knox wird sich dort nicht blicken lassen.

Sie hat einen Job als Reporterin und plant ihre Hochzeit. Amanda Knox versucht in den USA allem Anschein nach ein normales Leben zu leben. Doch die Justiz in Italien könnte den Plan der 27-Jährigen durchkreuzen. Denn nach fast acht Jahren, vier Urteilen und mehreren spektakulären Wendungen liegt der Fall um die ermordete britische Austauschstudentin Meredith Kercher erneut vor dem höchsten Gericht in Italien. Haben Amanda Knox, auch genannt "der Engel mit den Eisaugen", und deren damaliger Freund, der Italiener Raffaele Sollecito, die Britin in der italienischen Stadt Perugia getötet? 

Der Kassationsgerichtshof in Rom berät an diesem Mittwoch (25. März) erneut über den Schuldspruch gegen die beiden. Knox war im Januar letzten Jahres zu 28 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden, Sollecito zu 25 Jahren. Das Berufungsgericht in Florenz hatte damals einen Freispruch der beiden aufgehoben. Das haben die Verteidiger jedoch angefochten, weil Knox und Sollecito unschuldig seien.

Bilder von Knox im Gerichtssaal wird es aber dieses Mal nicht geben. Die Amerikanerin war wohlweislich gleich nach ihrem Freispruch 2011 in ihre Heimat USA zurückgekehrt. Freiwillig werde sie niemals nach Italien zurückkehren, kündigte sie an. Zuvor hatte sie dort rund vier Jahre im Gefängnis gesessen, weil sie und Sollecito in einem ersten Indizienprozess schuldig gesprochen worden waren.

Bestätigt das Kassationsgericht am Mittwoch nun den Schuldspruch, könnte wirklich das letzte Kapitel der Justizsaga geschrieben sein. Das wäre nicht unwahrscheinlich, weil das Gericht den Freispruch beim ersten Mal auch aufgehoben hatte.

Jedoch können die Richter den Fall auch erneut an ein anderes Gericht verweisen - das würde einen Neustart des Mammutverfahrens bedeuten. Knox sei vor der Entscheidung "in Sorge und angespannt", zitiert die Nachrichtenagentur Ansa ihre Anwälte.

Zweifel werden bleiben

Egal, wie das Urteil ausfällt: Zweifel wird es in dem Fall wohl immer geben. Denn was damals wirklich passiert war, ließ sich nie rekonstruieren. War ein Sexspiel ausgeufert oder war es das tödliche Ende eines Streits um eine verschmutzte Toilette? Fest steht: Anfang November 2007 wurde Kerchers halbnackte Leiche in Perugia gefunden, vergewaltigt, mit durchschnittener Kehle und etlichen Messerstichen. Das brutale Verbrechen schockierte Italien, die Öffentlichkeit wollte einen Schuldigen. Schienen die schnell verhafteten Knox und Sollecito zunächst eindeutig die Täter, kamen später immer mehr Zweifel auf. Ermittlungspannen überschatteten den Fall. Rechtskräftig verurteilt ist bisher nur der Ivorer Rudy Guede, der wegen Beihilfe zum Mord 16 Jahre Haft bekam. Aber die Öffentlichkeit interessierte sich eher für die schöne Knox als für Guede.

In ihrer Heimatstadt Seattle gibt sich Knox bedeckt. Dort ist sie als Reporterin im Einsatz und will bald den gleichaltrigen Musiker Colin Sutherland heiraten - die beiden kennen sich noch aus Teenagerzeiten. Sutherland zog von New York an die Westküsten-Metropole.

Unklar ist, was passiert, wenn das Gericht in Italien nun den Schuldspruch bestätigt. Wird Knox dann ausgeliefert? Stellt Italien einen entsprechenden Antrag, müssen die US-Justiz und Außenminister John Kerry entscheiden. Letzterer würde bei einem Nein allerdings ein diplomatisches Zerwürfnis mit Rom auslösen. Nach US-Recht kann aber niemand zweimal für dasselbe Verbrechen vor Gericht gestellt werden.

Ihr damaliger Freund Sollecito würde jedenfalls in Italien ins Gefängnis wandern. Ihm wurde der Pass wegen Fluchtgefahr abgenommen. Bei der Entscheidung des Kassationsgerichts will er dabei sein. "Er führt sein Leben weiter, wie jeden Tag. Er versucht, so wenig wie möglich an Mittwoch zu denken", sagte sein Vater Francesco Sollecito. "Die Hoffnung ist, dass ihm nun endlich zugehört wird."

Der Justizkrimi wird die Welt aber auch nach der Entscheidung in Rom in Atem halten. Denn wenige Tage danach erscheint in Großbritannien der Kino-Thriller "The Face of an Angel" ("Die Augen des Engels") mit Kate Beckinsale und Daniel Brühl, der an den Fall Knox angelehnt ist. Im Mai folgt der deutsche Kinostart. (Annette Reuther, dpa)

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