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„Ich soll zerstört werden“: Fynn Kliemann sieht sich als Verschwörungs-Opfer

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Von: Vincent Büssow

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Nach den Betrugsvorwürfen von Jan Böhmermann stellt sich Fynn Kliemann als Opfer einer Verschwörung dar. Seine eigentliche Botschaft ist aber eine ganz andere.

Frankfurt – Seitdem die Redaktion des ZDF Magazin Royale rund um Jan Böhmermann Betrugsvorwürfe gegen Fynn Kliemann öffentlich gemacht hat, äußert sich der Influencer sporadisch auf Instagram zu der Sachlage. Zu Beginn waren seine Aussagen dabei vorsichtig formuliert und abgelesen. Zuletzt versuchte er Schadensbegrenzung durch die Ankündigung von Spenden zu betreiben. Jetzt meldet sich Kliemann in einer etwa dreiminütigen Instagram-Story zu Wort, die völlig andere Töne anschlägt. Den eigenen Skandal versucht er dabei zu nutzen, um für das Riesenprojekt Kliemannsland zu werben.

Fynn Kliemann
Jan Böhmermann hat Fynn Kliemann Betrug bei dem Verkauf von Corona-Masken vorgeworfen. Jetzt äußerte sich der Influencer erneut. (Archivbild) © Axel Heimken/dpa

Anfang Mai hatte Jan Böhmermann in seiner ZDF-Sendung Vorwürfe geäußert, dass Fynn Kliemann und sein Geschäftspartner Tom Illbruck Corona-Schutzmasken aus Bangladesch und Vietnam eingekauft hätte, um diese dann als fair und in Europa produziert weiter zu vertreiben. Außerdem soll es sich bei einer öffentlichen Spende von 100.000 Masken an Geflüchtete um mangelhafte Ware gehandelt haben. Diese und weitere Anschuldigungen haben Kliemann seitdem heftige Kritik sowie eine Strafanzeige eingehandelt. Der Unternehmer selbst hatte sich zwar für Fehler in der Kommunikation entschuldigt, konkrete Vorwürfe aber zurückgewiesen.

Fynn Kliemann äußert sich zu Kritik nach Betrugsvorwürfen: „Ich soll zerstört werden“

In seinem neuen Video schlägt Kliemann weniger diplomatische Töne an. Vielmehr stellt er sich als Opfer einer Medienkampagne dar, die seine Geschichte voreingenommen ausschlachten würden. Seine Aussagen nehmen dabei verschwörungsideologische Töne an, wenn es um den öffentlich rechtlichen Rundfunk geht, für den er längere Zeit Videos produziert hat: „Ihr habt mich mit öffentlichen Geldern groß gemacht, dann hab ich nicht gespurt, und mit den gleichen Geldern soll ich jetzt wieder zerstört werden“, sagt Kliemann, während er sich selbst dabei filmt, wie er in einem Werkraum umherläuft. Die eigentliche Botschaft des Videos ergibt sich jedoch erst an dessen Ende.

Fynn Kliemann äußerte sich auf Instagram zu der Kritik an ihm, die vorherrscht, seit Jan Böhmermann Betrugsvorwürfe gegen den Influencer erhoben hat.
Fynn Kliemann äußerte sich auf Instagram zu der Kritik an ihm, die vorherrscht, seit Jan Böhmermann Betrugsvorwürfe gegen den Influencer erhoben hat. © Instagram Screenshot/ @fimbim

Kliemann behauptet in seiner Instagram Story, dass er und das Kliemannsland kritisiert werden, da sie sich nicht an die Regeln der „woken linken Szene“ halten würden. „Da draußen gibt es eine Welt, die genau das nicht akzeptieren kann, dass wir irgendwie anders sind“, sagt er später im Video. In Bezug auf die Redaktion des ZDF Magazin Roayle behauptet er, dass diese glaube entscheiden zu dürfen, wie andere Leute ihr Leben leben. Dieses Narrativ, in dem Kliemann sich selbst als Opfer darstellt, nutzt er letztendlich, um für das Kliemannsland zu werben, einem umfunktionierten Reiterhof, den der Unternehmer seit 2016 für Kreativprojekte aller Art nutzt.

Umstrittene Maskendeals: Fynn Kliemann sieht sich in der Opferrolle

„Wenn du auch so denkst, und wenn du mal eine Auszeit vom Alltag mit all seinen Regeln brauchst, und gerade wenn du schonmal einen Fehler gemacht hast, dann komm vorbei“, macht Kliemann seiner Botschaft deutlich. Die Instagram-Story endet mit einem Ausschnitt eines anderen Videos, welches kurz zuvor auf dem Youtube-Kanal des Kliemannslands veröffentlicht worden ist. Darin wird behauptet, dass sich das Projekt von Kliemann distanziere. Auch der Influencer selbst macht auf die vermeintliche Trennung zwischen seiner Person und dem Projekt aufmerksam: „Im Kliemannsland bist du willkommen, und zwar genauso wie du bist, und selbst, wenn du mich nicht magst. Das Kliemannsland ist einfach viel mehr als nur ich“, sagt er zum Ende seines Monologs.

Während Kliemann den Fokus also auf seinen Lebensstil lenken möchte, um für sein ehemals beliebtes Projekt zu werben, werden die tatsächlichen Anschuldigungen abgetan. Es sei bewiesen, dass er keine Masken aus Bangladesch verkauft habe. Außerdem habe er sich für seine Fehler „ehrlich entschuldigt“ und „unfassbar viel daraus gelernt“. Ob der Influencer sein neues Narrativ weiterführen wird, bleibt abzuwarten. Vor Gericht sollte dieses allerdings wenig Wirkung zeigen. (vbu)

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