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Zehntausende tote Fische treiben vor Frankreichs Küste: Umwelt-Organisation erhebt schweren Vorwurf

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Von: Karolin Schäfer

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Eine Umweltorganisation entdeckt zehntausende tote Fische vor der französischen Küste. Die Verantwortlichen äußern sich nun in einem Statement.

La Rochelle – Der Fund von mehr als 100.000 toten Fischen im Atlantik vor der französischen Küste ruft derzeit Umweltschützer:innen auf den Plan. Laut Euronews hat sich inzwischen auch das zuständige Ministerium eingeschaltet und eine entsprechende Untersuchung eingeleitet.

Die gemeinnützige Organisation „Sea Shepherd“ in Frankreich – Ableger der US-amerikanischen NGO – teilte am Donnerstag (03.02.2022) einen Beitrag von dem Fund via Twitter. „Genau das passiert gerade im Golf von Biskaya vor La Rochelle“, hieß es in dem Tweet.

Mysteriöser Fund vor der Westküste Frankreichs

Die Bilder der Organisation zeigten zehntausende tote Fische, die etwa 300 Kilometer vor La Rochelle auf dem Wasser treiben. Die Masse an toten Fischen bildet im Golf von Biskaya einen riesigen weißen Teppich. Wie die Organisation weiter berichtete, handelte es sich bei den Tieren um blaue Wittlinge. Der Salzwasserfisch gehört zur Familie der Dorsche. Der blaue Wittling ist eine stark befischte Art. Er wird in erster Linie nicht frisch, sondern etwa in Form von Fischstäbchen, Fischöl oder Fischmehl vermarktet.

„Vier Fabrikschiffe verkehren in diesem Gebiet, darunter die Margiris, der zweitgrößte Trawler der Welt“, heißt es im Tweet weiter. Die Margiris sei in Australien verboten, so die Organisation.

Tote Fische vor Frankreichs Küste: Verantwortliche äußern sich in Statement

In einem Statement äußerte sich in inzwischen auch die Pelagic Freeze-Trawler Association (PFA) zu dem Fund. Die Organisation vertritt die Interessen von mehreren europäischen Unternehmen für Hochseeschiffe, die für den menschlichen Verzehr fischen. „Die PFA versteht voll und ganz die Emotionen, die solche Bilder hervorrufen können“, reagierte die Organisation am Freitag (04.02.2022).

„Wir möchten klarstellen, dass am 3. Februar 2022 gegen 5:50 Uhr eine Menge blauer Wittlinge vom Margiris-Schiff unfreiwillig ins Meer entlassen wurde“, hieß es weiter.

Doch was steckt dahinter? Offenbar sei das Schleppnetz abgebrochen, weshalb die Fische ins Meer gelangten. „Ein solcher Unfall kommt selten vor und wurde in diesem Fall durch die unerwartet große Größe des gefangenen Fisches verursacht“, so die PFA.

Vor der Küste Frankreichs treiben tausende tote Fische im Meer.
Vor der Küste Frankreichs treiben tausende tote Fische im Meer. © Sea Shepherd/AFP

Nach eigenen Angaben wurden umgehend die zuständigen Behörden in Litauen informiert, da das Schiff unter litauischer Flagge fuhr. Angesichts des Vorfalls habe die Margiris Maßnahmen ergriffen, um zu verhindern, dass sich so etwas noch einmal wiederhole. „Es ist nicht im Interesse unserer Mitglieder, Fisch zu verlieren, den sie an Bord nehmen und wir bedauern, dass dieser Fisch nun nicht mehr für den menschlichen Verzehr verfügbar ist“, so die PFA in ihrer Erklärung. „Die PFA und ihre Mitglieder engagieren sich weiterhin für eine verantwortungsvolle und nachhaltige Fischerei und werden weiterhin eng mit den Behörden und allen Interessengruppen zusammenarbeiten.“

Zehntausende tote Fische vor Frankreichs Küste: Umweltorganisation formuliert schweren Vorwurf

Der Sea Shepherd in Frankreich zufolge handele es sich dabei aber keineswegs um einen versehentlichen Vorfall. Lamya Essemlali, Leiterin der Kampagne, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Fische absichtlich ins Meer abgeladen wurden. Laut der Umweltorganisation seien die Fische lediglich Beifang gewesen und nicht das eigentliche Fangziel.

Die französische Ministerin für Fischerei und maritime Angelegenheiten, Annick Girardin, forderte die nationale Fischereiüberwachungsbehörde auf, eine Untersuchung einzuleiten, um die genaue Ursache zu identifizieren. Das erklärte die Ministerin via Twitter. „Frankreich tritt für eine nachhaltige Fischerei ein“, schrieb Girardin. Und das spiegele sich in dem Vorfall nicht wider. Sollte es sich tatsächlich um einen Verstoß handeln, würden Sanktionen auf die Verantwortlichen zukommen.

EU-Kommissar äußert sich zu toten Fischen im Meer

Auch Virginijus Sinkevičius, EU-Kommissar für Umwelt, Ozeane und Fischerei, äußerte sich in einem Tweet zu den toten Fischen vor Frankreichs Westküste. „Wir leiten eine Untersuchung bei den nationalen Behörden des Fischereigebiets und des mutmaßlichen Flaggenstaats des Schiffes ein, um umfassende Informationen und Beweise zu dem Fall zu erhalten.“

Trawler wie die Margiris stehen seit Jahren in der Kritik von Umweltschützer:innen. Das Schleppnetz der schwimmenden Fischfabrik ist mehrere hundert Meter lang. Die Fische werden direkt an Bord verarbeitet.

Der Fischereistreit über Fangrechte zwischen Frankreich und Großbritannien spitzte sich im vergangenen Jahr zu. Nach monatelangem Streit hatte ein britischer Minister sogar mit Vergeltungsmaßnahmen gedroht. (kas)

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