Umgefallene Bäume blockieren die Schienen. Forstleute der Bahn wollen dem möglichst vorgreifen.
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Umgefallene Bäume blockieren die Schienen. Forstleute der Bahn wollen dem möglichst vorgreifen.

Zugverkehr

Forstleute der Bahn arbeiten gegen Sturmschäden

70 Prozent der 34 000 Kilometer Schienennetz führen an Bäumen vorbei. Der Zugverkehr ist von Extremwetter wie Sturm besonders betroffen. Gerade sind die Experten der Bahn wieder unterwegs - für den Baumschnitt mit Hubschrauber.

Ganze Bäume werden an den Hubschrauber gehängt und abtransportiert: Die Deutsche Bahn lässt derzeit wieder die Wälder an den Gleisen durchforsten, um Sturmschäden vorzubeugen. Auch in schwierigem Gelände werden kranke oder abgestorbene Bäume ganz oder teilweise abgesägt, damit sie nicht bei starkem Wind auf Oberleitungen und Gleise stürzen. Am Freitag war ein Team mit einem Schwerlast-Helikopter an einem unwegsamen Hang in der Nähe des nordhessischen Baunatals an der ICE-Strecke Fulda-Kassel im Einsatz, zuvor im osthessischen Bad Salzschlirf, davor in Bremen.

Im vergangenen Winter war es Sturmtief «Sabine», das die Bahn vorübergehend stoppte. Vorsorglich wurde der Fernverkehr eingestellt und auch regional ging vielerorts nicht mehr. Anfang 2018 zog Orkan „Friederike“ über Deutschland, tausende Bahnreisende saßen wegen blockierter Gleise fest. Im selben Jahr sagte ein Gutachten zu den Auswirkungen des Klimawandels der Bahn eine Zunahme von Stürmen, Starkregen und langen, heißen Sommern und damit potenziellen Gefahren für das insgesamt 34 000 Kilometer lange Streckennetz vorher - denn ein Großteil davon führt durch Gebiete, in denen Bäume stehen.

Als Konsequenz überarbeitete das Unternehmen sein „Vegetationsmanagement“. Schon zuvor durfte sechs Meter links und rechts der Gleismitte nichts wachsen. Seit 2018 werden zudem Bäume im dahinter liegenden Bereich beschnitten oder ganz entfernt, wenn sie „bei extremem Wetter durch Standort, Zustand oder Form eine potenzielle Störungsquelle für den Bahnverkehr darstellen könnten“.

Zwei Jahre später berichtet das Unternehmen von Erfolgen. Sturmschäden durch Bäume seien um ein Viertel zurückgegangen, erklärte Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla am Sonntag. Die Zahl vegetationsbedingter Störungen etwa durch Baumstürze oder Äste in Gleisen und Oberleitungen betrage mittlerweile rund 900 pro Jahr. 2018 seien es noch rund 1200 gewesen.

Um festzustellen, welche Bäume auf die Gleise stürzen könnten, werden regelmäßige Inspektionen angesetzt. Forstexperten begutachten sie vom Boden aus, Luftaufnahmen und neuerdings auch Satellitenbilder werden hinzugezogen, um zu entscheiden, an welchen Stellen es kritisch werden könnte. Die Vegetation an mehr als der Hälfte des Streckennetzes sei auf diese Weise bisher überprüft worden, erklärt die Bahn.

Reicht ein Rückschnitt oder eine Abstützung nicht, wird gefällt. Pro Jahr seien seit 2018 rund 30 000 nicht witterungsfeste Bäume aus den Bahnwäldern entfernt worden, bilanzierte das Unternehmen. Einen Ausgleich sollen Baumpflanzaktionen bieten.

Nach Orkan „Friederike“ hatte der Fahrgastverband Pro Bahn mehr Anstrengung der Bahn gefordert, um die Strecken besser für den Fall von Unwettern vorzubereiten. Dies sei mittlerweile auch geschehen, nachdem das Thema zuvor stark vernachlässigt worden sei, sagte Verbandssprecher Karl-Peter Naumann. „Dabei sorgt ein Baum auf einer Strecke für stundenlange Verzögerung und ist auch eine große Gefahr, wenn ein Zug mit hoher Geschwindigkeit darauf fährt.“

Die Bahn erklärt, die Investitionen in den Bereich seien wie angekündigt um 25 Millionen Euro jährlich erhöht worden. 400 zusätzliche Mitarbeiter seien in den vergangenen zwei Jahren eingestellt worden. Einen 100-prozentigen Schutz vor Sturmschäden gebe es angesichts steigender Extremwetterlagen dennoch nicht, erklärte Bahn-Vorstand Pofalla. (dpa)

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