+
Dominique Strauss-Kahn will nicht gewusst haben, dass er mit Prostituierten Sex hatte

Frankreich

Freispruch für Dominique Strauss-Kahn

  • schließen

Der frühere IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn wird vom Vorwurf der Zuhälterei freigesprochen. Auch die 13 Mitangeklagten kommen glimpflich davon. DSK kann nun versuchen, so etwas wie ein normales Leben zu beginnen. Soweit das eben möglich ist.

Da ist nicht einmal der Anflug eines Lächelns. Mit einem kurzen Nicken nur quittiert Dominique Strauss-Kahn am Freitagnachmittag, dass er nun endgültig ein freier Mann ist. Bernard Lemaire, der Vorsitzende Richter, hat ihm im Untergeschoss des Justizpalasts von Lille soeben eröffnet, was er und die meisten Prozessbeobachter erwartet hatten: Der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds wird nicht als Zuhälter belangt. Das Urteil lautet auf Freispruch. Der Nachweis, dass sich der von seinen Landsleuten kurz DSK genannte Franzose auf freizügigen Partys mit Callgirls nicht nur vergnügt, sondern zu den Feten angestiftet, sie organisiert, die Prostitution gefördert hat, ist nach Überzeugung des Gerichts nicht erbracht worden.

Mit der Souveränität eines Mannes, der öffentliche Auftritte gewohnt ist, hatte der 66-Jährige im Lauf der Verhandlung dargelegt, dass er nicht gewusst habe, dass die ihm gefälligen Frauen Prostituierte gewesen seien. Im Zeugenstand vernommene Callgirls hatten eingeräumt, den prominenten Freier nicht ausdrücklich darauf hingewiesen zu haben, dass sie ihm gegen Geld gefällig waren.

Nach dem Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“ ist das Gericht wie zuvor schon die Staatsanwaltschaft davon ausgegangen, dass der frühere IWF-Chef die von befreundeten Unternehmern bezahlten Callgirls tatsächlich für willige Frauen gehalten hat. Der Vorwurf der Zuhälterei war damit hinfällig. Und selbst wenn DSK Bescheid gewusst hätte, wäre er, wie Richter Lemaire am Freitag ausführte, „nur ein gewöhnlicher Freier gewesen, Nutznießer, nicht aber Anstifter oder Organisator der Prostitution“.

Verteidiger: "Das war unanständig"

Während der Angeklagte mit versteinerter Miene in den Fond einer Limousine stieg, gingen seine Verteidiger, Henri Leclerc und Richard Malka, in die Offensive. Ohne jede rechtliche Handhabe hätten ideologisch motivierte Ermittlungsrichter dem früheren IWF-Chef moralisch den Prozess gemacht, sagte Leclerc. Und Malka fügte hinzu: „Das war unanständig, würdelos.“

Wie Strauss-Kahn sind auch die 13 Mitangeklagten glimpflich davongekommen. Nicht einmal der belgische Bordellbesitzer Dominique Aldenweireld alias „Dodo der Salzhering“, dessen Prostituierte die zwischen 2008 und 2011 in Paris, Brüssel und Washington ausgerichteten Partys belebt hatten, wird belangt. Wie die beiden DSK gefälligen Unternehmer, die für die sexuellen Dienstleistungen aufgekommen waren, wurde auch Dodo freigesprochen. Zwölf Monate Haft auf Bewährung gegen einen ehemaligen Angestellten des Carlton-Hotels, der für Dodo in Lille junge Frauen rekrutierte, ist die schwerste Strafe, die das Gericht verhängt hat.

Mit dem Urteil ist nun auch das dritte und letzte Strafverfahren gegen einen der ehemals mächtigsten Männer der Welt abgeschlossen. In New York war Strauss-Kahn der Vergewaltigung eines Zimmermädchens bezichtigt worden, in Paris der versuchten Vergewaltigung einer jungen Schriftstellerin, in Lille schließlich der Förderung der Prostitution. Strauss-Kahn, der bis Mai 2011 als IWF-Chef und Anwärter auf das Amt des französischen Staatspräsidenten im Rampenlicht gestanden hatte und in den Jahren danach als mutmaßlicher Sexualstraftäter, kann nun versuchen, so etwas wie ein normales Leben zu beginnen. Soweit das eben möglich ist für jemanden, dessen ausschweifendes, nach eigenem Bekunden „derbes Sexualleben“ in Lille ein weiteres Mal vor aller Augen ausgeleuchtet worden ist.

Moralisch am Pranger

Denn auch wenn sich Strauss-Kahn strafrechtlich nichts hat zuschulden kommen lassen, ist in dem Prozess doch deutlich geworden, dass da ein Mann reichlich selbstherrlich, wenn nicht frauenverachtend sein sexuelles Vergnügen gesucht hat. Der Anwalt Leclerc hat insofern durchaus recht: Moralisch stand sein Mandant in Lille am Pranger.

Im Gedächtnis geblieben sind da etwa die in leisem, eindringlichem Ton vorgetragenen Schilderungen von zwei zierlich, ja zerbrechlich wirkenden ehemaligen Prostituierten, die als Jade und Mounia ihre Dienste angeboten hatten. Die Frauen haben geschildert, wie sie erlebt haben, was für den Angeklagten „festliche, spielerische Momente“ und „lustvolle Erholungsaufenthalte“ waren.

„Ich habe beim von DSK geforderten Verkehr Schmerzen gehabt“, hatte Mounia erzählt. „Ich habe meinen Widerwillen mit Gesten verdeutlicht, ich habe geheult, ich habe ihm gesagt, dass es mir sehr wehtut.“ Jade war es in einem Brüsseler Nobelhotel mit Strauss-Kahn nicht besser ergangen. Auch sie fügte sich unter Schmerzen, weil sie das Geld gebraucht habe, wie sie in der Verhandlung sagte.

So unwürdig dieser Prozess gewesen sein mag – was ihm vorausging, war es offensichtlich auch.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion