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Trockenheit, Brände, Borkenkäfer: Die Dürre wird im Wald noch Jahre nachwirken.

Dürre

Forstwirte beklagen "Jahrhundertkatastrophe"

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Millionen Setzlinge sind in Deutschland vertrocknet. Der deutsche Forstwirtschaftsrat spricht von einer "Jahrhundertkatastrophe".

Die Waldbesitzer fordern von Politik und Gesellschaft mehr Unterstützung, um die Wälder an den Klimawandel anpassen zu können. Die Veränderungen im Klima seien „die größte Bedrohung für unsere Wälder und damit die größte Herausforderung für die rund zwei Millionen Waldeigentümer in Deutschland“, sagte der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände, Philipp zu Guttenberg der FR.

Die Schäden durch Stürme, Trockenheit und Insekten nehmen Guttenberg zufolge auch in Deutschland deutlich zu. „Um den Wald an diese Veränderungen anzupassen, benötigen die Waldbesitzer die Unterstützung der Gesellschaft“, sagte er.

Der Umbau zu „klimafitten Wäldern“ brauche lange Zeit und koste viel Geld. Guttenberg betonte, es gebe aufgrund der vielfältigen positiven Waldfunktionen für die gesamte Gesellschaft „wohl kein lohnenderes Investment, als die Wälder zukunftsfähig zu gestalten“.

Wald und Holzgebrauch seien der effektivste Hebel um den CO2-Ausstoß zu mindern. „Dafür müssen wir aber auch noch in den nächsten Generationen unsere Wälder nachhaltig bewirtschaften können“, meinte er. Bäume entziehen der Atmosphäre beim Wachsen durch die Fotosynthese Kohlendioxid, Klimaforscher sprechen daher von der „CO2-Senken-Funktion“ der Wälder – im Gegensatz zu den „CO2-Quellen“ wie Kraftwerken oder Autos.

Die Wälder binden hierzulande im Schnitt rund 14 Prozent der deutschen CO2-Emissionen. In diesem Jahr dürfte die Rate niedriger liegen, weil die Trockenheit ausgerechnet in der Hauptwachstumsphase der Bäume im Frühjahr begann. Der Bund Deutscher Forstleute (BDF) betonte, dass vor allem die zahlreichen Besitzer von Kleinst-Waldflächen in die Lage versetzt werden müssten, ihren Wald dank guter fachlicher Beratung zu bewirtschaften und klimaangepasst umzubauen. „Gerade auf den überwiegend kleinen Flächen, die keinen großen Ertrag abwerfen, ist die Beratung durch Forstleute umso wichtiger, meinte der BDF-Bundesvorsitzende Ulrich Dohle.

Das gehe nur mit direkter Förderung. Zudem brauche es mehr Geld für die Forschung zu zukünftig geeigneten Baumarten und einen schnelleren Waldumbau in stabile Mischwälder.

Genaue Zahlen zu den Schäden, die in diesem Jahr durch die lang anhaltende Trockenheit und Hitze entstanden sind und noch entstehen, gibt es noch nicht. Sie könnten sich aber auf mehrere Hundert bis zu eine Milliarde Euro summieren.

So schätzt der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR), dass ein Großteil der rund 500 Millionen Setzlinge, die jedes Jahr in den Wäldern nachgepflanzt werden, in diesem Jahr vertrocknet sind – am stärksten betroffen sind hier wie in der Landwirtschaft der Norden und Osten des Landes. Teilweise hat der Wassermangel auch die jungen Pflanzen aus den Vorjahren erwischt, deren Wurzeln noch nicht tief genug in die Erde reichen. Insgesamt seien schätzungsweise 750 Millionen Setzlinge betroffen, sagte Ratspräsident Georg Schirmbeck der FR.

Da eine Pflanze im Schnitt 1,20 kostet, könnten alleine dadurch hunderte Millionen Euro an Schäden entstehen. Hinzu kämen Einnahmeverluste durch die langfristigen Schäden in den Waldbeständen, die sich derzeit nur schwer beziffern ließen, argumentiert der DFWR. Sie machten sich erst in den nächsten Jahren und Jahrzehnten bemerkbar. Schirmbeck: „Mittlerweile müssen wir von einer Jahrhundertkatastrophe sprechen.“

Gebeutelt wird der Wald neben den Ausfällen beim Nachwuchs derzeit auch durch weitere Folgen der Trockenheit – Waldbrände sowie Schäden durch den Borkenkäfer, die vor allem hitzegestresste Nadelbäume dahinraffen. In Baden-Württemberg zu Beispiel sind in diesem Jahr bereits fast 350 000 Festmeter Nadelholz wegen der Trocken- und Insektenschäden eingeschlagen worden, wie das Landwirtschaftsministerium in Stuttgart mitteilte – bereits zehn Prozent der insgesamt eingeschlagenen Menge. Eine Borkenkäferart, der „Buchdrucker“, befällt vor allem Fichten, deren Abwehrkräfte durch die Trockenheit geschwächt sind. In diesem Jahr hat der Käfer in vielen Regionen bereits eine dritte Generation angelegt, was in kühleren, feuchteren Jahren nicht geschieht, und das extrem früh. Das Ministerium spricht insgesamt von „besorgniserregenden Entwicklungen im Wald“. Es sei zu befürchten, dass auch viele Bäume, die Trockenheit und Borkenkäfer-Druck standhalten, geschwächt ins nächste Jahr gingen.

Auch die Umweltorganisation Greenpeace spricht sich dafür aus, Waldeigentümern Entschädigungen und Hilfen zu zahlen, wenn sie – zum Beispiel durch Waldbrände – besonders stark betroffen sind. Allerdings müsse dies an Bedingungen gebunden werden, sagte ihr Waldexperte Christoph Ties der FR. Der Wald solle naturnah bewirtschaftet werden, und es sollten mehr standortangepasste Laubbäume gepflanzt werden, die trockenheitsresistenter sind als die Nadelbäume, die viele Waldbesitzer bisher wegen ihres schnellen Wuchses bevorzugt haben. „Bisher stehen massenhaft Fichten in Regionen, wo sie nicht hingehören“, sagte er, „und die sind dann besonders anfällig.“

Ties forderte weiter, die CO2-Speicherfunktion der Wälder zu stärken. Die Waldeigentümer müssten die Bäume erst später als heute üblich „ernten“, damit sie mehr Holzmasse bilden und damit zusätzlich Kohlenstoff einlagern können. „Heute werden viele Bäume gefällt, noch bevor sie die Hälfte ihres normalen Lebensalters erreichen“, sagte der Experte. Zudem sei es wichtig, das Holz dann zuerst für möglichst langlebige Nutzungen – wie Möbel oder Holzhäuser – zu verwenden, und nicht als Heizstoff oder für Wegwerf-Produkte.

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