Corona-Pandemie

Maximaler Alarm in Marseille: Inzidenzwert von 250 - Lage in Frankreich höchst kritisch

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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  • Mirko Schmid
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Die Lage in der Corona-Pandemie in Frankreich ist höchst kritisch. In Marseille und Guadeloupe gilt höchste Alarmbereitschaft - viele Einrichtungen müssen geschlossen bleiben.

  • Die Corona-Fallzahlen in Frankreich steigen weiter. Knapp 11.000 Neuinfektionen bedeuten einen neuen Höchststand.
  • Lockdowns und Grenzschließungen will die französische Regierung trotzdem vermeiden.
  • In Marseille und Guadeloupe müssen viele Einrichtungen schließen.

Update vom Mittwoch, 23.09.2020, 20.55 Uhr: Gesundheitsminister Olivier Véran hat Stellung zur Lage der Corona-Pandemie in Frankreich genommen und neue Maßnahmen angekündigt. Die Stadt Bordeaux, sowie das Département Gironde sind in erhöhter, Marseille und das Übersee-Gebiet Guadeloupe in „maximaler Alarmbereitschaft“.

„Die Situation ist besorgniserregend und verschlechtert sich weiter“, teilte Véran mit. In Frankreich werden täglich regelmäßig mehr als 10.000 Neuinfektionen vermeldet. Die 7-Tage-Inzidenz in Frankreich habe sich von 83 auf 95 Fälle pro 100.000 Einwohner gesteigert. „In den nächsten Stunden oder Tagen werden wir den Wert von mehr als 100 Fällen pro 100.000 Einwohner überschreiten“, hieß es. In den Zonen mit höchster Alarmbereitschaft liegt der Wert sogar bei über 250, in Paris bei etwa 180. Bisher sind rund 31.000 Menschen an den Folgen des Coronavirus gestorben.

Bars und Restaurants müssen in den Zonen mit maximaler Alarmbereitschaft schließen. Alle öffentlich zugänglichen Gebäude, die kein strenges Gesundheitsprotokoll eingeführt haben, werden ebenfalls geschlossen. In Paris, sowie in weiteren Großstädten wie Lille und Rennes müssen Bars ab kommenden Montag um 22 Uhr schließen.

In Marseille überwachen Polizisten die Maskenpflicht.

Corona in Frankreich: Verschärfte Maßnahmen in vielen Regionen

Update vom Sonntag, 20.09.2020, 13:00 Uhr: Im Kampf gegen die steigenden Corona-Zahlen verhängen immer mehr Städte und Departements in Frankreich strengere Regeln. Ab Montag sind im Departement Indre-et-Loire in der Mitte des Landes Tanzabende und von Studentengemeinschaften organisierte Abende verboten, ebenso Aperitifs, Umtrunke und Snacks im Stehen. Untersagt werden zudem Essensplatten für mehrere, Bars in geschlossenen Räumen ohne Sitzmöglichkeiten bleiben zu, wie die zuständige Präfektur am Samstag mitteilte. Toulouse, Nizza, Bordeaux und Marseille haben bereits ähnliche Regeln eingeführt.

In Frankreich spitzt sich die Corona-Lage weiter zu.

Die französischen Gesundheitsbehörden meldeten am Samstagabend einen neuen Höchstwert von 13 498 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden. In den vergangenen sieben Tagen kamen 3853 Covid-19-Patienten ins Krankenhaus, davon 593 auf Intensivstationen.

Frankkreich: Regierungsmitglied positiv getestet

Update vom Samstag, 19.09.2020, 11.55 Uhr: Die Zahl der Corona-Infektionen in Frankreich steigt rasant an – was nicht zu letzt an Bürgern und Bürgerinnen liegt, die sich nicht an die geltenden Hygienemaßnahmen halten. Dennoch reagiert Frankreich bislang kaum auf den drastischen Anstieg der Neuinfektionen und hält nach wie vor die Grenzen offen. Jetzt wurde auch ein Regierungsmitglied positiv getestet.

Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire erhielt demnach laut einem Bericht von „spiegel.de“ am Freitag (18.09.2020) das positive Testergebnis. Auf Twitter teilte er mit, dass er sich nun in einer siebentätigen Quarantäne begebe. Da er aber keine Symptome habe, werde er weiterhin von zu Hause aus arbeiten.

Wirtschafts- und Finanzminister von Frankreich, Bruno Le Maire, wird positiv auf Corona getestet

Seit gestern wurden 13.278 Neuinfektionen mit Covid-19 in Frankreich gemeldet, sodass die Zahl der bisher positiv getesteten Menschen auf 428.696 steigt. An dem Virus gestorben sind in Frankreich bislang 31.249 Menschen.

