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George Floyd: Familie erhält 27 Millionen US-Dollar Schmerzensgeld

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Von: Mirko Schmid, Tim Vincent Dicke

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Minneapolis einigt sich mit der Familie des infolge von Polizeigewalt verstorbenen George Floyd auf ein Schmerzensgeld in Rekordhöhe. Der Strafprozess gegen Derek Chauvin läuft weiter.

Update vom Freitag, 12.03.2021, 21.10 Uhr: Die Familie von George Floyd einigt sich mit der Stadt Minneapolis auf ein Schmerzensgeld in Höhe von 27 Millionen US-Dollar. Damit legen beide Parteien den Zivilrechtsstreit um den Tod des unter dem Knie des damaligen Polizisten Derek Chauvin erstickten Familienvaters außergerichtlich bei. Ein Schmerzensgeld in diese Höhe hat es in den USA in einem vergleichbaren Fall bisher nicht gegeben.

George Floyd Protest Gerechtigkeit
Gerechtigkeit für George Floyd: In Minneapolis fordern Demonstrierende eine Verurteilung von Derek Chauvin. © Imagespace via www.imago-images.de

Unterdessen wird der Strafprozess gegen Chauvin und drei weitere ehemalige Polizisten fortgesetzt, allen drohen lange Freiheitsstrafen. Derzeit werden vor einem Gericht in Minneapolis die Geschworenen ausgewählt, zur Last gelegt wird Derek Chauvin Mord zweiten und dritten Grades an George Floyd, eine Verurteilung in letzterem Fall könnte für Chauvin eine Freiheitsstrafe von bis zu 25 Jahren bedeuten. Die drei übrigen Tatverdächtigen stehen in einem separaten Verfahren vor Gericht, dieses soll ab dem 23. August verhandelt werden.

George Floyd: Vor dem Gericht formiert sich Protest - Menschen fordern Gerechtigkeit

Update vom Dienstag, 09.03.2021, 11.15 Uhr: Im Prozess gegen einen weißen Ex-Polizisten wegen des gewaltsamen Todes von George Floyd hat sich die Auswahl der Geschworenen verzögert. Vor dem Gericht in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota sorgte zunächst die Frage eines möglichen dritten Anklagepunktes gegen den entlassenen Polizisten Derek Chauvin für Verwirrung. Die Auswahl der zwölfköpfigen Jury dürfte deswegen frühestens am heutigen Dienstag (08.03.2021) beginnen.

Der Prozess findet enorme Beachtung und wird live übertragen. Dem nach dem Tod von George Floyd entlassenen Polizisten wird unter anderem „Mord zweiten Grades“ zur Last gelegt. Das entspricht einem Totschlag in einem besonders schwerem Fall, wenn auch ohne Tötungsabsicht, und kann mit bis zu 40 Jahren Gefängnis bestraft werden. Ein zweiter Anklagepunkt lautet „Totschlag zweiten Grades“. Die Anklage will außerdem, dass dem 44-Jährigen auch wegen eines dritten Anklagepunktes „Mord dritten Grades“ der Prozess gemacht wird. Darüber gibt es aber juristische Auseinandersetzungen. Richter Peter Cahill hatte den Anklagepunkt zunächst verworfen, die Staatsanwaltschaft ging dagegen in Berufung. Diese Frage ist noch in höherer Instanz anhängig.

Derweil versammelten sich Hunderte Menschen in der Nähe des Gerichts und forderten forderten eine Verurteilung von Derek Chauvin. Der 44-Jährige befindet sich derzeit gegen Kaution auf freiem Fuß. „Keine Gerechtigkeit, kein Frieden“ skandierte die Menge. Viele zeigten sich besorgt, dass der ehemalige Polizist am Ende ohne Strafe davonkommen könnte. „Wenn man weiß, wie es normalerweise läuft, besteht die Möglichkeit, dass er (Chauvin) freigesprochen wird“, zitierte Al Jazeera den 28-jährigen Josh Simms. Aber Anika Bowie gab sich kämpferisch: „Wir werden uns zeigen, immer hartnäckig bleiben und das System hinterfragen“, sagte die Vizepräsidentin der Bürgerrechtsbewegung NAACP in Minneapolis.

