Das Rundschau-Haus der Frankfurter Rundschau
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Das Rundschau-Haus im Zentrum von Frankfurt: Jahrzehntelang die Heimat der Frankfurter Rundschau.

Frankfurter Rundschau

75 Jahre Frankfurter Rundschau: Konsequent unabhängig, von Anfang an engagiert

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Am 1. August feiert die Frankfurter Rundschau ihr 75. Jubiläum. Nach den Aachener Nachrichten und der Berliner Zeitung ist sie die dritte deutsche Tageszeitung, die nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurde.

Trümmerschutt, zerborstene Stahlträger, Ruinen. Knapp drei Monate nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist es schwer, sich einen Weg durch die Innenstadt von Frankfurt am Main zu bahnen. In einem Keller stehen sieben Männer in dunklen Anzügen, aber auch etliche Uniformierte, um US-General Roger McClure. Der Kommandant der Abteilung Nachrichtenkontrolle der US-Armee spricht in seiner kurzen Rede von einem „Wagnis“. Und setzt dann mit einem Knopfdruck eine Rotationsmaschine in Gang. Es ist der Abend des 31.Juli 1945. Am nächsten Tag erscheint die erste Tageszeitung, die in der US-Besatzungszone in Deutschland lizenziert wird. Sie heißt „Frankfurter Rundschau“.

Die sieben Männer, fast alle abgemagert und gezeichnet von Haft und langer Entbehrung, sind die Herausgeber und Chefredakteure des neuen Blattes in Person. Ein Katholik, drei Kommunisten, drei Sozialdemokraten. Es war nicht leicht gewesen für McClure, überhaupt Personen mit Medien-Erfahrung zu finden, die sich nicht schuldig gemacht hatten in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Die Sieben eint eines: Ihre antifaschistische Grundhaltung, ihr Wille, dass sich ein Nazi-Regime nie mehr wiederholen möge. Die Spitzenmeldung der neuen Zeitung: Der sensationelle Wahlsieg der Labour Party in Großbritannien.

Frankfurter Rundschau: Die „Unabhängige, politisch engagierte, links-liberale" Tageszeitung

Von dieser Gründungsszene an hat die Frankfurter Rundschau über 75 Jahre ihren Weg gemacht bis heute. Noch immer gilt, was seinerzeit im Gesellschaftervertrag festgehalten wird: Die Rundschau ist eine „unabhängige, politisch engagierte, links-liberale“ Tageszeitung. Dieser Tradition haben sich die eine Chefredakteurin und die elf Chefredakteure seither ebenso verpflichtet gefühlt wie die fünf Besitzer des Blattes. Und auch die etwa 100-köpfige Redaktion heute sieht sich in dieser Linie.

Der investigative Journalismus, den die Redaktion ungeachtet aller Schwierigkeiten bis heute aufrechterhält, wurzelt in den Augusttagen 1945. Immer wieder bezogen die Redakteure und die anfangs noch sehr wenigen Redakteurinnen in den nächsten Jahren klar Stellung. Gegen die Wiederbewaffnung der jungen Bundesrepublik, für die Aufklärung der Taten des NS-Regimes, die von der bürgerlichen Gesellschaft des „Wirtschaftswunders“ der 50er und 60er Jahre nur zu gerne verdrängt wurden. Die Artikel der Frankfurter Rundschau trugen zum Zustandekommen der Auschwitz-Prozesse von 1963 bei, in denen das Geschehen im Todeslager juristisch aufgearbeitet wird. Der langjährige Verleger und Chefredakteur Karl Gerold stand bis zu seinem Tod 1973 für diesen Kurs.

Die Revolte der 68er begleitet die Frankfurter Rundschau überwiegend mit Sympathie

Als 1968 die Studierenden das Jahr der Revolte ausriefen und einschneidende Veränderungen an den Universitäten wie überhaupt in der bürgerlichen Gesellschaft forderten, begleitete die Redaktion die Auseinandersetzungen überwiegend mit Sympathie. Der Aufstand der 68er zeigte Folgen. Der stellvertretende Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, Karl-Hermann Flach (FDP), kämpfte für das Zustandekommen der ersten sozialliberalen Koalition 1969 auf Bundesebene, bei der Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) das Motto „Mehr Demokratie wagen“ ausrief. Der langjährige Chefredakteur Werner Holzer (1973-1992) setzte diesen Kurs fort.

Die Frankfurter Rundschau unterstützte die aufkommende Umweltbewegung, aus der 1980 eine neue Partei entstand: Die Grünen. Frankfurt und Hessen gerieten zum politischen Labor für ganz Deutschland: Mit dem Einzug der Grünen ins Stadtparlament 1981, dem hessischen Umweltminister Joschka Fischer 1985 und der ersten rot-grünen Stadtregierung in Frankfurt 1989.

Die Frankfurter Rundschau wird als Stimme der Zukunft gebraucht

Der wirtschaftliche Weg der Frankfurter Rundschau wurde Ende der 90er Jahre schwieriger, auch, weil das Unternehmen den Umbruch, den die sozialen Medien mit sich brachten, erst langsam nachvollzog. Aber auch soziale Milieus, mit denen die Zeitung fest verbunden war, zerbrachen, lösten sich gar auf. Die Insolvenz 2012 war ein Tiefpunkt, aus dem sich das Blatt aber wieder erfolgreich herauskämpfte.

„Heute, in einer Zeit neuer rechtsextremer Gewalt und zunehmender Verunsicherung der Gesellschaft, wird die Frankfurter Rundschau mit ihrem klaren politischen Profil gegen rechts mehr denn je gebraucht“, sagt Chefredakteur Thomas Kaspar. Das zeigt die große Zuwendung der Leserinnen und Leser, auch für den Online-Auftritt, den die Zeitung konsequent ausbaut. Diesen Optimismus drückt auch die Serie zum Jubiläum aus: „Zukunft hat eine Stimme“* (Von Claus-Jürgen-Göpfert) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks

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