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Das 17. Türchen. 

DER FR-ADVENTSKALENDER

Elf Freundinnen

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Frauen reden über Fußball.

Mein erster Besuch in einem Fußballstadion erfolgte im Schlepptau eines Mannes. Das war Mitte der 80er-Jahre, die Arena stand im erzgebirgischen Aue, der Mann war mein Vater und dem Fußball gehört seither mein Herz. Heute, mehr als 30 Jahre später, weiß ich, dass die Fußballsozialisation von Frauen selten über die eigene Praxis am Ball erfolgt, sondern zumeist über einen männlichen Angehörigen – den Partner, den Sohn oder eben den Vater. Verraten hat mir das nicht die mäßig verlässliche Stichprobe in meinem Bekanntenkreis, sondern „FRÜF – Frauen reden über Fußball“.

„FRÜF“ ist genau das: Eine Gruppe von Journalistinnen, Spielerinnen, Forscherinnen, Fans – manchmal auch mehreres gleichzeitig in Personalunion – die in wechselnder Runde einmal im Monat zwei Stunden über Fußball reden. Immer zu einem bestimmten Thema. Ohne Gejingle, ohne Musik, ohne ein Feuerwerk an O-Ton-Collagen – kurz, ohne Schnickschnack. Fast so, als säße man mit seinen Freundinnen am Kneipentresen oder vor dem Bildschirm. Klingt unspektakulär, ist aber vielleicht genau deshalb seit der ersten Folge im Frühjahr fester Bestandteil meiner Podcastliste.

Das könnte daran liegen, dass die Frauen, die dort reden, zwar sehr viel Ahnung vom Sport ihres Herzens und allem Drumherum haben. Dass ihre Perspektive in allen anderen Sendungen zum Thema aber immer noch zu kurz kommt. Da machen Laura Wontorra oder Claudia Neumann den Bock nicht fett.

„FRÜF – Frauen reden über Fußball“ , zu hören über gängige Podcast-Apps oder unter www.fruef.de.

„FRÜF“ macht Spaß, wenn zum Beispiel Union-Anhängerin Steffi im breitesten Berlinerisch erklärt, warum sie ins Stadion geht: „Ick muss am Rasen riechen, sonst ist doof.“ Oder wenn jede ihre beste Anekdote zum Thema Taschenkontrolle zum besten gibt.

„FRÜF“ ist mehr als ernst, wenn „Spiegel“-Journalistin Nicola Naber über ihre Recherchen zu den Vergewaltigungsvorwürfen gegen Superstar Cristiano Ronaldo berichtet. Und die Runde danach über Unschuldsvermutung und Ungleichgewicht diskutiert. Kann ich als Fußballverrückte noch jubeln, wenn Ronaldo wunderschöne Tore schießt? Darf ich ihn als Journalistin noch als Vorzeigeathleten porträtieren? Und was sagt die Affäre „CR7“ allgemein über unseren gesellschaftlichen Umgang mit sexualisierter Gewalt aus? Spannende Fragen, die in klassischen Fußballsendungen allzu selten debattiert werden.

Und „FRÜF“ entspannt, weil da nicht vier, fünf, zehn von 80 Millionen Bundestrainern reden, sondern Frauen, die sich selbst nicht ganz so ernst nehmen. Sondern lieber ernsthaft eine ganze Folge darüber bringen, was Menschen eigentlich zu Fußballexpertinnen oder -experten macht. Und wie viel Ahnung es dafür eigentlich so braucht.

„Mädels, ich fürchte, das ist Fußball – und das geht nicht mehr weg“, sagt Kristell, eine der Macherinnen, irgendwann in die Runde. Das will ich doch hoffen!

www.fruef.de

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