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Maria und Josefa?

Weihnachtsbotschaft

Frauenliebe an der Krippe

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Fromme Internetnutzer fühlen sich von einer modernisierten Weihnachtsbotschaft provoziert.

Weihnachten ist vorbei? Von wegen. In einer Krefelder Kirchengemeinde dürfte die pointierte Auslegung der Weihnachtsbotschaft weiterhin für Diskussionen sorgen. Grund ist die diesjährige Krippe in der Schutzengelkirche im Krefelder Stadtteil Oppum. Statt Jesus liegen kirchliche Gesetzbücher im Stall, die von den dargestellten Würdenträgern der Kirche angebetet werden.

Einem der Geistlichen weist die kleine Jesusfigur den Weg in eine andere, der Intention nach zu urteilen in die „richtige“ Richtung: Zwei Hirtinnen sitzen am Feuer, eng umschlungen, hinter ihnen ist eine Regenbogenflagge aufgestellt, wie sie weltweit üblicherweise für die Anliegen von Homosexuellen geschwenkt wird.

Vor den offenbar lesbischen Krippenfiguren sitzt eine weitere, die einen Aids-Kranken darstellen soll, sagt Udo Degen, der die Krippe mitgestaltet hat, auf FR-Anfrage. Dem pensionierten Schulpfarrer zufolge ist das eine angemessene Auslegung dessen, was Jesus tat, wenn er sich Minderheiten zugewandt hat.

„Stattdessen kümmern sich die Kirchen heute nur um ihre Paragrafen“, sagt Degen. Damit meint er ausdrücklich nicht Pfarrer Hans Russmann, der für die Seelsorge an der Schutzengelkirche zuständig ist. Dieser begrüße die kreative Krippenarbeit der Gemeinde, die inzwischen Tradition hat: Los ging es vor drei Jahren, als Maria, Josef und Jesus als Bootsflüchtlinge dargestellt wurden. Später zog etwa ein Pegida-Aufmarsch durch die Krippenszene.

„Wir provozieren nicht um des Provozierens willen“, sagt Degen, „sondern um auf das hinzuweisen, was in Kirche und Gesellschaft falsch läuft, wenn man die Bibel als Maßstab nimmt.“ Während auch die Gemeinde mehrheitlich hinter den gut gemeinten Provokationen stehe, habe sie der zuständige Bischof im Bistum Aachen, Helmut Dieser, bislang offenbar noch gar nicht auf dem Schirm.

„Besser so“, rutscht es Degen heraus. Denn dem Vernehmen nach ticke Bischof Dieser kirchenpolitisch nicht ganz so liberal wie die Oppumer Katholiken.

Das tun auch die Kommentatoren nicht, die den „gotteslästerlichen Mist“ auf dem Internetportal kath.net erst am Montag – lange nach dem Krippenaufbau am vierten Advent – zum Skandal erheben. „Schwachsinn, Blödsinn und Dekadenz haben die Kirche fest im Griff“, urteilt einer; dass „die Wächter des Glaubens“ nicht einschreiten, beklagt ein anderer. „Wenn diese für die Gläubigen nicht mehr wahrnehmbar sind, müssen eben wir einspringen. Zum Beispiel habe ich heute morgen eine Mail an die betreffende Pfarrei geschickt“, so ein Internetnutzer.

Das kennt Degen schon von seinen früheren Krippenmotiven. Ihm kommt es aber gelegen, denn er hofft, dass die Diskussion um die angeprangerten Themen auch weitergeht, wenn die Krippe in wenigen Tagen wieder abgebaut wird.

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