Frauentag

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Zum Weltfrauentag am 8. März greift die FR das Thema Abtreibung auf und erzählt vom Hexenprozess in Memmingen.

Wäre das heute noch möglich? Dass Frauen wegen einer Abtreibung auf Polizeiwachen gezerrt und mit Strafbefehl verfolgt werden? Dass sie vor männlichen Richtern erscheinen müssen, die sie über intimste Details ihres Sexuallebens ausfragen? Dass sie öffentlich gedemütigt und erniedrigt werden, weil sie nicht selbstbestimmt über ihren Körper entscheiden dürfen?

So war es in den 1980er Jahren beim spektakulären Abtreibungsprozess von Memmingen. Angeklagt war der Frauenarzt Horst Theissen wegen Verstoß gegen den § 218. Fast 200 Frauen bekamen Strafbefehle, weit über hundert wurden als Zeuginnen vernommen und saßen indirekt mit auf der Anklagebank.

Auch heute entfaltet das Abtreibungsthema seine explosive Kraft. Der § 218 steht noch immer im Strafgesetzbuch, auf Frauen, die eine Schwangerschaft abrechen wollen, wird psychisch und physisch Druck ausgeübt – nicht nur von selbsternannten Lebensschützern. Und immer weniger Ärzt*innen stehen den Betroffenen zur Seite. Auch die heftige Debatte über den § 219a zeigt, wie aktuell das Thema ist.

Seit der Spätantike tobt der Kampf um das Recht auf Abtreibung, damals wie heute werden ethische und religiöse Argumente dagegen ins Feld geführt. Und immer ging und geht es nur vordergründig um das Leben des Embryos, es ging und geht um die Herrschaft über den weiblichen Körper. Diesen Herrschaftsanspruch wollen sich bis heute weder männlich dominierte noch patriarchal geprägte Gesellschaften nehmen lassen.

Besonders heftig flammte der Abtreibungsstreit in den 1970er Jahren auf, als die 2. Frauenbewegung den § 218 zum Thema machte und bundesweit mobilisierte. Aktivistinnen kämpften für eine ersatzlose Streichung des Paragraphen, forderten das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper und den eigenen Lebensentwurf. „Mein Bauch gehört mir!“ war der Kampfruf auf den Straßen.

Zum Weltfrauentag am 8. März greift die Frankfurter Rundschau deshalb das Thema Abtreibung wieder auf und erzählt vom Hexenprozess in Memmingen, der die Nation spaltete. In einer Mischung aus fiktionalen und dokumentarischen Elementen zeichnet die Autorin Berit Glanz den Skandal nach. Sie beschreibt die Not der betroffenen Frauen, die Perfidie der Strafverfolgung, den offenen Sexismus der Richter. Illustriert wird ihre Erzählung von der Zeichnerin Raphaela Buder.

Lesen Sie! Vielleicht werden Sie zornig! Dann gehen Sie auf die Straße und protestieren bei den heutigen Frauendemos gegen den Paragraph 218. Denn ob wir wollen oder nicht – wir müssen wieder über Abtreibung streiten.

Ihre Bascha Mika für die Chefredaktion

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