Verurteilungen wegen Polizeigewalt sind in den USA sehr selten. Der Prozess gegen drei weitere Polizisten, die an Floyds Festnahme beteiligt waren, beginnt erst im August.

Demonstranten versammeln sich vor dem Gerichtsgebäude von Hennepin County, wo der Mordprozess nach der Tötung von George Floyd stattfindet
Die Menschen fordern Gerechtigkeit für George Floyd. © Jim Mone/dpa

George Floyd: Onkel zweifelt vor Prozessbeginn an Gerechtigkeit des Verfahrens

Update vom Montag, 08.03.2021, 16.32 Uhr: Zum Prozessauftakt um den Tod von George Floyd hat dessen Onkel Zweifel an der „Gerechtigkeit“ in dem Verfahren geäußert. „Natürlich möchte ich, dass er schuldig gesprochen wird“, sagte Selwyn Jones mit Blick auf den weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin, der Floyd minutenlang das Knie auf den Nacken gedrückt hatte. Doch „mit technischen Fragen“ könne das System manipuliert werden. „Das haben wir in der Vergangenheit schon oft gesehen“, sagte der 55-Jährige der Nachrichtenagentur AFP. „Ich möchte, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wird, auch wenn sie in meinem Herzen niemals gerecht sein wird“, sagte Jones.

Trotz deutlicher Beweise eines Handyvideos, auf dem der Vorfall dokumentiert ist, zeigt er sich besorgt über das in einigen Wochen zu erwartende Urteil. „Wenn sie Chauvin damit davonkommen lassen, dann müssen wir für Minneapolis und viele andere Orte beten, denn die Leute werden ausrasten“, warnte der Onkel. „Ich hasse Krawalle, aber manchmal ist das die einzige Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen.“ Schließlich sei der einzige Grund für die Verhaftung von Chauvin seiner Kollegen gewesen, „dass die Leute es nicht mehr ertragen konnten und anfingen, die Nachricht zu verbreiten“. Die Ankündigung neuer Proteste am Rande des Prozesses sowie die mediale Aufmerksamkeit geben Jones trotz aller Zweifel etwas Hoffnung: „Es gibt so viel Druck in diesem Fall, sie müssen etwas tun.“

Fall George Floyd: Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen startet der Prozess gegen den Ex-Polizisten George Floyd in Minneapolis.
Fall George Floyd: Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen startet der Prozess gegen den Ex-Polizisten George Floyd in Minneapolis. © Anthony Souffle/Imago Images

Fall George Floyd: Prozess startet – Behörden befürchten Ausschreitungen

Erstmeldung vom Sonntag, 07.03.2021, 18.18 Uhr: Washington D.C. – „Ich kann nicht atmen“, flehte George Floyd immer wieder – vergeblich. Die Worte von dem langsamen, qualvollen Tod des Afroamerikaners gingen um die Welt. Rund neun Minuten lang drückte der weiße Polizist Derek Chauvin sein Knie in den Nacken des auf dem Boden liegenden Floyd. Das auf einem Handyvideo festgehaltene Ableben des 46-Jährigen sorgte international für Entsetzen und löste beispiellose Proteste gegen Rassismus aus. Chauvin wurde zum Sinnbild für Polizeigewalt in den USA. Nun startet der Prozess gegen den ehemaligen Polizisten.

In Minneapolis beginnt am Montag (08.03.2021) die Auswahl der zwölf Geschworenen. In der Stadt im nördlichen US-Bundesstaat Minnesota war es am 25. Mai des vergangenen Jahres zum tödlichen Aufeinandertreffen zwischen George Floyd und Derek Chauvin gekommen. Drei Wochen sind für die Auswahl veranschlagt – in einem so öffentlichen Fall eine komplizierte Prozedur. Die inhaltlichen Verhandlungen sollen schließlich am 29. März beginnen und dürften sich bis Ende April ziehen.

Prozess gegen Derek Chauvin im Fall George Floyd: Viele hoffen auf deutliches Zeichen

Viele Menschen, darunter wohl auch die meisten Afroamerikaner, hoffen auf eine lange Haftstrafe für den Ex-Beamten. Auf ein Urteil, das ein Zeichen gegen Rassismus, Diskriminierung und Polizeigewalt setzt – ein Symbol dafür, dass Gewalt gegen Schwarze in den USA nicht ungestraft bleibt.

Polizisten hatten George Floyd festgenommen, weil er mit einem gefälschten 20-Dollar-Schein Zigaretten gekauft haben soll. Doch der in Handschellen gelegte Familienvater weigerte sich, in ein Polizeiauto zu steigen. Die Beamten fixierten Floyd schließlich auf den Boden – und Derek Chauvin presste ihm mit aller Kraft sein linkes Knie in den Nacken.

Der 44-Jährige ließ nicht von George Floyd ab, obwohl der mehr als 20 Mal klagte, keine Luft mehr zu bekommen, um sein Leben flehte und nach seiner Mutter rief. Derek Chauvin nahm auch nicht sein Knie von ihm, als der Afroamerikaner das Bewusstsein verlor.

Fall George Floyd: Derek Chauvin weist Vorwürfe zurück

Chauvin und die drei anderen an der Festnahme beteiligten Polizisten wurden entlassen und angeklagt. Zunächst wird nun Chauvin der Prozess gemacht. Der Hauptanklagepunkt lautet auf „Mord zweiten Grades“. Das entspricht in etwa einem Totschlag in besonders schwerem Fall und kann mit bis zu 40 Jahren Gefängnis bestraft werden, auch wenn die Staatsanwaltschaft keine Tötungsabsicht sieht.

Der Ex-Polizist, der sich gegen Kaution auf freiem Fuß befindet, weist die Vorwürfe zurück. Sein Anwalt Eric Nelson erklärte, Derek Chauvin habe gemäß seiner Ausbildung gehandelt, um einen widerspenstigen Festgenommenen zu kontrollieren. Er argumentierte, George Floyd sei an dem Opioid Fentanyl zu Tode gekommen. Die Gerichtsmedizin hat die Droge in Floyds Blut nachgewiesen, bei der Todesursache aber explizit auf den Druck auf den Nacken des 46-Jährigen verwiesen.

Derek Chauvin wird am 11.09.2020 zu einer Vernehmung zum Tod von George Floyd gebracht.
Derek Chauvin wird am 11.09.2020 zu einer Vernehmung zum Tod von George Floyd gebracht. © David Joles/AP/dpa

Der für die Staatsanwaltschaft arbeitende Jurist Neal Katyal bezeichnete den Prozess kürzlich als „einen der wichtigsten in der Geschichte unserer Nation“. Denn immer wieder werden die USA von Fällen von tödlicher Polizeigewalt gegen Afroamerikaner erschüttert. Erst kürzlich sorgte ein neuer Fall für Entsetzen. Polizisten werden aber nur sehr selten für ihr Fehlverhalten zur Rechenschaft gezogen.

George Floyd: Behörden fürchten neue Proteste und Ausschreitungen

„Dass ein Polizist wegen missbräuchlicher Gewaltanwendung angeklagt wird, ist in den USA selten, und erst Recht wegen Mordes“, sagt der Polizei-Experte Ashley Heiberger. Noch seltener seien Verurteilungen: Im Zweifelsfall entscheide die Jury eher zugunsten von Polizisten. Für einen Schuldspruch gegen Derek Chauvin ist ein einstimmiges Votum der zwölf Geschworenen nötig.

Falls das Gericht in Minneapolis Chauvin nur eine geringe Haftstrafe im Fall George Floyd auferlegen sollte, oder ihn freisprechen sollte, könnte es zu einer neuen Protestwelle kommen. Die Behörden befürchten Demonstrationen und Ausschreitungen. Für den Prozess gelten deswegen massive Sicherheitsvorkehrungen. Das Gerichtsgebäude wurde mit Zäunen, Betonbarrieren und Stacheldraht abgesichert, 2000 Truppen der Nationalgarde stehen zum Einsatz bereit. (Tim Vincent Dicke mit AFP/dpa)

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