Nachlassende Corona-Disziplin in Frankreich: Fast 11.000 Neuinfektionen an einem Tag

Erstmeldung vom 18.09.2020, 20.19 Uhr: Frankreich - Erstmals seit Ende der Ausgangssperre im Mai nehmen der Druck auf die Krankenhäuser und die Zahl der Todesfälle in Frankreich wieder spürbar zu. Nicht nur unter Medizinern nähren sich die Zweifel daran, dass die französische Regierung die Lage in den Griff bekommt. Dabei äußern sich viele Virologen und Mediziner unzufrieden über die Teststrategie in Frankreich.

Experten in Frankreich fordern, Verdachtsfälle schneller zu isolieren

Zuletzt wurden rund 1,2 Millionen COVID-19-Tests pro Woche gemacht, so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie in Frankreich. Das jedoch überlastet die Labore, weswegen Testwillige stundenlang in Schlangen stehen müssen und die Ergebnisse bis zu eine Woche auf sich warten lassen. Es fehlt schlicht an Kapazitäten. Die Epidemologin Catherine Hill nennt die Lage um die präzisen PCR-Tests „katastrophal“.

Um die Infektionsketten schneller zu durchbrechen, fordern Experten jetzt, Verdachtsfälle schneller zu isolieren. In die Kritik gerät dabei immer mehr die mangelnde Quarantäne-Disziplin in Frankreich. Der wissenschaftliche Corona-Beirat spricht von einem Scheitern der Quarantäne-Bestimmungen. Gesundheitsminister Olivier Véran bestätigt den Eindruck, dass sich viele Franzosen nicht an die häusliche Isolation halten. Dabei stünde die Angst vor einem Verlust des Arbeitsplatzes oft im Mittelpunkt.

Französische Regierung verkürzt Quarantäne, um für Akzeptanz zu sorgen

Die französische Regierung hat auf die mangelnde Corona-Disziplin jetzt reagiert, indem sie die Quarantänezeit von 14 auf nur noch sieben Tage halbierte. Dies solle für mehr Akzeptanz für die Selbstisolation in der Bevölkerung sorgen. Unterdessen sieht die Regierung sich einem Vertrauensverlust ausgesetzt. Eine Erhebung des Elabe-Instituts ergab jetzt, dass rund 62 Prozent der Befragten angaben, „kein Vertrauen“ in die Regierung zu haben. Eine denkbar schlechte Voraussetzung für mehr Selbstdisziplin in der Beachtung der Corona-Regeln.

Damit nicht genug. Knapp die Hälfte aller befragten Französinnen und Franzosen stimmt der Aussage zu, dass die Regierung"nicht genug Vorsorge gegen die Corona-Pandemie betreibe. 20 Prozent hingegen finden, dass zu viel unternommen werde, nur 33 Prozent gaben an, zufrieden mit den Maßnahmen zu sein.

Umfragen bestätigen, dass immer weniger Franzosen Corona-Hygieneregeln einhalten

Aber auch die Umfrageergebnisse zur Selbstdisziplin in Frankreich ergaben beunruhigende Zahlen. Während Ende April noch 85 Prozent der in Frankreich Befragten angaben, den Mindestabstand von einem Meter einzuhalten und sogar 92 Prozent nach eigener Angabe auf Händeschütteln und Wangenküsse verzichteten, liegen diese Zahlen jetzt bei nur noch 54 beziehungsweise 66 Prozent.

Der deutsche Virologe Alexander Kekulé zeigt sich auf Grundlage dieser Zahlen besorgt. In seinem MDR-Podcast sagte er zuletzt, dass das Virus in Europa außer Kontrolle sei. Er glaube nicht, dass Frankreich und Spanien „das kurzfristig wieder eingefangen bekommen.“ Auch hätten seiner Ansicht nach deutlich früher Corona-Schnelltests eingeführt werden müssen. Diese Schnelltest befinden sich weiterhin in der Validierungsphase und könnten ab Ende Oktober eingesetzt werden, wie die französische Regierung verspricht.

Trotz immer weiter steigender Corona-Zahlen in Frankreich bleiben die Grenzen offen

Obwohl die Zahlen rasant steigen, hält Frankreich die Grenzen zu seinen EU-Nachbarländern offen. Nicht einmal für den ebenfalls besonders durch immer höhere Fallzahlen belasteten Nachbarn Spanien gibt es eine Reisewarnung. In Quarantäne muss in Frankreich nur, wer aus Großbritannien einreist, hier folgt die französische Regierung einer britischen Verordnung.

Einen neuen Lockdown will die Regierung weiterhin möglichst vermeiden und schreckt auch vor Ausgangssperren in den besonders stark betroffenen Städten wie Paris, Marseille, Nizza und Bordeaux zurück. Anstatt auf Ausgangssperren setzt Frankreich vorerst weiter auf Sperrstunden für Bars, eingeschränkte Altenheimbesuche und Verbote von Versammlungen. (Von Mirko Schmid mit afp)

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