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Einer von vielen: Derzeit leben rund 8000 Löwen auf südafrikanischen Farmen. Adam Peyman/HSI/dpa
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Einer von vielen: Derzeit leben rund 8000 Löwen auf südafrikanischen Farmen. Adam Peyman/HSI/dpa

Südafrika

Freiheit für die Könige

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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In Südafrika ist es künftig nicht mehr erlaubt, Löwen zu züchten, um sie touristisch zu vermarkten. Unklar bleibt, was dieser historische Beschluss für die derzeit in Gefangenschaft lebenden Tiere bedeutet

Sie haben die Könige der Tiere zu ihren Geldautomaten gemacht. Südafrikas Löwenfarmer, die mit rund 8000 Exemplaren über mehr als doppelt so viele Raubkatzen wie in der freien Wildbahn verfügen, schlachten die majestätischen Tiere gleich in vierfacher Weise kommerziell aus: Sie halten ihre Babys in Gehegen, in denen sie von Besucherinnen und Besuchern gegen Bezahlung in den Arm genommen werden können; sie lassen sie – kaum erwachsen geworden – auf ihren Farmen für viel Geld von sogenannten Großwildjägern schießen; die Knochen der Tiere verkaufen sie nach Fernost, wo sie gemahlen und aufgebrüht als Kräftetee getrunken werden; und um ihre Betriebskosten möglichst gering zu halten, werben sie freiwillige Helfer aus Übersee an, die sich dann als Retter der bedrohten Mähnentiere wähnen dürfen.

Am Kap der Guten Hoffnung soll es derzeit rund 350 solcher Löwenfarmen geben: Ihre Besitzer, meist weiße Ex-Landwirte, fahren schwindelerregend hohe Gewinne ein. Zwei Jahrzehnte lang sorgte das umstrittene Gewerbe weltweit für Negativschlagzeilen: Kampagnen wurden lanciert, Filme gedreht, wütende Briefe an die hiesigen Behörden geschrieben. Trotzdem behielt die Lobby der reichen Löwenverwerter bisher die Oberhand. Jetzt bahnt sich in Pretoria jedoch ein Umdenken an: Barbara Creecy, Südafrikas Ministerin für „Umwelt, Forst- und Fischereiwirtschaft“, sprach Anfang dieser Woche einen Bann über die Geschäfte mit den Königen der Tiere bekannt. Eine „neue Ära“ breche an, so Creezy.

Die ANC-Politikerin hatte vor zwei Jahren eine 25-köpfige „Beratungskommission“ eingesetzt, der neben im Naturschutz Engagierten und Fachleuten aus Wissenschaft und Forschung auch Ökonomen, Vertreter:innen ländlicher Kommunen und Farmer:innen angehörten. Sie legten jetzt einen 580-seitigen Bericht vor, der den Umgang mit den prominentesten südafrikanischen Wildtieren regeln soll – Löwen, Elefanten, Nashörner und Leoparden.

Bei den Beratungen des „Panels“ sei es immer wieder hoch hergegangen, wird berichtet: Schließlich habe sich jedoch auch in der heißesten der Fragen, der Löwenzucht, ein Mehrheitsvotum durchgesetzt. „Wir wollen keine Aufzucht von Löwen in Gefangenschaft“, heißt es: Auch die Jagd auf gefangene Löwen, das Streicheln ihrer Babys und die Verwertung von Löwenkadavern sollen verboten werden. Als Begründung wird angeführt, dass die Praxis ein „schlechtes Licht“ auf den südafrikanischen Naturschutz und Tourismus – sowie auf die Großwildjagd werfe. Mit ihr nimmt das Land jährlich mehr als 300 Millionen Euro ein, mit dem Tourismus indes sogar mehr als 20 Milliarden Euro.

Die Kommission habe eine Kehrtwende im südafrikanischen Tierschutz eingeleitet, heißt es in Fachkreisen: Der wurde bisher von kommerziellen Erwägungen und den Interessen von rund 20 000 privaten Wildfarmern diktiert. Sie verstehen sich selbst als die besten Naturschützer: Der größte Teil der letzten rund 20 000 Breitmaulnashörner der Welt befindet sich tatsächlich auf Privatfarmen. Deren Besitzer und Besitzerinnen bekamen zu hören, dass die Regierung sich nicht länger für eine eingeschränkte Freigabe des Nashornhandels einsetzen will – damit bricht den Rhinozerosfarmer:innen das Geschäftsmodell weg. Der Verkauf des regelmäßig abgesägten Nashorns sollte ihre Farmen finanzieren.

In einer Frage setzten sich allerdings die privaten Tierreservate durch. In Südafrika müsse die „legale, regulierte und verantwortliche Großwildjagd erhalten und gefördert werden“, heißt es in dem Kommissionsbericht, weil deren Einnahmen sowohl dem Tierschutz wie der ländlichen Bevölkerung zugute kämen. Ein „Zugeständnis“ derjenigen, die sich dem Naturschutz verpflichtet fühlen, an die kommerziellen Wildfarmer, meint der Öko-Journalist Don Pinnock.

Eine Frage bleibt indessen noch offen: Was mit den 8000 Löwen geschieht, die jetzt ihre beengten Zuhause verlieren. Sie alle einzuschläfern, käme einem PR-Desaster gleich, dem gegenüber sich die „Gatter-Jagd“ auf gefangene Raubkatzen wie ein Kavaliersdelikt ausnehmen würde. Die jagdunfähigen Löwen in die Wildnis auszusetzen, kommt auch nicht infrage: Falls sie dort tatsächlich überlebten, könnten sie dem Menschen gefährlich werden, weil sie ihre Scheu vor den aufrechten Klassen-Genossen verloren haben, heißt es. Den gefangenen Löwen droht die Befreiung mit dem Tod zu enden – es sei denn, es tut sich noch irgendwo ein Asyl für die missbrauchten Könige der Tiere auf.

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