Frankreich

Eiffelturm in Paris: Die eiserne Dame empfängt wieder Besuch

  • vonBirgit Holzer
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So wenig los auf dem Eiffelturm? Das hatte es zuletzt im Krieg gegeben. Nun bekommt die „Eiserne Dame“ nach drei Monaten Schließung wieder Besuch.

  • Auch Frankreich steckt in der Corona-Krise
  • Strikte Ausgangsbeschränkungen werden langsam wieder gelockert
  • Paris: Eiffelturm öffnet nach 104 Tagen wieder

Paris - Die „Eiserne Dame“ hat ausgeharrt. Stoisch stand sie an der Seine und ließ die ruhigen Wochen an sich vorüberziehen. 104 Tage lang blieb sie ohne Besucherinnen und Besucher und damit die längste Zeit überhaupt in ihrer 131 Jahre langen Geschichte – zumindest in Friedenszeiten, denn während der beiden Weltkriege war der Eiffelturm, der aufgrund seiner metallischen Struktur liebevoll „Eiserne Dame“ genannt wird, geschlossen.

Und eben auch seit dem 13. März, kurz bevor in Frankreich strikte Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus* in Kraft traten. Diese wurden seit 11. Mai nach und nach gelockert. 

Doch bis die Abläufe im Eiffelturm neu organisiert waren, damit er im „Covid-Modus“ funktionieren kann, wie es der Generaldirektor der Betreibergesellschaft SETE, Patrick Branco Ruivo, ausdrückt, hat es mehr als drei Monate gedauert.

Eiffelturm in Paris trotz Corona-Krise wieder offen

Als am gestrigen Donnerstag die Eingangspforten zu einem der meistbesuchten Monumente der Welt öffnen, soll es ein „festlicher“ Moment sein – so wollen es die Verantwortlichen. Am eisernen Fuß des Baus spielt ein Trommelorchester eine Fanfare und die ersten Besucherinnen und Besucher, die kurz vor zehn Uhr morgens auf das Gelände kommen, werden mit Applaus und „Bravo“-Rufen von Angestellten begrüßt. Wer nicht schnell weitergeht, den umringen Journalistinnen und Journalisten mit Kameras.

Nein, sie sei nicht extra gekommen, um eine der Ersten zu sein, sagt eine junge Frau namens Agathe, etwas verdattert über den Andrang. „Das ist Zufall. Ich habe einfach im Internet ein Ticket reserviert.“ Sie wirkt erleichtert, als sie weiter gelassen wird. Auf dem ganzen Gelände herrscht nun Maskenpflicht, überall wird Desinfektionsgel aufgestellt und die Laufrichtung ist für die Gäste ganz genau ausgewiesen.

Eiffelturm in Paris: 300 Meter über der Erde

Bis zum 15. Juli ist der dritte Stock, der 300 Meter über der Erde liegt, noch unzugänglich, da die Aufzüge bis dort hinauf enger sind. Bis dahin bleiben die 115 Meter der zweiten Etage das höchste der Gefühle. Auf der dortigen Terrasse sollen ab 9. Juli jeden Freitag- und Samstagabend Djs für Stimmung sorgen.

Außerdem gilt für Kinder unter elf Jahren ein Rabatt von 50 Prozent. Die Fahrt mit dem Aufzug in den zweiten Stock kostet für sie dann gerade einmal zwei Euro, der mühsame Aufstieg über die Treppen nur 1,30 Euro.

Bis zu 23.000 Gäste pro Tag auf dem Eiffelturm

Empfängt der Eiffelturm in Normalzeiten rund 23 000 Gäste am Tag, so würden es in der ersten Zeit höchstens 3000 bis 4000 sein, sagt Generaldirektor Branco Ruivo. „Wir passen das dann allmählich der Situation an.“ In die Aufzüge, die sonst bis zu 45 Menschen fassen, werden zunächst nur Gruppen von acht Personen gelassen.

Seit der Ticketverkauf vor einer Woche wieder losging, wurden rund 700 Karten verkauft. Stellen die Franzosen ansonsten lediglich 20 Prozent der Gäste, so machen sie nun zwei Drittel aus. Die zweitgrößte Gruppe sind die Deutschen mit 13 Prozent. „Wir hoffen, dass bald auch die Amerikaner, Chinesen, Russen und Japaner, ja die ganze Welt zurückkommt“, so Ruivo.

Paris: Am Eiffelturm hängen viele Arbeitsplätze

Schließlich hängen viele Arbeitsplätze am Eiffelturm: Allein die Betreibergesellschaft zählt insgesamt 350 Angestellte. Mit den Zuständigen für die Sicherheit, dem Reinigungspersonal, den Angestellten in den Shops und Restaurants arbeiten hier insgesamt 800 Personen. Die Verluste werden pro geschlossenem Monat auf rund neun Millionen Euro geschätzt.

Zu Beginn der Sommersaison hat die Wiederöffnung des Eiffelturms auch eine wichtige Symbolwirkung für Paris. Seit dem 15. Juni empfangen alle Cafés und Restaurants wieder Gäste, auch die großen Museen ziehen nach. Dass nun die Ruhe in der „Eisernen Dame“ endet, ist eine wichtige Etappe auf dem Weg zurück in den Trubel, der für Paris Normalität bedeutet.

Rubriklistenbild: © Ludovic Marin/AFP

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