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Der ehemalige französische Flugzeugträger "Clemenceau" wird endlich verschrottet (Archivbild).
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Der ehemalige französische Flugzeugträger "Clemenceau" wird endlich verschrottet (Archivbild).

Schrotthandel

Die Geisterschiffe von Hartlepool

Eine englische Hafenstadt wirbt mit dem Abwracken hochgiftiger ausgedienter Schiffe, an die sich sonst - in Europa jedenfalls - niemand heranwagt. Von Peter Nonnenmacher

Von PETER NONNENMACHER

Für die Firma Able UK ist die Sache eine patente Lösung, "in einer Zeit so großer wirtschaftlicher Probleme". Die Eisenwarenhändler der nordenglischen Hafenstadt Hartlepool glauben in der Rezession auf ein lukratives Geschäft gestoßen zu sein, das bereits 200 neue Arbeitsplätze abgeworfen hat.

Mit ihrem Angebot professioneller Verschrottung alter Schiffe aus aller Welt haben die Able-Leute sich Aufträge in vielfacher Millionenhöhe gesichert. Das Angebot betrifft Schiffe, die so giftig sind, dass sich sonst - in Europa jedenfalls - niemand an sie heranwagt.

Als kostbarste Beute der britischen Abwracker ist jetzt, in dieser Woche, kein geringeres Schiff als der ehemalige Stolz der französischen Kriegsflotte, der Flugzeugträger Clemenceau, in Ables Graythorn-Docks auf Teesside eingelaufen. Der 33.000 Tonnen schwere, 255 Meter lange Riese soll 700 Tonnen Asbest und 300 Tonnen PVC enthalten. Die gefährlichen Schadstoffe sollen vom Sommer an in einjähriger Arbeit abgebaut und auf einer naheliegenden Müllhalde "entsorgt" werden, bevor der Rest des Schiffes in nützlichen Schrott verwandelt werden kann.

Mit der Aufnahme der Clemenceau haben die Hartlepooler Schrotthändler der französischen Regierung einen Mega-Metallbrocken vom Herzen geschafft. Drei Jahre lang geisterte der ehemalige Flugzeugträger durch die Weltmeere, auf der Suche nach einer letzten Ruhestätte. Von Indien bis Ägypten fand er sich von Umweltschützern und juristischen Aktionen verfolgt, die seinen Abriss in Drittweltländern zu verhindern suchten. Immer wieder musste er unverschrottet in die Bretagne zurückkehren - bis er in Britannien anlanden konnte, wo Able UK eine mehrjährige Schlacht um staatliche Erlaubnis für das Großprojekt führte und gewann.

Greenpeace scheitert, das Projekt zu stoppen

Die Hartlepooler nämlich konnten die Behörden davon überzeugen, dass vom Abbau der Giftstoffe weder Arbeiter noch Anwohner des Hafens gefährdet würden. "Wir werden das Asbest auf streng überwachte Weise entfernen", verspricht Able-UK-Direktor Neil Etherington. "Die Arbeiter werden volle Schutzkleidung und individuelle Monitoren tragen." Ein derartiger Abbau sei immerhin besser als eine Verschrottung ohne alle Sicherheitsvorkehrungen in Südasien, räumten Umweltschutz-Organisationen wie Greenpeace und Friends of the Earth ein. Der Versuch einer Gruppe örtlicher Aktivisten, die Sache per Gerichtsbeschluss zu stoppen, lief Ende vorigen Jahres schon ins Leere.

Ganz geheuer ist vielen Bürgern Hartlepools die neue, gewinnträchtige Initiative im Großdock Graythorp allerdings nicht. Immerhin gebe es ja wohl einen Grund dafür, warum die Franzosen das Schiff nicht im eigenen Land abwracken lassen wollten, sondern es lieber auf eine britische Müllhalde manövrierten, meint der Verband der "Freunde Hartlepools". Außerdem ist der Flugzeugträger keineswegs das einzige Schiff, das Able UK sich an Land gezogen hat. Vier Reserve-Schiffe der US-Kriegsmarine warten bereits seit längerem in Graythorp auf den Start der "Entsorgungs"-Aktion.

Eine Anzahl britischer Giftkähne soll in Kürze dazukommen. "Die Clemenceau ist nur der Anfang", meint Etherington zuversichtlich. "Hier wird es auf Jahre hin hoch hergehen." Den "Freunden Hartlepools" sinkt aller Mut bei diesem Gedanken. In ihren Augen droht der Stadt der Aufzug einer ganzen Flotte von "Geisterschiffen", die wegen gefährlicher Substanzen aus ihren jeweiligen Heimathäfen verbannt worden sind.

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