+
Zeitumstellung: Ende mit der Fummelei.

Zeitumstellung

Genug an der Uhr gefummelt

  • schließen

Jetzt noch mal amtlich: Die Zeitumstellung wird 2019 abgeschafft – aber was bedeutet das?

Im Oktober 2019 sollen die EU-Bürger zum letzten Mal an der Uhr drehen: Das ist der Zeitplan, den EU-Kommissarin Violeta Bulc bei einer Pressekonferenz zum Gesetzesvorschlag der Kommission am Freitag in Brüssel vorgegeben hat. Mitgliedsstaaten, die sich für die dauerhafte Sommerzeit entscheiden, steht die letzte Zeitumstellung schon im März 2019 bevor. Wenn alles so läuft wie von der EU-Kommission gewünscht, ticken also alle europäischen Uhren im März 2020 zum ersten Mal normal weiter. Die von vielen verhasste Zeitumstellung wäre abgeschafft.

„Die Zeit ist gekommen, nicht mehr an der Zeit herumzufummeln“, sagte Vize-Kommissionspräsident Maro? ?efcovic. Er rief die EU-Länder dazu auf, sich bezüglich der neuen Normalzeiten abzustimmen, um negative Folgen für den Binnenmarkt zu vermeiden. Während die EU grundsätzlich bestimmen kann, ob in den Mitgliedsstaaten die Zeit umgestellt wird oder nicht, fällt die Entscheidung über die eigene Zeitzone in den Souveränitätsbereich der Länder.

„Die Menschen wollen das, wir machen das“

Zuvor waren Befürchtungen lautgeworden, dass es innerhalb der EU zu einem Zeitzonen-Flickenteppich kommen könnte. Würde sich Deutschland zum Beispiel für eine dauerhafte Sommerzeit entscheiden und Polen sowie Frankreich für die Beibehaltung der ursprünglichen Normal-, also der Winterzeit, müsste man theoretisch bei einer Durchreise von Warschau nach Paris zweimal die Uhr umstellen.

Nach der Veröffentlichung einer Umfrage der EU-Kommission Ende August, in der 84 Prozent der Teilnehmer für die Abschaffung der Zeitumstellung gestimmt hatten, kam der Stein zur endgültigen Abschaffung schnell ins Rollen. Während es nach einem Beschluss der Kommission im Normalfall Wochen dauert, bis EU-Rat und EU-Parlament ein Gesetzesvorschlag überreicht wird, sah die Kommission hier wohl die Gelegenheit, bei den EU-Bürgern Punkte zu machen und handelte schnell: „Die Menschen wollen das, wir machen das“, sagte Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Wie schnell die Zeitumstellung tatsächlich kommt, lässt sich trotz der Geschwindigkeit immer noch nicht endgültig sagen: Innerhalb des Ordentlichen Gesetzgebungsverfahrens der EU wird eine Richtlinie oder eine Verordnung dann erlassen, wenn sich EU-Parlament und Ministerrat auf eine gemeinsame Fassung des Gesetzes einigen können und jeweils mehrheitlich dafür stimmen. Ob die beiden Institutionen den Appellen der Kommission, sich zu beeilen, Folge leisten, ist schwer vorauszusagen.

Die Bundesregierung hat sich zur Frage der neuen deutschen Normalzeit bis Freitag noch nicht geäußert. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zwar nach der Veröffentlichung der Online-Umfrage grundsätzlich ihr Wohlwollen für die Abschaffung ausgedrückt. Nach Auskunft des zuständigen Bundesministeriums für Wirtschaft wird jedoch erst jetzt mit internen Beratungen begonnen, was das für Deutschland genau bedeuten soll.

Die Teilnehmer der EU-Umfrage hatten sich mehrheitlich dafür ausgesprochen, die Sommerzeit zur neuen Normalzeit zu machen – möglicherweise aber mehr nach Gefühl als auf der Basis von Fachwissen. Experten kritisieren das Durchführen der Umfrage ohne jegliche Aufklärung – deren Ergebnisse allerdings auch weder repräsentativ noch bindend sind. Vielen Teilnehmern dürfte nicht klar gewesen sein, dass Sommerzeit im Winter zum Beispiel bedeuten würde, um Wochen länger als sowieso schon im Dunkeln aufstehen zu müssen – was nicht nur unangenehm ist, sondern auch zu gesundheitlichen Problemen führen kann.

Und auch die Abschaffung der Zeitumstellung an sich könnte noch ungeahnte Probleme bereiten: Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig gibt zu bedenken, dass nicht alle Uhren Funkuhren sind. Zehntausende Zeitschaltuhren, in denen die Zeitumstellung fest einprogrammiert ist, wären dann auf einen Schlag unbrauchbar.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion