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In der HBO-Serie "Luck" waren rasante Pferderennen an der Tagesordnung - und kosteten drei Tiere das Leben.

TV-Serie „Luck“ abgesetzt

Galopp in den Tod

Die Serie "Luck" - mit Dustin Hoffman und Nick Nolte - gilt als Prestigeserie für den US-Fernsehsender HBO. Dann sterben drei Rennpferde bei den Dreharbeiten, Tierschützer gehen auf die Barrikaden. Jetzt wird die Serie eingestellt.

Von Nina Rehfeld

Kein Glück für „Luck“: Nach dem Tod eines dritten Rennpferdes während der Dreharbeiten zu der amerikanischen TV-Serie „Luck“, zu deutsch: Glück, stellte der Sender HBO in der vergangenen Woche die Produktion der Prestigeserie mit Dustin Hoffman und Nick Nolte mitten in der zweiten Staffel ein. Tierschutzverbände hatten lautstark den Stopp der Dreharbeiten gefordert.

„Luck“ dreht sich um ein Figurenensemble auf der Galopprennbahn, darunter eine Handvoll kleiner Zocker, Pferdetrainer und Jockeys, ein Gangsterboss (Dustin Hoffman), der nach drei Jahren im Knast auf Rache sinnt, und einen Gestütsbesitzer (Nick Nolte), der über die krummen Methoden im Galoppersport nur allzu gut Bescheid weiß. Gleich zu Beginn stürzt in der Serie ein Pferd so schwer, dass es eingeschläfert werden muss. Später holt die Realität die Geschichte ein.

Knochenbrüche bei Rennen erlitten

Bereits in den Jahren 2010 und 2011 waren während der Dreharbeiten zwei Galopper auf der Rennstrecke Santa Anita im kalifornischen Arcadia, gut zwanzig Kilometer nordöstlich von Los Angeles, beim Dreh von Rennsequenzen verunglückt – sie mussten angesichts inoperabler Knochenbrüche eingeschläfert werden. Tierschutzorganisationen hatten dem Sender daraufhin vorgeworfen, für die Rennszenen ausgemusterte Tiere einzusetzen, die der Belastung nicht gewachsen seien. Dem Tierschutzverband Peta zufolge soll eines der Tiere unter Beruhigungsmitteln gestanden haben, das andere habe unter Arthrose gelitten. Peta hatte daraufhin juristische Schritte gegen HBO eingeleitet.

In der vergangenen Woche gab es nun einen dritten Unfall, diesmal nicht auf der Rennstrecke: Auf dem Weg zu den Ställen ging ein Pferd durch, stürzte und zog sich so schwere Kopfverletzungen zu, dass es ebenfalls eingeschläfert werden musste. Dem Sturmlauf der Tierschutzorganisationen konnte HBO an diesem Punkt nicht länger standhalten.

Serienschöpfer sind selbst Pferdefans

Ironischerweise sind die beiden Hollywoodstars, die die Serie schufen, selbst Pferdeliebhaber. Der Autor der Serie, David Milch, gilt mit Werken wie „NYPD Blue“ und „Deadwood“ als einer der profiliertesten Drehbuchautoren Amerikas, und besaß eigenen Angaben zufolge insgesamt mehr als 100 Rennpferde, darunter auch mehrere Champions. Milch, selbst ein passionierter Zocker, hatte sich von seinen Erlebnissen im Galoppermilieu für das Projekt inspirieren lassen – und er hatte die Serie unter anderem deshalb geschrieben, um seine erheblichen Wettschulden auszugleichen. „Wenn ich mit dieser Serie 25 Millionen Dollar verdienen kann“, hatte er bei Interviews im Januar gesagt, „dann sind meine Recherchekosten gedeckt.“

Auch der Produzent und Regisseur Michael Mann, der unter anderem Filme wie „Heat“ und „The Insider“ inszenierte, ist Eigentümer eines Pferdes und passionierter Reiter – „auch wenn ich nichts von Rennpferden verstehe“, wie er in einem Gespräch im Januar offenbarte.

Tödliche Unfälle im Galoppersport keine Seltenheit

Die, die von Rennpferden etwas verstehen, geben nun vielfach zu Protokoll, dass Unfälle, auch solche mit tödlichen Ausgang, im Galoppersport durchaus keine Seltenheit sind. Rick Arthur, der medizinische Direktor der kalifornischen Pferderennbehörde, bekannte gegenüber amerikanischen Medien sogar, dass Verletzungen im Stallbereich recht häufig auftreten. Und auf der Rennstrecke, so Arthur, komme es statistisch pro 500 Starts zu einem Todesfall. Einer Ende 2010 veröffentlichten Studie des Jockey Club über die Vorzüge von Kunststoffrennbahnen im Vergleich mit traditionellen Strecken zufolge, kamen zwischen 2008 und 2010 mehr als 1200 Rennpferde auf rund 90 nordamerikanischen Rennbahnen zu Tode.

In Hollywood dagegen, wo Film- und Fernsehproduktionen seit Jahren unter der Beobachtung von Tierschutzorganisationen stehen, hat es in den vergangenen fünf Jahren nur einen einzigen Pferdetod bei Dreharbeiten gegeben – auf dem Set des Westerns „3.10 nach Yuma“ von 2007 kollidierten ein Reiter und sein Pferd am ersten Drehtag mit einem Kamerakran. Dass nun bei „Luck“ in einer einzigen Produktion gleich drei Pferde ihr Leben lassen mussten, sei „beispiellos“, sagt Karen Rosas vom Tierschutzverband American Humane Association.

Einschaltquoten eher mau

HBO ließ verlauten, dass sich Michael Mann und David Milch „schweren Herzens“ zur Einstellung ihrer Serie entschlossen hätten. Zwar habe man sich „höhere Sicherheitsstandards auferlegt als irgendwo sonst in der Pferderennwelt existieren“, hieß es in dem Statement. „Leider passieren Unfälle dennoch, und es ist uns unmöglich, ihr künftiges Ausbleiben zu garantieren.“

Die Serie „Luck“ hatte zwar in den amerikanischen Medien positive Kritiken bekommen, doch die Einschaltquoten blieben mit durchschnittlich rund 625.000 Zuschauern auch für die Standards des renommierten Bezahlsenders HBO eher mau. Ziemlich viel Pech also für David Milch, dem seine Wettschulden nun wohl vorerst erhalten bleiben.

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