Anglizismus des Jahres

Berliner Jury findet „Gendersternchen“ nice

Sprachwissenschaftler küren den „Anglizismus des Jahres“.

Das Wort „Gendersternchen“ ist der Anglizismus des Jahres. Eine Jury um Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch von der Freien Universität Berlin kürte den Begriff am Dienstag als „klare Bereicherung des deutschen Wortschatzes“. Das Wort „Framing“ wurde als Publikumsliebling gewählt, und „nice“ erhielt den „Sonderpreis gesprochene Sprache“.

Die Jury begründete die Wahl des Begriffs „Gendersternchen“ mit der sprunghaften Verbreitung im Sprachgebrauch sowie mit der zentralen Bedeutung, die es in der Auseinandersetzung über die sprachliche Gleichbehandlung aller Geschlechter eingenommen habe. Auch zeige die Geschichte des Wortes, dass „die Entlehnung von Wörtern kein passiver Prozess ist, sondern dass Sprachgemeinschaften das entlehnte Wortgut produktiv zur Bildung neuer Wörter nutzen“.

Das Wort „Gendersternchen“ bezeichnet das typografische Zeichen (*), das bei Personenbezeichnungen zwischen der männlichen und der zusätzlich angefügten weiblichen Endung gesetzt wird, um neben Männern und Frauen auch Menschen mit anderer geschlechtlicher Identität miteinzubeziehen – zum Beispiel Freund*in.

Im Sprachgebrauch findet sich laut Jury ab 2013 zunächst die Form „Gender Star“. Obwohl das Wort aus englischen Wortbestandteilen zusammengesetzt ist, handele es sich dabei um eine genuin deutsche Wortschöpfung – einen sogenannten „Scheinanglizismus“, so die Jury. Schon 2014 sei die englisch-deutsche Mischform „Genderstern“ üblich geworden. Ab 2016 habe sich dann zunehmend die Verkleinerungsform „Gendersternchen“ durchgesetzt. Im allgemeinen Sprachgebrauch sei das Wort erst 2018 angekommen, beflügelt durch hitzige Diskussionen um eine Aufnahme des Gendersternchens in die amtliche Rechtschreibung.

„Framing“ bezeichnet die Darstellung eines Themas aus einer bestimmten Perspektive mittels sprachlicher Bilder, mit dem Ziel, politische Positionen zum Thema zu vermitteln. Das Wort „nice“ ist ein ursprünglich jugendsprachliches Synonym für „gut“ oder „toll“, das sich seit einigen Jahren bei junge Erwachsener durchgesetzt habe. (kna)

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