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Deutsche und ihre Nachbarn.

Nachbarschaft

Frieden am Gartenzaun

Laut einer Umfrage haben mehr als zwei Drittel der Menschen in Deutschland ein gutes Verhältnis zu ihren Nachbarn.

Von wegen, die bösen Nachbarinnen und Nachbarn. Satte 70 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger haben nach eigenen Worten ein gutes oder sogar sehr gutes Verhältnis zu den Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung. „Die Situation ist gut, wir unterhalten uns ab und zu“ sagten 60 Prozent über die nächsten Nachbarinnen und Nachbarn. Die Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov hatte die Deutsche Presse-Agentur in Berlin in Auftrag gegeben.

Etwas Distanz zu den Nachbarinnen und Nachbarn ist den meisten Menschen in Deutschland allerdings trotzdem wichtig. Gefragt, wie sie die Situation in ihrer Nachbarschaft allgemein beschreiben, sagen lediglich sechst Prozent: „Die Situation ist sehr gut – wir verbringen auch Freizeit miteinander“. Und nur vier Prozent antworten mit „sehr gut – wir gehen beieinander ein und aus“. Jeder Zehnte würde mit den engsten Nachbarinnen und Nachbarn sogar in den Urlaub fahren oder in die Sauna gehen.

Für jeweils 60 Prozent der Befragten kommt beides aber absolut nicht infrage, weder der nachbarschaftliche Urlaub noch der Saunagang mit Schmidts von nebenan. Ein weiteres häufig genanntes Tabu: „Mit den engsten Nachbarn über meine Probleme sprechen“ – für 38 Prozent ist das ausgeschlossen. Dass sie die nächsten Nachbarinnen und Nachbarn niemals grüßen, sagt aber eine kleine Gruppe von lediglich vier Prozent der Bundesbürgerinnen un Bundesbürger.

Rund jeder Dritte sagt, er gieße für die nächsten Nachbarinnen und Nachbarn zumindest gelegentlich die Blumen, versorge ein Tier oder erledige ähnliche Gefälligkeiten. Das sind 31 Prozent der Befragten. „Ich packe bei Reparaturen mit an oder helfe im Garten“ sagen 27 Prozent, „Ich bringe eine Karte, Blumen oder ein Geschenk zu Geburtstagen oder Feiertagen rüber“ sagen 24Prozent.

Gelegentliche Einkäufe für die Nachbarinnen und Nachbarn erledigen der Umfrage zufolge 17 Prozent. Ab und an etwas Gekochtes oder einen Kuchen rüberbringen – das machen 15 Prozent. Gar nicht rosig sehen insgesamt 11 Prozent der Befragten ihr Nachbarschaftsverhältnis. „Die Situation ist schlecht – wir sind distanziert“, sagen sieben Prozent. „Sehr schlecht – wir haben ab und zu Streit“ oder gar „Wir sind zerstritten“ antworten jeweils zwei Prozent der Befragten.

Ein Nicht-Verhältnis zu seinen Nachbarinnen und Nachbarn hat nach eigener Einschätzung rund jeder siebte Erwachsene in Deutschland. „Wir kennen uns überhaupt nicht“ sagen 15 Prozent über sich und die Menschen zur Rechten oder Linken. Zu laute Geräusche sind das Ärgernis Nummer Eins in der Nachbarschaft. Auf die Frage „Was stört Sie an ihren allerengsten Nachbarn?“ antworten 16 Prozent mit „Lärm“. Über das Nichteinhalten von Ruhezeiten regen sich zehn Prozent am meisten auf.

Über laute Musik aus der Wohnung ihrer Nachbarinnen und Nachbarn ärgern sich acht Prozent. Dass sie sich von den Menschen nebenan beobachtet fühlen, ist für zehn Prozent der Befragten Anlass zum Verdruss. Allerdings lebt die Mehrheit der Umfrage zufolge schiedlich-friedlich Haus an Haus oder Tür an Tür.

„Mich stört nichts an meinen allerengsten Nachbarn“ sagen denn auch 57 Prozent. Seit Beginn der Corona-Krise bekommt jeder dritte Bundesbürger oder jede dritte Bundesbürgerin, also 34 Prozent, weniger von seinen engsten Nachbarinnen und Nachbarn mit. „Ich habe weniger Kontakt“ sagen 24 Prozent der Befragten. Von „viel weniger Kontakt zu den engsten Nachbarn“ sprechen weitere 10 Prozent. Ältere Menschen erleben die Folgen der Krise in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft dabei stärker als Jüngere.

So berichten 41 Prozent der Menschen über 55 Jahren, dass sie derzeit weniger oder sogar viel weniger Kontakt zu ihren nächsten Nachbarinnen und Nachbarn haben. Zum Vergleich: Bei den unter 25-Jährigen sagen dies lediglich 25 Prozent. Trotz Virus-Angst hat die große Mehrheit der Befragten den Kontakt zu den Menschen hinter den Nachbartüren nicht heruntergeschraubt.

„Ich habe gleich viel Kontakt wie vor der Corona-Krise“ sagen 56 Prozent der Befragten. Sogar mehr Kontakt zu den Nachbarinnen und Nachbarn als vor der Corona-Krise haben vier Prozent. Angesichts der Krise meldeten sich in Deutschland zuletzt Zigtausende Menschen, die bereit sind, für andere einkaufen zu gehen oder den Hund auszuführen.

Die vielen Angebote zur nachbarschaftlichen Unterstützung seien „ermutigend und berühren auch“, sagte der Psychologe und Autor Stephan Grünewald. Es gebe eine „Welle der Hilfsbereitschaft“. Un d noch mehr Friede unter den Nachbarn. (Matthias Armborst, dpa)

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