Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Wissenschaft

Gekaufte Ideen

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
    schließen

In Kenia boomen sogenannte Essay-Fabriken

Das Phänomen ist nicht neu. Studentischen Verbindungen wird schon lange nachgesagt, in ihren Kellern massenweise Seminar-, Diplom- oder auch Doktorarbeiten gebunkert zu haben, auf die zurückgreifen kann, wem Muße oder auch Gehirnschmalz für eine eigene wissenschaftliche Arbeit fehlen: Später ist aus dem „Outsourcing“ akademischer Schriften ein regelrechter, wenn auch rechtlich umstrittener Geschäftszweig geworden.

Nach Erhebungen der BBC greift inzwischen einer von sieben Studierenden im Lauf des Studiums auf sogenannte „essay mills“ (Essay-Fabriken) zurück, die – gegen Bezahlung – Texte verfassen. Inzwischen gibt es ein über die gesamte Welt gespanntes Netzwerk derartiger Fabriken: Ein Text über den Gebrauch des Genitivs bei Shakespeare kann in Texas oder Melbourne entstanden sein. Oder in Nairobi.

Laut BBC ist das ostafrikanische Kenia zu einer Hochburg von mit Geisterhand geschriebener Haus- und Doktorarbeiten geworden: Dort habe sich eine ganze Zulieferungsindustrie für unter Druck geratene Studierende aus den wohlhabenderen Teilen dieser Welt entwickelt. Einer von zehn kenianischen Studenten finanziere sein Studium mit dem Schmieden von Texten, schätzt die BBC: Manche hätten gar Schulen gegründet, in denen sie den Nachwuchs der Auftragsschreiber:innen trainierten.

Für die global operierenden „essay mills“ ist Kenia gleich aus drei Gründen attraktiv: Ein großer Teil der Bevölkerung spricht gutes Englisch, das Bildungssystem funktioniert – und Löhne sind niedrig. Die BBC lässt einen „Kennedy“ zur Sprache kommen, der nach eigenen Angaben umgerechnet rund zwei Euro pro Seite verdient: Seine „essay mill“, auf die er zur Vermittlung von Aufträgen angewiesen ist, kann mit dem Fünffachen als Einnahme rechnen. Mit rund 15 Seiten, die er täglich verfasst, verdient der ehemalige Lehrer trotzdem noch wesentlich besser als früher.

Ob er sich nicht schlecht dabei vorkomme, seinen Unterhalt mit Betrug zu bestreiten, wollte die BBC wissen: Kennedy stellte klar: „Ich kämpfe nicht gegen das Recht, sondern gegen die Armut.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare