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Gaucks Frau lehnt Scheidung ab

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Von: Holger Schmale

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Gerhild „Hansi“ Gauck in früheren Zeiten.
Gerhild „Hansi“ Gauck in früheren Zeiten. © Joachim Gauck

So gesehen haben wir in Deutschland ja eigentlich zwei First Ladys: Bundespräsident Joachim Gauck ist zwar seit Jahren in einer Beziehung mit Daniela Schadt. Verheiratet aber ist er seit 53 Jahren mit Gerhild. Und die will, dass das auch so bleibt.

Das Private ist politisch, diese Parole der 68er Feministinnen zählt heute zu den Trivialitäten. Das ist wohl auch deshalb so, weil sie, wenn auch anders als damals verstanden, einen ordentlichen Kern Wahrheit enthält. Und das gilt zumal in Zeiten maximaler medialer Aufmerksamkeit für alle, die auf irgendeine Weise in den Fokus der Öffentlichkeit geraten.

Das muss gerade auch eine Frau feststellen, die persönlich so weit vom Politischen und Öffentlichen entfernt ist, wie man sich nur vorstellen kann. Doch Gerhild Gauck, genannt Hansi, ist eben nicht nur eine Rentnerin aus Rostock. Sie ist auch die Ehefrau des Bundespräsidenten; und sie möchte es bleiben, wie sie der Zeitschrift Bunte gerade versichert hat: „Mein Mann und ich kennen uns, seitdem wir 14 Jahre alt waren. Wir waren 19, als wir geheiratet haben. Ich denke, das wird auch so bleiben.“

Diese Haltung macht sie zum Thema, so wird ihr Privates politisch und öffentlich. Joachim Gauck hat sich vor über zwanzig Jahren von ihr getrennt und lebt seit langem in einer Beziehung mit Daniela Schadt, die nun auch First Lady ist. Eine ungewöhnliche Konstellation, gewiss. Aber doch eine, an die sich die Republik umgehend gewöhnt hat.

Wilde Ehe! Ohne Trauschein!

Angela Merkel musste noch Ende der 90er-Jahre erleben, wie der Kölner Kardinal Joachim Meisner öffentlichen Druck dagegen aufbaute, dass die Christlich-Demokratische Union von einer geschiedenen Frau geführt wurde, die in einer Beziehung ohne Trauschein lebte, in einer wilden Ehe! Auch daran lässt sich gesellschaftlicher Fortschritt messen. Joachim Gauck aber hat das Seine dazu getan, dass sein Privates auch öffentlich ist. In seiner Biografie schildert er mit bewegten Worten das Zusammenleben mit seiner Frau. „Wir waren arm und reich, denn wir beschenkten uns beständig mit Zutrauen, Zärtlichkeit und schließlich einer großen romantischen Liebe“, heißt es dort. Und er schildert das Ende; einen der letzten Momente der Nähe, wie sie sich in der Nacht des 3. Oktober 1990 auf den Stufen des Reichstages an den Händen fassen und den Moment der deutschen Einheit erleben. Aber der Abschied war schon nah: „So vermischten sich die Glücksgefühle aus der neuen Hyperaktivität mit der Trauer über das Ende einer nicht gelungenen Ehe.“

Heute telefonieren sie noch manchmal, erzählt Hansi Gauck, „aber nicht oft“. Daran, dass sie nun auch ihren Namen oft im Radio hört, hat sie sich gewöhnt. Dass er der Richtige für das Amt ist, weiß sie ganz bestimmt: „Er mag es und er kann es. Er war in der Schule schon so.“ Wer sollte das besser beurteilen können als sie, die ihn seit über 50 Jahren kennt. Und mit ihm verbunden bleiben will.

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