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Gemeinsam den Mord aufdecken

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Von: Steven Micksch

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Der Adventskalender: 24 Ideen aus der FR-Redaktion.
Der Adventskalender: 24 Ideen aus der FR-Redaktion. © Patrick Pleul/dpa

In Folge 20 des FR-Adventskalenders geht es um die Idee, mit Familie oder Freunden ein Krimidinner an Weihnachten auszurichten

Kevin Schwarz, seines Zeichens ästhetischer und plastischer Chirurg, ist tot. Er liegt in seinem Büro, die illustre Runde seiner Gäste ist teils schockiert, teils erleichtert. Fast alle der acht Verdächtigen haben ein Motiv. Und während sie versuchen, den wahren Bösewicht zu finden, wird geredet, gegessen und getrunken.

Krimi-Dinner sind kein Novum mehr. Es gibt sie als Events in Restaurants oder eben als kleine Version für zu Hause. Wir organisierten unseres am zweiten Weihnachtstag 2018, alle hatten sich dafür in Schale geworfen. Mein Bruder gar BH und Perücke angelegt, um die Rolle der Susi Seifert authentisch zu präsentieren. Das Ganze war ein Weihnachtsgeschenk an die engste Familie. Meine Frau und ich kümmerten uns um das Essen, die Getränke und das Spiel. Im Vorfeld gab es Einladungskarten an alle, die praktischerweise im Spiel enthalten waren. Die Spiele gibt es bereits für 4er-Runden oder gar für 20 Personen, wenn wirklich alle mitmachen sollen. Wohl dem, der eine so große Küche hat.

Am Abend des Dinners zogen wir uns alle entsprechend unserer Rolle um. Auf dem Tisch stand ein Raclette, im Vorfeld hatten wir alle Speisen vorgeschnibbelt, Nudeln gekocht und die Getränke kühl gestellt, damit nichts den Spielablauf stört. Natürlich waren anfangs fast alle nervös, niemand hatte bisher Erfahrungen bei solch einem Event gesammelt. Die Spickzettel mit den wichtigsten Fakten über die eigene Figur lagen bereit und wurden genutzt.

vom glück der kleinen dinge

Die selbstgestrickten Socken in fröhlichen Farben, das liebevoll gekochte Menü, der handgeschriebene Brief an die weit entfernt wohnende Freundin oder die schon so lange aufgeschobene Mitgliedschaft im Verein, der sich um Bedürftige kümmert – im diesjährigen Adventskalender stellen wir Ideen vor, wie Sie mit kleinen Dingen oder beherzten Gesten Ihre Lieben oder auch andere Menschen zu Weihnachten beschenken können. FR

Im Laufe des Abends wurden aber alle lockerer – auch man selbst als Gastgeber. Das Essen schmeckte, die Mitspielenden wurden mutiger, gingen in ihren Rollen auf und knobelten sich bis zum großen Finale. Dort wurde alles und jeder beschuldigt, es ging hoch her. Am Ende landete eine Unschuldige im Gefängnis. Alle lachten, vor allem mein Cousin, der glatt mit dem Mord davongekommen war. Beim Nachtisch wurde aufgeregt diskutiert. Was hatte man übersehen? Wer hatte den entscheidenden Hinweis unerfahrenerweise gar nicht mitgeteilt?

Unvergesslich war das Ereignis allemal, auch wenn nicht alles glattging (Danke, kaputter Raclette-Grill!). Aber genau das macht den Reiz aus und lässt den Abend in Erinnerung bleiben. Noch heute hängt das Foto von uns allen an dem Abend bei mir zu Hause an der Wand. Das Geschenk war mal etwas anderes, fernab von Deko, Eierlikör oder einem Buch, das dann umgetauscht wird. Und es war persönlicher als so mancher Gutschein.

Eigentlich wird es nach der Zeit mit viel Abstand mal wieder Zeit für einen Krimiabend mit Speis, Trank und wilden Verdächtigungen. Die Familie (oder auch Freunde) mal wieder an einen Tisch zu bekommen und einen denkwürdigen Abend zu erleben, kann nur zusammenschweißen. Und wer weiß, vielleicht darf auch mein Cousin mal wieder ins Haus.

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