Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Pinochio Eisbecher
+
Schlicht aber liebevoll.

Bildband

Für den Pinocchio-Becher durch ganz Deutschland

  • Sandra Danicke
    VonSandra Danicke
    schließen

Zum Eisessen ist es doch nie zu kalt, oder? Autor Leonhard Hieronymi und Fotograf Christian Metzler haben Pinocchio-Eisbecher in ganz Deutschland gegessen, bewertet und fotografiert. Entstanden ist ein entzückendes Panoptikum mit Sahne

Wie ein Pinocchio-Eisbecher aussieht, weiß eigentlich jede und jeder von uns: Er hat eine lange Waffelnase, die in einem Milcheis-Bällchen-Kopf steckt, das wiederum auf einem größeren Eiskörper sitzt. Außerdem: zwei Schokolinsen-Augen und einen essbaren Hut. Der Rest ist Fantasie. Oder Langeweile, je nachdem. Auf der Suche nach den Erscheinungsformen, die ein Pinocchio-Eisbecher annehmen kann, haben der Autor Leonhard Hieronymi und sein ehemaliger Schulfreund, der Fotograf Christian Metzler, so viele Eisdielen in Deutschland aufgesucht, wie sie in neun Tagen erreichen konnten. Wie man auf eine so seltsame Idee kommt? „Es gab noch kein Buch über Pinocchio-Eisbecher.“ Jetzt gibt es eins. Es ist ein Werk voller Witz und Tragik.

Im klassischen Pinocchio-Schälchen wirken die Augen doppelt so groß.

Bewaffnet mit Pillen von Doppelherz und Tetesept-Pulver, um den Vitaminmangel auszugleichen, fahren die Freunde eine Strecke von 2500 Kilometern zu 125 Eisdielen in sämtlichen Bundesländern, um die dort offerierten Pinocchio-Kreationen nicht nur zu fotografieren, sondern auch zu essen. Ein Selbstversuch, der schon bald in einen Härtetest ausartet. Nicht nur, weil das Duo täglich im Schnitt zehn Eisbecher verspeist, auch weil es gar nicht so einfach ist, als erwachsener Mann einen Kinderbecher zu bestellen. Bei „Eis Dolomiti“ in Königstein etwa will man den Pinocchio nur für Kinder zusammenbauen. Ein zusätzlicher Euro löst das Problem. In anderen Orten ist das Personal hartnäckiger. Wieder andere Eiscafés haben geschlossen, was zur Folge hat, dass insgesamt „nur“ 91 Pinocchios serviert und gegessen werden – ein Pensum, das selbst hartgesottenen Süßspeisenverzehrern den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Der Überdruss kommt dann auch bereits am dritten Tag: „Wir können Vanille nicht mehr sehen“, vermerkt Hieronymi in seinem Reisebericht.

Ohne Hut in die Sonne? Gefährlich...

Allmählich verwandelt sich der Road-Trip in eine Tour de Force, die Protagonisten scheinen in einer Zeitschleife gefangen: Täglich, bisweilen stündlich grüßt das Murmeltier, äh Pinocchio-Eis. Immer wieder kommt es zum Streit zwischen den Freunden, weil der vermehrte Zuckerkonsum offenbar aggressiv macht. Ein Tiefpunkt ereignet sich in Bremens „Gelateria e Panini Da Ros“, wo sich der Pinocchio als Biene Maja entpuppt, weil „keine Ohren mehr vorrätig“ waren. Das vorher Undenkbare geschieht: Biene Maja landet im Müll.

Dieser Pinocchio wurde mit einer ganzen Waffel-Variation ausgestattet.

Im niedersächsischen Vechta sieht der in „Gino’s Café“ servierte Becher aus „wie ein auf der A1 verunglückter Autofahrer“. In Leipzig können Passanten einen der Autoren dabei beobachten, wie er nach dem Besuch der „Eisdiele Härlein“ immer wieder verzweifelt „Sie wollen ihn nicht bauen! Sie wollen ihn nicht bauen!“ ausruft. „In fast jeder Eisdiele gehen wir aufs Klo, um uns die klebrigen Hände zu waschen. Die Eiskarten sind immer mit einer dünnen, abblätternden Schicht Plastik überzogen, die extrem verklebt ist. Auf unseren Handys sind Eisflecken, die Bildschirme sind schmierig, unsere Hosen und Hemden sind voller Vanille.“

Wie viel dieses Eiskugeln wohl schon gelogen haben?

Als die „Pinocchioeisbecherfeindlichste“ Stadt Deutschlands entpuppt sich übrigens Stuttgart. In nur einer von sieben besuchten Eisdielen wird den beiden das verlangte Gericht serviert. Insgesamt variiert die Ausbeute erheblich. Von lieblos zusammengestümperten Eistürmen bis hin zu filigranen Konstruktionen auf einem Sahne-Erdbeerbett reicht die Palette. Einen Höhepunkt erleben die Eisesser in Friolzheim in der „Gelateria Goia“: In einer Schale, die einer Comic-Figur mit Hut und Haaren ähnelt ist, liegen zwei Eisbällchen als Augäpfel mit Augenbrauen aus Apfelstreifen.

Augen, die direkt in die Seele schauen.

Das Resümee macht dennoch betroffen: „Ich wünschte mir“, so Metzler, „es hätte bereits ein Buch über Pinocchio-Eis gegeben. Dann wäre uns das alles erspart geblieben.“

Leonhard Hieronymi und Christian Metzler.“MOSTRO – Pinocchio-Eis in Deutschland“, Starfruit Publi- cations, 25 Euro

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare