9.09.2020, Griechenland, Karditsa: Ein Mann geht über eine überflutete Straße. Der Wirbelsturm „Ianos“ und ein weiteres Sturmtief über der Nordägäis haben in der Nacht zum Samstag in weiten Teilen Griechenlands schwere Schäden verursacht. In Mittelgriechenland kamen eine Frau und ein Mann ums Leben, eine weitere Frau wurde vermisst.
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9.09.2020, Griechenland, Karditsa: Ein Mann geht über eine überflutete Straße. Der Wirbelsturm „Ianos“ und ein weiteres Sturmtief über der Nordägäis haben in der Nacht zum Samstag in weiten Teilen Griechenlands schwere Schäden verursacht. In Mittelgriechenland kamen eine Frau und ein Mann ums Leben, eine weitere Frau wurde vermisst.

Sturmtief

Geflutete Kornkammer

  • vonGerd Höhler
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Hochwasser und Stromausfälle in Griechenland nach Sturm „Ianos“.

Tote und Vermisste, eingestürzte Brücken, abgedeckte Dächer: In großen Teilen West- und Mittelgriechenlands hat Sturmtief „Ianos“ am Wochenende große Schäden angerichtet. Mindestens drei Menschen sind ums Leben gekommen, weitere zwei wurden am Sonntag noch vermisst.

Als erstes traf der aus Westen heranziehende Wirbelsturm mit orkanartigen Winden und heftigen Wolkenbrüchen die ionischen Inseln Kefalonia, Zakynthos und Ithaki. Straßen und Plätze in Ufernähe wurden überflutet, Keller liefen voll Wasser. Der Sturm warf Boote an Land oder zertrümmerte sie in den Häfen. Vielerorts fiel der Strom aus.

Unterspülte Bahnstrecken

Dann zogen die Unwetter weiter nach Osten über die mittelgriechische Region Thessalien, Griechenlands Kornkammer. Hier trafen die östlichen Ausläufer des Wirbelsturms „Ianos“ mit einem zweiten Sturmtief zusammen, das sich über der nördlichen Ägäis gebildet hatte. In der Stadt Karditsa wurden rund 5000 Häuser überflutet. „Es gibt hier keinen Strom, kein Telefonnetz, keine Wasserversorgung, es gibt gar nichts“, berichtete der bekannte Geologe Efthimis Lekkas aus der Stadt. Mehr als 600 Menschen mussten von den Rettungskräften aus ihren Wohnungen befreit werden. Getreide- und Baumwollfelder standen meterhoch unter Wasser. Die Wassermassen rissen Brücken ein, unterspülten Straßen und Bahnstrecken.

Am Sonntag erreichten die Ausläufer des Sturms den Westen der Insel Kreta. In Rethymnon und Heraklion wurden Bäume entwurzelt, die Feuerwehr musste vollgelaufene Keller auspumpen. In Teilen der Insel fiel der Strom aus. Von Kreta zog das Sturmtief weiter nach Südosten. Am Sonntagabend näherte es sich der Küste Ägyptens. Die Windgeschwindigkeiten erreichten laut dem Wetterportal windy.com aber nur noch etwa 45 Stundenkilometer. Das entspricht Windstärke 6. Über dem ionischen Meer hatte „Ianos“ noch am Freitag mit Windgeschwindigkeiten von 120 Stundenkilometern und der Orkanstärke 11 bis 12 getobt.

Fachleute sprechen von einem „Medicane“. Der Begriff ist eine Zusammensetzung aus den Wörtern Mediterranean und Hurricane, bezeichnet also einen Mittelmeer-Wirbelsturm. „Ianos“ hatte sich Anfang voriger Woche über dem Mittelmeer zwischen Sizilien und Libyen gebildet. Herbststürme sind in Griechenland keine Seltenheit. „Wir hatten auch früher schwere Unwetter“, sagte eine 86-Jährige im Fernsehsender Skai, „aber nie waren sie so gewaltig.“

Solche Tropenstürme seien „ein seltenes Phänomen“ im Mittelmeer, sagt der Meteorologe Kostas Lagouvardos. Aber mit steigenden Meerestemperaturen, wie man sie infolge des Klimawandels erwarte, könne die Häufigkeit solcher Stürme zunehmen.

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