Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Moskitos der Art Aedes Aegypti
+
Moskitos der Art Aedes Aegypti übertragen Krankheiten wie Zika, Denguefieber oder Gelbfieber. Genetisch modifizierte männliche Moskitos sollen helfen.

Florida

USA: Unternehmen setzt genetisch modifizierte Moskitos in Florida aus – Anwohner in Sorge

  • Tanja Banner
    VonTanja Banner
    schließen

In Florida sollen genetisch veränderte Moskitos bei der Bekämpfung von Krankheiten wie dem Denguefieber oder Zika helfen. Anwohner sind besorgt.

Florida – Moskitos sind tückische Insekten, die unter Menschen wohl keine Fans haben dürften. Sie stören, stechen und übertragen im schlimmsten Fall auch noch Krankheiten wie Zika, das Denguefieber oder Gelbfieber. Aus diesem Grund hat das britische Biotechnologie-Unternehmen Oxitec ihnen den Kampf angesagt. Statt auf Insektizide setzt das Unternehmen aus Abington im Südosten Englands auf genetisch modifizierte Insekten, welche die Arbeit übernehmen.

Wie das Fachmagazin Nature berichtet, hat das Unternehmen nun erstmals in den USA genetisch modifizierte Moskitos ausgesetzt. Auf den Florida Keys, einer Inselgruppe im Süden Floridas, wurden nach jahrelangen Konflikten genetisch modifizierte, männliche Moskitos der Art Aedes Aegypti ausgesetzt. Diese Stechmücken-Art macht zwar nur etwa vier Prozent der Moskito-Population auf der Inselgruppe aus, ist aber quasi alleine für die Übertragung aller Krankheiten verantwortlich, die in der Region durch Moskitos übertragen werden.

Genetisch veränderte Moskitos werden in Florida ausgesetzt

Die männlichen Moskitos dieser Art stechen nicht, während die Weibchen ihre Opfer beißen und Krankheiten übertragen können. Diese Tatsache macht sich das Team von Oxitec zunutze: Männliche Moskitos wurden so genetisch verändert, dass sie ein bestimmtes Gen in sich tragen und an ihren Nachwuchs weitergeben. Dieses Gen sorgt dafür, dass weibliche Moskitos im frühen Larvenstadium absterben, während männliche Larven sich zu Moskitos entwickeln, die selbst das Gen in sich tragen und weitergeben. So soll die Moskito-Population mit jeder Generation weiter reduziert werden.

Bisher hatte Oxitec mithilfe der „Bill and Melinda Gates Foundation“ unter anderem einen Feldversuch auf der größten der Kaimaninseln durchgeführt. Etwa 3,3 Millionen modifizierte männliche Gelbfiebermücken wurden dort freigesetzt – etwa elf Wochen später war die Population der Stechmücken um etwa 80 Prozent zurückgegangen. Auch in Brasilien, Malaysia und Panama gab es Feldversuche, in Brasilien sei die Moskito-Population um bis zu 96 Prozent verringert worden, heißt es bei Oxitec. Nun ist der US-Bundesstaat Florida an der Reihe, der seit 2009 eine Zunahme von Krankheiten beobachtet, die durch Moskitos übertragen werden.

Kampf gegen Krankheiten: Moskitos vererben bestimmtes Gen – Weibchen sterben

Die Stechmücken würden resistent gegenüber Insektiziden, weshalb man nach neuen Möglichkeiten Ausschau halte, erklärte eine zuständige Behördenmitarbeiterin bei einer Pressekonferenz. Die genetisch veränderten Moskitos gelten als eine Alternative zu Insektiziden, die in den USA weit verbreitet zum Einsatz kommen.

Ende April haben Oxitec-Forschende Boxen mit Moskito-Eiern an sechs Orten in drei Gegenden auf den Florida Keys platziert, berichtet das Fachmagazin Nature. Um das umstrittene Projekt zu schützen, wurde nicht bekannt gegeben, wo genau die Boxen aufgestellt wurden. In den ersten beiden Mai-Wochen sollen die ersten männlichen Moskitos die Boxen verlassen und sich mit weiblichen Moskitos paaren, in den nächsten zwölf Wochen sollen pro Woche etwa 12.000 Moskito-Männchen aus den Boxen kommen. In einer zweiten Phase sollen über einen Zeitraum von 16 Wochen insgesamt 20 Millionen Moskito-Männchen aus den Boxen fliegen. Geplant ist, dass die Forschenden, die die Aktion begleiten, Moskitos einfangen und sie untersuchen. Außerdem soll gemessen werden, wie weit die Stechmücken sich von den Boxen entfernen und wie lange sie leben.

Moskitos in Florida: Anwohner haben Angst vor Stichen und sorgen sich um das Ökosystem

Auch die Frage, ob alle Moskito-Weibchen mit dem modifizierten Gen sterben, interessiert die Forschung. Das „Center for Food Safety“ hatte im vergangenen Jahr davor gewarnt, dass nicht der komplette weibliche Nachwuchs sterben könnte und so Hybridmücken mit veränderten Eigenschaften entstehen könnten. Diese Mücken könnten „das Potenzial einer verbesserten Krankheitsübertragung oder eine Insektizid-Resistenz“ haben, zitierte das Onlineportal Bloomberg Law Jaydee Hanson vom „Center for Food Safety“. Nach dem Moskito-Feldversuch in Brasilien stellten Forschende fest, dass einige der genveränderten Moskitos nicht nur überlebt hatten, sondern offenbar auch reproduktionsfähig waren und man Spuren der genetischen Modifikation in Moskitos gefunden habe. Die Studie selbst ist jedoch umstritten.

Auch vor Ort in Florida gab und gibt es Ängste hinsichtlich der genetisch modifizierten Moskitos. Anwohner hätten Angst vor Stichen oder dass die Stechmücken das Ökosystem stören. „Wie man sich vorstellen kann kochen die Emotionen hoch und es gibt Menschen, die sehr stark dafür oder dagegen sind“, erklärt die Molekularbiologin Natalie Kofler gegenüber Nature. Viele der Bedenken hätten damit zu tun, dass es sich um eine neue Technologie handele. Zwar beantworte Oxitec vor Ort die Fragen der Bevölkerung, doch viele hätten kein Vertrauen, weil es sich um ein Unternehmen handele, so Kofler. (Tanja Banner)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare