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König Richard III.

Richard III.

Ein Geheimnis um Richard III. ist gelüftet

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Britische Archäologen haben die Gebeine des im 15. Jahrhundert in einer Schlacht gefallenen Königs Richard III. identifiziert. William Shakespeare hatte den König in seinem Stück "Richard III" mit dem Ausruf "Ein Pferd, mein Königreich für ein Pferd" berühmt gemacht.

Britische Archäologen haben die Gebeine des im 15. Jahrhundert in einer Schlacht gefallenen Königs Richard III. identifiziert. William Shakespeare hatte den König in seinem Stück "Richard III" mit dem Ausruf "Ein Pferd, mein Königreich für ein Pferd" berühmt gemacht.

Von allen Monarchen der englischen Geschichte hat Richard III. den barbarischsten Ruf. Körperlich und seelisch verkrüppelt, ist er „entschlossen, ein Bösewicht zu werden“, wie es in William Shakespeares gleichnamigem Königsdrama heißt: Er hetzt, zumindest in dem Theaterstück, seine beiden älteren Brüder durch „trunkene Weissagungen, Schriften und Träume“ in Todfeindschaft aufeinander; räumt jeden, der in der Thronfolge vor ihm steht, in gnadenlosem Machtstreben aus dem Weg; und ermordet im Tower von London zwei kleine Neffen.
Als er 1485, zwei Jahre nach seiner Krönung, im Rosenkrieg in der Schlacht von Bosworth Fields fällt, wird sein geschundener Leichnam ohne große Zeremonien in einer Klosterkirche beigesetzt. Dann verwischt der Staub der Geschichte seine Spuren. Was überdauerte, war allein die wahre oder unwahre Mär vom grausamen König.

Das Geheimnis um den Verbleib des letzten Königs aus dem Hause der Plantagenets ist nun gelüftet: 528 Jahre nach seinem Tod wurde Richard III. wiederentdeckt – an unwahrscheinlichstem Ort: unter einem öffentlichen Parkplatz in der mittelenglischen Stadt Leicester. Archäologen hatten dort die Grundmauern einer mittelalterlichen Franziskanerkirche vermutet, die im 16. Jahrhundert geschleift wurde.
Ganz am Ende der Ausgrabungsstätte stießen sie am 12. September 2012 auf ein Skelett: auf Schädel, Rippen, Arm- und Oberschenkelknochen sowie die Überreste einer auffällig verkrümmten Wirbelsäule, wie sie in historischen Quellen dem buckligen König zugeschrieben wurde. Nur die Fußknochen waren durch die Fundamente späterer viktorianischer Bauten zerstört. Nach Abschluss einer Reihe von wissenschaftlichen Tests ist der Ausgrabungsleiter, Richard Buckley von der Universität Leicester, gestern vor die Presse getreten, um unter Applaus der Anwesenden zu verkünden: „Ohne jeden begründeten Zweifel handelt es sich um Richard III.“

Regelrecht hingemetzelt

Was den Wissenschaftlern Gewissheit gibt, ist zweierlei: Die forensische Untersuchung der Knochen, die darauf schließen lässt, dass das mysteriöse Individuum, das laut Radiokohlenstoffdatierung zwischen 1430 und 1540 lebte, tatsächlich an Schwert- und Schlachtwunden starb. Außerdem half eine Genanalyse. Historiker und Mitglieder der umtriebigen britischen „Richard- III.-Gesellschaft“ waren bei genealogischen Recherchen auf den Namen der Kanadierin Joy Ibsen gestoßen, die in 17. Generation von der Schwester Richards III., Anne von York, abstammt. Joy Ibsen ist mittlerweile verstorben, aber ihr Sohn Michael, ein in London lebender Tischler, gab eine DNA-Probe ab, die mit den Überresten aus dem Parkplatz-Grab verglichen werden konnte.

Richard III. indes war kampferprobt. Er ist der letzte englische König, der auf einem Schlachtfeld starb. Anhand der zehn Wunden am Skelett glauben die Archäologen, sogar die Todesursache rekonstruieren zu können. Demnach erhielt er einen traumatischen Schlag gegen den Kopf, der den Schädel spaltete; eine zweite Kopfverletzung stammt mutmaßlich von einer Hellebarde. Die auffällige Skoliose seiner Wirbelsäule wird indes keinem Kampf zugeschrieben, sondern dürfte eine Jungenderkrankung sein. Als sein Grab gefunden wurde, steckte noch ein gefiederter Pfeil in seinem Rücken. Das lässt vermuten, dass Richard III. regelrecht hingemetzelt wurde – laut Shakespeare mit dem berühmt gewordenen, vermutlich erfundenen Ruf „Ein Pferd, mein Königreich für ein Pferd“ auf den Lippen.

Politisches Propagandastück

Es war vor allem William Shakespeare, der den König in seinem 1597 gedruckten Schauspiel „Richard III.“ als grausamen, pseudo-machiavellistischen Erzschurken abstempelte. Denn mit Richards Tod endete – einhundert Jahre vor Shakespeares Werk – der englische Rosenkrieg. Ausgefochten wurde er nicht über große Staatsaffären oder politische Prinzipien. Sondern er war nichts weiter als ein blutiger, Jahrzehnte währender Machtkampf der verfeindeten Nachkommen zweier Söhne von König Edward III., dem Haus von Lancaster, das die rote Rose zum Zeichen hatte, und dem Haus von York mit der weißen Rose.
Heute wertet man Shakespeares Werk auch als ein wunderbares politisches Propagandastück: Er wirkte im Zeitalter der Tudor-Königin Elizabeth I., die von Richards Bezwinger, Heinrich VII., abstammte. Den ungeliebten Vorfahr mieszumachen, dürfte Shakespeares Karriere sicher nicht geschadet haben.

Auch darin liegt die Bedeutung des Skelettfunds im Parkhaus von Leicester: Es wird Zeit, sagen Historiker nach mehr als 500 Jahren, das Bild des verschmähten Königs neu zu bewerten.

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