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Zeitgemäße Formen.

Modedesigner

"Es geht immer um uns"

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Bloß ein Land der billigen Textilproduktion? Das will Modedesigner Amesh Wijesekera nicht auf Sri Lanka sitzen lassen.

Was läuft eigentlich in anderen Ländern so? Nicht nur auf der Berliner Modewoche wird das jede Saison wieder erlebbar: Seit zehn Jahren werden mit dem Austauschprogramm „Mercedes-Benz Fashion Talents“ Nachwuchstalente quer durch die Welt geschickt, um ihre Mode im Wechsel zu präsentieren – das südafrikanische Label präsentiert seine Kollektion auf der argentinischen Modewoche und umgekehrt, die Marke aus Tiflis zeigt in Istanbul und vice versa. 

Zum Jubiläum wurde dem Format der neue Name verpasst. Das Konzept aber bleibt das selbe: Der sri-lankische Designer Amesh Wijesekera aus London war es diesmal, der seine Linie am Dienstag über den Berliner Laufsteg schickte. Er will so auch das traditionelle Handwerk seines Heimatlandes international bekannt machen, wie er im FR-Interview erzählt. 

Herr Wijesekera, ist Ihre Mode typisch sri-lankisch?
Ich mache etwas, das man vielleicht nicht sofort mit Sri Lanka in Verbindung bringt. Keine leichte Sommermode und luftige Kleider. Niemand in Europa würde doch jemals darauf kommen, dass aus Sri Lanka gut gemachte Strickware kommt. Meine Heimat hat aber eine sehr starke und facettenreiche handwerkliche Tradition, die in meiner Kollektion sichtbar wird.

Traditionell sieht Ihre Mode allerdings nicht aus. Sie wirkt eher global und eklektisch.
Sicherlich bin ich mittlerweile stark durch London geprägt, wo ich geboren wurde und mittlerweile wieder lebe und arbeite, nachdem ich in Sri Lanka aufgewachsen bin. Mich inspirieren die vielen verschiedenen Menschen und starken Charaktere zu vielfältigen Silhouetten und ungewöhnlich eingesetzten Materialien. Das alles aber entsteht auf der Basis des sri-lankischen Kunsthandwerks.

Gibt es in Sri Lanka abgesehen von dieser Tradition auch eine junge Modeszene?
Durchaus. Und sie ist hoffentlich auf dem Weg international stärker wahrgenommen zu werden. Vor zwei Jahren gab es das erste Mal eine Fashion Week in Colombo, initiiert von der Academy of Design Sri Lanka, an der auch ich studiert habe. Bisher ist Sri Lanka aber hauptsächlich als Produktionsstandort bekannt.

Tatsächlich denkt man bei „Made in Sri Lanka“ schnell an die Ausbeutung durch westliche Massenhersteller und katastrophale Arbeitsbedingungen.
Und das ist eine schreckliche Realität. Aber es gibt eben auch eine andere Seite: Kleine sri-lankische Textilfirmen, die fair und nachhaltig arbeiten – nicht nur auf ökologische, sondern eben auch auch auf soziale Weise. Diese Firmen arbeiten auf Augenhöhe mit den Handwerkerinnen zusammen und geben ihnen die Möglichkeit, ihre Kunst ökonomisch umzusetzen. 

Sie selbst reisen in kleine Dörfer des Landes, um die Handwerkerinnen kennenzulernen, die für Sie produzieren. Wie erleben Sie die Zusammenarbeit?
Manchmal merkt man den Frauen an, dass sie auch schon für große Firmen im Akkord gearbeitet haben. Da stellt sich ein Mechanismus ein – sie machen nur das, was man ihnen sagt, Hauptsache schnell. Für meine Kollektionen aber trete ich mit ihnen in einen Dialog. Sie zeigen mir ihr Handwerk und ich zeige Ihnen, wie sich das in moderne Kollektionen übersetzen lässt. Das hat mit einem klassischen Verhältnis von Auftraggeber zu Produzent nichts zu tun.

Fühlen Sie sich insofern als Botschafter des sri-lankischen Handwerks?
Absolut! In meiner Kollektion geht es nie nur um mich – es geht immer um uns. Wenn ich meine Mode im Ausland präsentiere, wie jetzt auf der Fashion Week in Berlin, dann zeige ich ja nicht nur meine Ideen, sondern auch die Arbeit der Handwerkerinnen.

Interview: Manuel Almeida Vergara

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