Schamanen

Geister verbinden

  • Stefan Scholl
    vonStefan Scholl
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Eine ungewöhnliche Allianz: Sibirische Schamanen und afrikanische Voodoo-Priester singen das Loblied der Globalisierung und wollen zusammenarbeiten.

Als die Schamanen aus Sibirien Gebete sprechen, kommt ein kalter Wind auf, wie er im westafrikanischen Togo sehr selten ist. Die örtlichen Medizinmänner erklären, das sei ein gutes Zeichen: Die Götter freuten sich über die Gäste aus der russischen Republik Burjatien.

Die ostsibirischen Schamanen setzen auf Globalisierung. Wie jetzt bekannt wurde, besuchten Bair Zyrendorschijew, Oberhaupt der burjatischen Schamanenorganisation „Tengeri“, und mehrere seiner Kollegen im Januar die afrikanischen Länder Ghana, Benin und Togo. In Togo unterzeichnete der oberste Schamane einen überkonfessionellen Kooperationsvertrag mit Messanh Amedegnato, Präsident der „Union traditioneller Kulte Togos“ und Geistlicher der Religion Voodoo: „Möge unsere Zusammenarbeit Grundlage für das Gedeihen der spirituellen Kraft in der Region sein und unsere Philosophie zum Wohl und zur Entwicklung aller Menschen beitragen“, heißt es in dem Text.

„Wie unsere Religion ist auch Voodoo sehr alt. Und beide sind einander sehr nahe“, sagt Oxana Kim, Pressesprecherin von „Tengeri“ und selbst praktizierende Schamanin, der FR. Laut Kim wollen Schamanen und Voodoo-Priester vor allem praktische Erfahrungen austauschen. „Welche Heilungsmethoden man anwendet, welche Rituale, wie man eine Zeremonie vollführt, wozu man sie vollführt.“ Es gehe darum, einander zu helfen und sich noch besser zu verstehen.

Die Burjaten haben die Afrikaner schon zu einem Gegenbesuch eingeladen, der vermutlich im August stattfinden soll. Sie knüpfen auch anderswo internationale regionale Kontakte, etwa mit den Mönchen des Drikung Kagyu, einem tibetanischen Zweig des Buddhismus.

„Die Ansicht, dass ein Burjate niemals einen Neger verstehen wird, ist falsch“, erklärt Oberschamane Zyrendorschijew der Zeitung Nesawissimaja Gaseta. Und im Gegensatz zu „modernen“ Konfessionen wie Christentum oder Islam unterschieden sich die alten Naturreligionen, burjatisches Tengrianertum, oder afrikanischer Voodoo kaum voneinander. „Sie alle verehren einen Gott des Himmels und eine Göttin der Erde“, so Zyrendorschijew. Und sie betrachteten Makro- und Mikrowelt als ein Ganzes. „Alle Wesen auf der Welt soll in von den Göttern gelenkter Harmonie leben.“ Angesicht all dieser Gemeinsamkeiten habe er sich in Togo wie zu Hause gefühlt.

Jewgeni Netschkassow, Nowosibirsker Experte für Neuheidentum, sieht ebenfalls viele Gemeinsamkeiten zwischen den burjatischen Schamanen und den Voodoo-Afrikanern. Beide betätigten sich als Zauberer, Heiler und Weissager, beide verwendeten Trommeln, Gesänge und Tanz, um in Trance zu geraten. „Beide suchen den Zugang in andere magische Welten.“

Aber es gibt auch Kritiker der Kooperation. Der Religionsgeschichtler Nikolai Abajew hält das burjatische Schamanentum und Voodoo für unvereinbar. „Tengrianertum ist die Religion des Ewigen Himmels, des Lichtes und des Friedens. Voodoo ist kultische Verehrung der Geister der Dunkelheit, begleitet von blutigen Zeremonien“, sagte er der Nesawissimaja Gaseta. Auf Haiti hätten einst die Geheimpolizisten des Diktators Duvalier, praktizierende Voodoo-Anhänger, ihre Feinde lebendig verbrannt, zersägt, angeblich sogar aufgefressen.

Aber die Schamanen lassen sich von solch schaurigen Geschichten nicht abschrecken. „Es ist falsch, zu sagen, eine Religion ist böse, die andere gut, eine hell, die andere dunkel“, sagt Oksana Kim. „Wir verehren den Kosmos, sehen einen blau leuchtenden Himmel, aber das All dahinter ist dunkel, es wird von schwarzer Materie zusammengehalten.“

Die Voodoo-Gemeinde hat ihre sibirischen Freunde sogar eingeladen, bei ihnen zu leben und Geister zu beschwören. „Sie wollen uns Land schenken, damit wir auch dort ein Schamanenzentrum eröffnen“, erzählt Kim.

Bei aller Nähe gibt es Unterschiede. In Togo herrschen gerade Temperaturen von 35 Grad, in Burjatien minus 20 Grad und Frost. „Und das ist noch warm für uns“, sagt die Schamanin. „Wir sind hier an ziemliche Kälte gewöhnt.“ Noch habe sich keiner ihre Kollegen dazu entschieden, nach Afrika überzusiedeln.

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