+
Gute Wahl: Hauptsponsor Mercedes lädt das südafrikanische Label Floyd Avenue nach Berlin ein.

Interview

„Geld reinstecken kann ja jeder“

  • schließen

Wirkliches Engagement ? Oder doch alles nur Marketing? Bettina Haussmann von Mercedes darüber, warum ausgerechnet der Autohersteller seit 25 Jahren Mode-Formate unterstützt.

Frau Haussmann, in den vergangenen 25 Jahren war Mercedes-Benz Hauptsponsor von Modeveranstaltungen an rund 70 Standorten. Wie wird eigentlich entschieden, welche Stadt eine eigene Fashion Week bekommt?

Eine Grundvoraussetzung dafür, dass wir eine Plattform unterstützen, ist natürlich eine funktionierende und kreative Modeszene vor Ort. Wir haben in so gut wie jedem Land Kolleginnen und Kollegen sitzen, die oft auch Impulse für solche neuen Engagements geben. Die können die Qualität und Professionalität der jeweiligen Szene gut einschätzen.

Eine Rolle dürfte doch vor allem spielen, welcher Markt gerade interessant für Sie ist. Schließlich ist Mercedes kein sozialer Modeverein, sondern ein großer Automobilhersteller.

Absolut. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort müssen auch davon überzeugt sein. Die operative Umsetzung von Fashion Weeks oder Design-Awards läuft ja dann auch über sie. Aber in manchen Ländern ist eben auch die kreative Kraft der Modeszene entscheidend, in anderen eher die Frage, wo wir unsere Zielgruppe noch stärker erreichen müssen. Am Ende spielt beides eine Rolle.

Eigentlich ist es ja ironisch, dass ausgerechnet die Fashion Week im Heimatland Ihres Unternehmens auf eine recht turbulente Geschichte zurückblickt. Immer wieder gab es Ortswechsel, mal war die Berliner Modewoche größer, mal kleiner, ihre Relevanz wird ohnehin immer wieder infrage gestellt …

Bettina Haussmann , seit 1998 bei Mercedes, kümmert sich dort um Sponsorings im Entertainment-Bereich.

Ich glaube, das ist auch ein Merkmal der Deutschen. Wir haben einen großen Drang zum Perfektionismus und suchen deshalb auch noch das letzte Haar in der Suppe. Wir sehen die vergangenen 13 Jahre der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin positiv. Mit mehr als 200 000 Besucherinnen und Besuchern jede Saison ist das immerhin die wichtigste Modeplattform Deutschlands.

In dieser Saison geben Sie über ein Austauschprogramm vier jungen Marken aus Südafrika die Gelegenheit, ihre Mode in Berlin zu präsentieren. Ohnehin haben Sie gerade in den letzten Jahren den Nachwuchs für sich entdeckt. Was macht ihn für Mercedes so interessant?

Einfach Geld reinstecken kann ja jeder. Um Engagement auch inhaltlich authentisch zu gestalten, muss man ganzheitlicher denken. Gerade im Nachwuchsbereich lässt sich wirklich noch etwas bewegen. Das hilft uns außerdem, die jüngeren Generationen besser zu verstehen, und auf der anderen Seite geben wir ihnen die Chance, ihre Mode zu präsentieren.

Ist es auch der junge Anstrich für die Traditionsmarke Mercedes, der Sie besonders interessiert?

Natürlich. Jede Marke hat doch das Ziel, auch jüngere Zielgruppen anzusprechen und zu begeistern. Das ist eine Herausforderung und da muss man sich ein bisschen Gedanken machen. Es ist immer wichtig, künftige Käufergruppen anzusprechen und dadurch auch die Kaufentscheidung von älteren Zielgruppen indirekt zu beeinflussen.

Ist es eine ähnliche Denkrichtung, warum Sie überhaupt mit der Modebranche kooperieren? Schließlich wird sie als vornehmlich weiblich, in jedem Fall sinnlich verstanden, während Autos – dem Klischee folgend – ein männlich konnotiertes, technisches Thema sind.

Tatsächlich sind für uns auch diese Faktoren sehr wichtig und wir denken, dass wir durch das Mode-Engagement gerade die Designkompetenz von Mercedes-Benz unterstreichen können. Neben der Technik ist ja das Design auch im Automobilbereich ein ganz zentrales Thema. Letztlich ist die Wahl des Fahrzeugs auch Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, genau wie die der Mode. In gewisser Weise ist ein Fahrzeug wie ein Accessoire.

Interview: Manuel Almeida Vergara

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare