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Hoffen auf die Rettung: Kenianerinnen und Kenianer warten am über die Ufer getretenen Nzoia-Fluss auf die Evakuierung. 

Corona, Heuschrecken und Regen

Ostafrika kämpft gegen gleich drei biblische Plagen

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Neben dem Corona-Virus und der Heuschreckenplage kämpfen einige Staaten Ostafrikas nun auch noch gegen die Folgen heftiger Regenfälle. Rund 300 Menschen starben durch Überschwemmungen.

  • In Ostafrika werden die Menschen derzeit von gleich mehreren biblischen Plagen heimgesucht
  • Neben der Corona-Pandemie und Heuschrecken fällt nun auch noch sintflutartiger Regen
  • Besonders der Viktoriasee wird von Experten mit Sorge beobachtet

Die Menschen in Ostafrika fragen sich derzeit besorgt, von welchen biblischen Plagen sie sonst noch heimgesucht werden könnten: Denn neben der Corona-Pandemie und einer verheerenden Heuschreckenplage haben die Staaten der Region seit mehreren Tagen auch gegen sintflutartige Regenfälle und Überschwemmungen zu kämpfen. In Kenia, Somalia, Ruanda und Uganda verloren rund 300 Menschen ihr Leben, nachdem sie von über die Ufer tretenden Flüssen oder von Erdlawinen fortgerissen wurden.

Mit besonderer Sorge verfolgen Expertinnen und Experten den dramatischen Anstieg des Wasserstandes des Viktoriasees: Der zweitgrößte Süßwassersee der Erde hat inzwischen den höchsten Stand in der Geschichte der Aufzeichnungen erreicht und in den Anwohnerstaaten Kenia, Uganda und Tansania zahlreiche Dörfer überflutet. Rund 150 Strände sind komplett verschwunden, mehrere bisher bewohnte Inseln unter Wasser gesetzt. Im ugandischen Kasese musste ein in Ufernähe gelegenes Krankenhaus geräumt werden.

Sintflutartiger Regen in Ostafrika: Viktoriasee öffnet Schleusentore zum Nil

Die Wasserbehörde Ugandas öffnete bereits die Schleusentore vom Viktoriasee zum Nil. Allerdings muss die Behörde dabei vorsichtig vorgehen, um nicht die flussabwärts lebenden Menschen zu gefährden. Eine riesige, von den Wassermassen des Zubringerflusses Kagera abgerissene Vegetationsinsel verstopfte in der vergangenen Woche die Turbinen des Wasserkraftwerks Nalubaale: Ein landesweiter Stromausfall war die Folge.

Nachdem schon die Regenzeit im Dezember ungewöhnlich heftig ausfiel, begann auch die jetzige, die bis Ende Juni anhalten wird, mit außergewöhnlich frühen und starken Niederschlägen. Im Westen Kenias mussten Zigtausende von Menschen ihre Dörfer verlassen, nachdem der Nzoia-Fluss über die Ufer getreten war. Die Wassermassen zerstörten Straßen wie Brücken und rissen tausende von Hektar Ackerland mit sich, hieß es in Nairobi. Allein in Kenia sollen den Überschwemmungen bisher mehr als 160 Menschen zum Opfer gefallen sein.

Sintflutartiger Regen in Ostafrika: Erdrutsche töten Menschen und zerstören Hütten  

Paddeln in die Sicherheit: Viele Menschen haben alles verloren.

In Ruanda, das von Hunderten von Hügeln überzogen wird, kam es zu zahllosen Erdrutschen, die mindestens 65 Menschen töteten und zahlreiche Häuser und Hütten zerstörten. In Somalia wird befürchtet, dass der Juba-Fluss und der Schabelle-Fluss über ihre Ufer treten werden – das würde nach UN-Angaben 240 000 Menschen bedrohen. „Die Flüsse schwellen mit einer beispiellosen Geschwindigkeit an“, berichtet Justin Brady vom UN-Hilfswerk Ocha. Wenn es so weitergehe, sei eine Katastrophe zu erwarten.

Nach Angaben von Meteorologinnen Meteorologen ist auch in den kommenden Tagen mit Regenfällen zu rechnen. Im Gegensatz zu Millionen von Menschen kommen die Niederschläge den Milliarden an Heuschrecken unterdessen zugute, die in den ostafrikanischen Staaten derzeit unterwegs sind.

Die von der arabischen Halbinsel ausgegangene Plage hatte bereits Anfang dieses Jahres auf das Horn von Afrika übergegriffen. Im vergangenen Monat brüteten die Schwärme eine neue Generation von Heuschrecken aus, die rund zwanzig Mal zahlreicher und noch aggressiver als ihre Eltern sein sollen. Sie profitieren von den außergewöhnlichen Niederschlägen, die das Pflanzenwachstum anspornen.

Sintflutartiger Regen in Ostafrika: Kampf gegen Heuschrecken und Corona

Unterdessen wird der Kampf der Ostafrikanerinnen und Ostafrikaner gegen die Vielfresser von der Ausbreitung der Corona-Pandemie behindert. Die Unterbrechung des Flugverkehrs sorgte dafür, dass etwa Kenia nicht die nötigen Insektenvernichtungsmittel erhielt. Den Heuschreckenschwärmen ist lediglich mit von Flugzeugen gesprühtem Gift beizukommen.

Inzwischen hätten sich die Insekten jedoch derartig vermehrt, dass auch Sprühen nicht mehr helfe, teilt die Welternährungsorganisation FAO mit – die Lage sei „beispiellos“ und „extrem alarmierend“. Ende Juni werden sich die Heuschrecken ein weiteres Mal vermehren: Dann wird ihre Zahl erneut zwanzig Mal größer sein.

Auch der Corona-Virus breitet sich im Osten des Kontinents weiter aus. Somalia, wo bislang knapp tausend Infizierte registriert wurden, gilt als besonders problematisches Terrain, weil das Gesundheitssystem in dem seit 30 Jahren in Bürgerkriege verwickelten Land ruiniert ist. Am Montag stürzte in Somalia eine kenianische Transportmaschine mit medizinischen Hilfsmitteln ab: Die Regierung verdächtigt die mit Al-Kaida verbündete Al-Schabab-Miliz, das Flugzeug abgeschossen zu haben.

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