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Der 14-Jährige bei der Gerichtsverhandlung in Denpasar.

Bali

Gefängnis für 14-jährigen Haschischraucher

Zwei Monate Knast für einen australischen Teenager: Er ist mit 3,6 Gramm Marihuana erwischt worden. In Indonesien gelten Kinder ab acht Jahren als voll strafmündig.

Ein 14-jähriger Australier ist in Indonesien wegen Drogenbesitzes zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Der Jugendliche, der Anfang Oktober in einem Hotel auf der Ferieninsel Bali mit 6,9 Gramm Marihuana festgenommen wurde, versprach, „nie mehr denselben Fehler zu machen“, wie der Richter Amser Simanjuntak am Freitag sagte. Da die bisherige Haftzeit angerechnet wird, soll der 14-Jährige Anfang Dezember freikommen.

Der Australier war Anfang Oktober mit dem Marihuana in der Touristenregion Kuta gefasst worden, wo er mit seinen Eltern im Urlaub war. Laut australischen Medienberichten sagte er aus, die Drogen im Wert von umgerechnet knapp 19 Euro von einem über Hunger klagenden Mann gekauft zu haben.

Im Prozess habe der Junge die Tat gestanden und sich dafür entschuldigt, sagte der Richter am Ende der Verhandlung in Denpasar, der Hauptstadt von Bali. Er habe vorher nie eine Straftat begangen und sei im Prozess immer „höflich“ gewesen. Seine Eltern seien einverstanden, ihn in eine Therapie zu schicken. Der Junge, der von seinem Vater und sechs Wachleuten in den Gerichtssaal begleitet wurde, senkte den Kopf, als der Richter das Urteil verkündete.

Die Anklage hatte gefordert, den Teenager zu drei Monaten Haft zu verurteilen. Damit blieb sie deutlich unter der Höchststrafe für Jugendliche von zwei Jahren. Der Staatsanwalt argumentierte, dass der Australier noch ein Kind sei und sein Verhalten ändern könne. Unter Anrechnung der Untersuchungshaft könnte er bereits am 4. Dezember wieder freikommen.

„Traumatische Zeit“ hinter sich

Trotz des milden Urteils zeigte sich der Verteidiger des Jungen enttäuscht. Er habe damit gerechnet, dass der Junge direkt seinen Eltern übergeben werde, um seine Drogentherapie zu beginnen, sagte der Anwalt Muhammad Rifan. Er geht aber davon aus, dass die Familie das Urteil nicht anfechten wird. Realistisch gesehen sei es „wahrscheinlich das beste Ergebnis“.

Australiens Außenminister Kevin Rudd, der sich zuvor vergeblich um die Freilassung des Jungen bemüht, dankte den indonesischen Behörden für die zügige juristische Klärung des Falls. Der Junge und seine Familie hätten eine „traumatische Zeit“ hinter sich, sagte der frühere Premierminister. Er sei sich aber sicher, dass der „junge Mann seine Lektion lernen wird“.

Auf Bali waren in den vergangenen Jahren mehrere Australier wegen Drogenbesitzes verurteilt worden. Zwei Drogenschmuggler wurden zum Tode verurteilt, sechs weitere Australier sitzen lebenslange Haftstrafen ab. (afp)

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