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Der Vatikan hat sein erstes eigenes Sportteam. Bei der "Athletica Vaticana" sind rund 60 Mitglieder dabei, darunter Nonnen und Priester.

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Gegen Doping und Rassismus

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Der erste international anerkannte Sportverein des Vatikans will an internationalen Wettkämpfen teilnehmen.

Wenn Schwester Marie Marathon läuft, dann legt sie ihr Ordensgewand ab und schlüpft in einen Trainingsanzug oder in Trikot und kurze Hose. „Meine religiöse Identität hängt nicht davon ab, wie ich angezogen bin“, versichert die hagere Französin, die dem Orden der Dominikanerinnen angehört. Regelmäßig dreht sie zum Training im römischen Park Villa Pamphili ihre Runden oder joggt, wie viele Vatikan-Geistliche, längs des Tiberufers. 

Marie Theo Puybareau-Manaud, wie die Ordensfrau mit vollem Namen heißt, gilt als stärkste Läuferin von „Athletica Vaticana“. Der erste international anerkannte Sportverein des Kirchenstaats ist jetzt der Öffentlichkeit präsentiert worden. Denn seit Jahresbeginn gehört er zum italienischen Leichtathletik-Verband und ist von Italiens Olympischem Komitee Coni anerkannt. Damit können Schwester Marie und die anderen 60 Läufer unter der gelb-weißen Flagge des kleinsten Staates der Welt auch bei internationalen Wettkämpfen antreten. „Athetica Vaticana“ hat schon eigene Outfits: gelbe Trikots und dunkelblaue Trainingsanzüge mit weißen und gelben Streifen. 

Die Mannschaft ist bunt zusammengewürfelt. Jüngster Athlet ist ein 19 Jahre alter Schweizergardist, der älteste ein 62-jähriger Professor der Apostolischen Bibliothek. Männer der Vatikan-Gendarmerie sind dabei, ein Journalist der Vatikan-Zeitung „Osservatore Romano“ und Vatikan-Angestellte wie Gärtner, Techniker, Feuerwehrleute. Auch behinderte Sportler werden aufgenommen. Zwei junge Afrikaner sind Ehrenmitglieder. Der 22 Jahre alte Gambier Jallow und der zwei Jahre jüngere Senegalese Ansou, beide Muslime, kamen als Bootsflüchtlinge nach Europa. „Wir wollen eine Botschaft der Solidarität sowie des Kampfs gegen jede Form von Rassismus und Gewalt aussenden“, sagt die Läuferin Michela Ciprietti, die in der Vatikan-Apotheke arbeitet.

Für Schwester Marie hat das Laufen vor allem eine religiöse Dimension: „Ich habe entdeckt, dass es für mich eine spirituelle Schule ist. Es ist eine Hymne, ein Dank für die Gabe des Lebens – und das ist Gebet“, sagte sie der Agentur Vatikan News. Wenn sie laufe, sei Jesus ihr nahe. Und es sei eine Quelle der Meditation. „Zum Beispiel, wenn ich mir bewusst werde über die Bedeutung des Atems.“ 

Die 47 Jahre alte Ordensfrau hatte während ihrer Zeit als Novizin zu joggen begonnen. Seit sechs Jahren nimmt sie auch an Wettkämpfen teil. „Meine Mitschwestern sind meine größten Fans“, sagt sie. „Sie interessieren sich brennend für meine Zeiten und mein Training.“

Präsident von „Athletica Vaticana“ ist - wie könnte es anders sein – ein Priester. Melchor Sanchez de Toca Alameda, Untersekretär im päpstlichen Kulturrat, ist selbst ein versierter Läufer. Der Verein sei ein Signal für das Interesse der Kirche am Sport, sagt er. Er solle sich aber von anderen Clubs unterscheiden und den christlichen Weg im Sport bezeugen. Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident des päpstlichen Kulturrats, betont, dass Sport, Kultur, Religion und Ethik zusammengehörten. Bei der Vorstellung von „Athletica Vaticana“ verurteilte er Doping, Gewalt und Rassismus in den Stadien. All dem wolle das Vatikan-Team etwas entgegensetzen.

„Unser Traum ist es, die Fahne des Vatikans bei der Eröffnungszeremonie für Olympische Spiele zu sehen“, sagt Präsident de Toca Alameda. Allerdings ist das ein Projekt für die ferne Zukunft, wie er betont. Erst einmal soll die Mannschaft an kleineren internationalen Wettkämpfen wie den Mittelmeerspielen teilnehmen.

„Athletica Vaticana“ entstand 2017 als Laufgruppe und ist nicht der erste Sportklub hinter vatikanischen Mauern. Es gibt bereits die Fußball-Mannschaft der Vatikan-Angestellten und den St. Peter Cricket Club. Seit 2007 wird alljährlich ein Fußballturnier veranstaltet, der Clericus Cup. Auch Päpste und ranghohe Kurienmitglieder waren und sind sportbegeistert. Der polnische Papst Johannes Paul II. lief Ski, spielte Tennis und ließ sich in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo eigens ein Schwimmbad bauen. Der aus dem Schwarzwald stammende Erzbischof Georg Gänswein, Privatsekretär von Benedikt XVI., ist ein exzellenter Skiläufer und verdiente sein erstes Geld als Skilehrer. Papst Franziskus beschränkt sich darauf, Fan zu sein. Er ist Anhänger des Fußballclubs CA San Lorenzo de Almagro aus seiner Heimatstadt Buenos Aires.

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