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Zweite Mutter in Geburtsurkunde: Ein Urteil mit Folgen für die Transgender-Community

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Von: Lukas Zigo

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Demonstrationen für Trans-Rechte in den USA
Demonstrationen für Trans-Rechte in den USA © John Lamparski/dpa

Ein jahrelanger Rechtsstreit vor französischen Gerichten um die Eintragung einer Transgender-Frau als zweite Mutter endet und dient künftig als weitreichender Präzedenzfall.

Toulouse – Gerichte in Frankreich fällen einen weitreichenden Entschluss. Erstmals kann sich eine Transgender-Frau, die noch vor ihrer Geschlechtsangleichung und damit offiziell als Mann ein Kind gezeugt hatte, in der Geburtsurkunde als zweite Mutter eintragen lassen. Am Mittwoch (09.02.2022) gab ein Berufungsgericht im südfranzösischem Toulouse der Frau nach jahrelangem Rechtsstreit recht.

Die vor Gericht unter dem fiktiven Namen Claire bekannte 52-jährige Frau ist seit Jahren offiziell als Frau registriert, unterzog sich aber erst später einer Geschlechtsangleichung. Weil sie der Standesbeamte in der Geburtsurkunde ihrer Tochter nicht als zweite Mutter eintragen wollte, zog sie 2014 vor Gericht.

Frankreich: Transgender Frau sorgt für gleich zwei Justiz-Premieren

Ein Berufungsgericht in Montpellier hatte der Familie zugestanden, Claire weder als Vater noch als Mutter, sondern als „leibliches Elternteil“ eintragen zu lassen – auch das war eine Premiere in Frankreich. Damit gab sich die Familie jedoch nicht zufrieden. Zudem hob der französische Kassationsgerichtshof das Urteil in 2020 auf, da die Definition „leibliches Elternteil“ im französischen Recht nicht vorgesehen sei. Die obersten Richter verwiesen den Fall an das Berufungsgericht in Toulouse.

Da „in diesem Fall zwei mütterliche Abstammungen festgestellt werden konnten“, stellte das Gericht in Toulouse abschließend fest, dass Claire in der Geburtsurkunde als Mutter eingetragen werden kann. Clélia Richard, Claires Anwältin, sprach von einem wegweisenden Urteil. Die „Einfachheit der Situation“ schlage sich endlich im französischen Recht wieder. Zudem sei Claires Kind nicht das einzig betroffene. Die Entscheidung des Gerichtes werde daher viele werdende Eltern in Frankreich „beruhigen“. (lz/afp)

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