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Gérard Depardieu verurteilt Wladimir Putins „verrückte Exzesse“: Kreml reagiert überraschend

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Von: Daniel Dillmann

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Gérard Depardieu steht aufgrund des Ukraine-Kriegs nicht länger an der Seite von Wladimir Putin. (Archivbild)
Gérard Depardieu steht aufgrund des Ukraine-Kriegs nicht länger an der Seite von Wladimir Putin. (Archivfoto) © Ammar Abd Rabbo/AFP

Gérard Depardieu bricht mit seinem alten Freund Wladimir Putin. Der Kreml reagiert mit einem Angebot an den Schauspieler.

Paris/Moskau – Schauspieler Gérard Depardieu hat aufgrund des Ukraine-Kriegs den russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin attackiert. Die Angriffe auf die Städte der Ukraine seien „verrückte und inakzeptable Exzesse“, so Depardieu laut einer Mitteilung der französischen Nachrichtenagentur AFP.

Explizit von seiner Kritik nahm Depardieu allerdings die Bevölkerung in Russland aus. Sie sei „nicht verantwortlich“ für das Verhalten des Kreml-Chefs. Der 73 Jahre alte Schauspieler kündigte außerdem an, den gesamten Erlös seiner drei für Anfang April geplanten Auftritte im Pariser Théâtre des Champs-Elysées „den ukrainischen Opfern zugutekommen“ zu lassen.

Ukraine News: Gérard Depardieu bricht mit Wladimir Putin

Gérard Depardieu ist seit dem Jahr 2013 russischer Staatsbürger. Die Staatsbürgerschaft war ihm von Wladimir Putin persönlich angeboten worden. Depardieu hatte zuvor bekannt gegeben, er wolle aufgrund von Steuerstreitigkeiten mit dem französischen Staat seine französische Staatsbürgerschaft abgeben. Russland bezeichnete Depardieu damals als „große Demokratie“, den russischen Präsidenten verglich er unter anderem mit dem früheren Papst Johannes Paul II. Auch jetzt sei er dem „russischen Volk auf einzigartige Weise zugeneigt“. Er verwies dabei aber nicht mehr auf Putin, sondern nun auf große russische Schriftsteller und Komponisten wie Fjodor Dostojewski, Lew Tolstoi, Nikolai Gogol, Sergej Prokofjew und Dmitri Schostakowitsch.

Damals war noch alles gut: Gérard Depardieu und Wladimir Putin im Jahr 2013
Damals war noch alles gut: Gérard Depardieu und Wladimir Putin im Jahr 2013 © Mikhail Klimentyev/AFP

Ukraine News: Sinneswandel in Sachen Ukraine-Krieg bei Gérard Depardieu

Zu Beginn des Ukraine-Konflikts hatte Gérard Depardieu gegenüber Wladimir Putin und Russland noch andere Töne angeschlagen. Auf Instagram teilte er damals ein Foto von sich und Putin. Die Aufnahme betitelte Depardieu mit „Freundschaft“. Zu diesem Zeitpunkt hatte Moskau schon zehntausende Soldaten und schweres Gerät an der Grenze zur Ukraine zusammengezogen.

Zur Person
NameGérard Depardieu
Geboren27. Dezember 1948 (73 Jahre), in Châteauroux (Frankreich)

Anfang März änderte sich dann der Tonfall Gérard Depardieus. Öffentlich appellierte er an beide Seiten, dem Krieg ein Ende zu setzen und einen Waffenstillstand zu vereinbaren. „Russland und die Ukraine waren immer Bruderländer. Ich bin gegen diesen Bruderkrieg“, erklärte er damals.

Ukraine News: Moskau reagiert auf Attacken Gérard Depardieus

Die harte „Exzess“-Vorwürfe des Schauspielers lösten auch eine Reaktion aus Moskau aus. Ein Abgeordneter der Duma, Sultan Khamzayev, forderte gar, Gérard Depardieu die Staatsbürgerschaft nun wieder abzuerkennen.

Die Regierung von Wladimir Putin reagierte dagegen mit einem nachsichtigen Angebot. Laut Angaben des Nachrichtenportals Moscow Times bot der Kreml Gérard Depardieu an, ihm den Ukraine-Krieg „zu erklären“. Kreml-Sprecher Dimitri Peskov sagte: „Ich glaube, dass Depardieu sehr wahrscheinlich nicht versteht, was passiert.“ Der Schauspieler wisse nicht, „was 2014 in der Ukraine“ passiert ist. Der Regierung in Kiew warf Peskov vor, damals Städte im Osten des Landes bombardiert zu haben. Man sei aber bereit, Depardieu aufzuklären, „damit er alles besser versteht“. (dil/dpa)

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