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„Unsere Zukunft in euren Händen“: Allein in Deutschland gab es „Fridays for Future“-Proteste in rund 230 Städten.

Fridays for Future

Hoch die Hände, Klimawende!

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Sieht nach Spaß aus, ist aber ernst: Hunderttausende Kinder und Jugendliche gehen weltweit für eine nachhaltige Umweltpolitik auf die Straße.

Morgens, halb zehn, irgendwo mitten in Deutschland. „Ich hab keine Lust“, nölt eine der Freundinnen, die gerade in die Straßenbahn eingestiegen sind. Die Quenglerin ist 13, vielleicht 14 Jahre alt und findet es „draußen zu kalt und nass für eine Demo“. Und Hunger hat sie auch. Ach Gottchen, die Arme!

Aus verlässlicher Quelle – und wenn es nicht um mündliche Mitteilungen von Lehrern geht, ist der eigene Sohn (fast 13) auf jeden Fall eine verlässliche Quelle – kam am Morgen der Hinweis, dass einige aus der Klasse die Freistellung vom Unterricht nutzen wollen, um in Sichtweite der Kundgebung mal schön bei Starbucks frühstücken zu gehen. Muffin mümmeln statt meckern, Latte trinken statt mit Plakaten winken? Kinder, Kinder, wenn das der Christian Lindner liest ...

Mag sein, dass nicht alle Jungs und Mädels da draußen das Ausmaß der Dramatik erfasst haben, auf die mit den „Fridays for future“-Demos hingewiesen werden soll. Es gibt daher Politiker, die der jungen Protestbewegung den Respekt vor politischen Bemühungen und die Kenntnis globaler Klimavorgänge absprechen. Sie zwitschern nun sehr selbstzufrieden in sämtlichen Kanälen, dass sie es doch schon immer gewusst hätten: Die Jugend wolle bloß die Schule schwänzen. – Das mag ja in manchen Fällen so sein, aber es muss doch der Grundsatz gelten: Ein bisschen Schwund gibt es immer. Auch bei G20-Gipfeln gehen nicht nur kritische Köpfe auf die Straße, um friedvoll eine humanere Weltpolitik einzufordern, sondern auch welche, die ganz schlicht sagen: „Randale? Geil!“

Weltweite „Fridays for Future“-Proteste

"Fridays for Future" - Magdeburg
Bei der „Fridays for future“-Kundgebung in Magdeburg trägt ein Schüler eine Weltkugel aus Pappmache auf dem Kopf.  © dpa
"Fridays for Future" - Mailand
In Mailand tragen die demonstrierenden Schüler Atemschutzmasken.  © dpa
"Fridays for Future" - Sydney
Eine Schülerin in Sydney trägt ein Stoppschild.  © dpa
"Fridays for Future"- Stockholm
Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg demonstriert in Stockholm.  © dpa
A pregnant student is seen during a demonstration to demand global action on climate change as part of the "Fridays for Future" movement in Rio de Janeiro
In Rio de Janeiro demonstriert auch das ungeborene Leben mit.  © rtr
Auch in Bangkok wird für eine bessere Klimapolitik demonstriert.  © afp
"Fridays for Future" - London
In London legen sich zwei Schüler vor der Westminster Bridge auf den Boden.  © dpa
"Fridays for Future" - Bellinzona
Bei der Demonstration im schweizerischen Bellinzona werden Unterschriftenlisten gesammelt.  © dpa
"Fridays for Future" - Paris
Auf einem Schild bei der Kundgebung in Paris steht „Man kann Geld weder essen, einatmen noch trinken“.  © dpa
Schüler recken vor dem Berliner Reichstag die Hände in die Höhe.  © afp
Youth demonstrate for climate change during the "Fridays for Future" school strike, on Heldenplatz in Vienna
Auf dem Heldenplatz in Wien wird auch gestreikt.  © rtr
"Fridays for Future" - Madrid
Auf einem der Schilder in Madrid steht „So zu tun, als ob der Klimawandel nicht real wäre, heißt nicht, dass es ihn nicht gibt.“  © dpa

Aber, genug geredet, hier soll ja keine Politik gemacht, sondern berichtet werden, was passiert, wenn Jugendliche finden, es wird zu wenig Politik gemacht. Die Nachrichtenagenturen meldeten am Freitag, dass Hunderttausende Schüler in mehr als 120 Staaten „für drastische Schritte gegen die Erderwärmung demonstriert“ haben. Von Melbourne bis Madrid, von Kapstadt bis Kopenhagen, ob in London, Paris und Neu Delhi – weltweit wurden etwa 2000 Kundgebungen und Schülerstreiks angekündigt.

In Deutschland waren es 220 – trotz Regens und steifer Brisen vielerorts. So kamen in Köln mehr als 10 000 junge (und sicher auch ein paar ältere) Menschen zusammen, in München waren es 8000, in Berlin, wo der größte deutsche Klimastreik erwartet wurde, hatten die Veranstalter 5000 Teilnehmer angemeldet – die waren schon da, bevor es richtig losging, und am Ende waren es mehr als 15 000. Vielerorts mischten sich auch einzelne der 23 000 Forscher und Wissenschaftler, die in der vergangenen Woche ihre Solidarität mit den protestierenden Schülern öffentlich bekundet hatten, unter die Demonstranten.

Frankfurt: 6000 Schüler auf der Straße

Fridays for Future: So viele Demonstranten wie noch nie

Und während Greta Thunberg, die im August 2018 mit ihrem einsamen Protest vor dem Stockholmer Reichstag den Anstoß zu den „Fridays for future“ gegeben hatte, unterm gepunkteten Regenschirm im Protestzug durch Schwedens Hauptstadt mitlief, skandierten in Rom die Schülerinnen und Schüler auf dem Kaiserforum: „Wir sind der Wandel!“ In Berlin stellte sich um die Mittagszeit der 15-jährige Linus, einer der Organisatoren der Freitags-Demo, vor die Mikrofone und sagte: „Langsam kommt an, dass das hier kein kurzfristiger Trend, sondern etwas Langfristiges ist, das Folgen hat.“

Und zu diesen Folgen, sagt Linus, gehört vor allem die Erkenntnis: „Je länger wir streiken, desto ernster werden wir genommen.“ Und eines schönen Tages können sich auch die Jungs und Mädels, denen es am Freitagmorgen zu kalt war oder die doch lieber gemütlich frühstücken gegangen sind, dieser Dynamik nicht mehr entziehen.

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