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Florian Silbereisen: Tausendmal zitiert

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Von: Clemens Dörrenberg

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Silbereisen würdigte mit dem Song Jürgen Drews.
Silbereisen würdigte mit dem Song „1000 und 1 Nacht (Zoom!)“ Jürgen Drews. © Imago Images

Jetzt droht Florian Silbereisen wohl Ärger wegen eines alten Hits. Der ehemalige Linken-Bundestagsabgeordnete Diether Dehm hat Strafanzeige gegen den Schlagerstar erstattet.

Es geht um ein Wort, genauer: ein ausgetauschtes Wort, das Schlagersänger Florian Silbereisen ein Ermittlungsverfahren eingebracht hat. Bei der Mitte Januar im öffentlich-rechtlichen Fernsehsender MDR ausgestrahlten Abschiedsshow für Sänger Jürgen Drews mit dem Titel „Zum allerletzten Mal: Der große Schlagerabschied“ hat Silbereisen den Song „1000 und 1 Nacht (Zoom!)“ mit der Zeile gesungen: „Erinnerst du dich, wir haben zusammen gespielt“ – statt „Erinnerst du dich, wir haben Indianer gespielt“, wie es im Originaltext des Songs heißt.

Fünf Monate zuvor hatte Silbereisen bereits bei der Show „Die Schlager des Sommers 2022“, ebenfalls im MDR und wie Mitte Januar im Duett mit der Schweizer Schlagersängerin Beatrice Egli, die veränderte Liedzeile zu Beginn der zweiten Strophe gesungen. Da war es aber offenbar noch niemandem aufgefallen.

Erst zuletzt hat der Autor des Songs, der ehemalige Frankfurter Linken-Bundestagsabgeordnete Diether Dehm, der mittlerweile in der Nähe von Fulda lebt, Strafanzeige gegen den Schlagersänger erstattet. Aus Dehms Sicht hat Silbereisen den Liedtext unzulässig abgeändert. Daraufhin hat die Staatsanwaltschaft Fulda ein Ermittlungsverfahren wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Urheberrechtsgesetz eingeleitet.

Die Anzeige richtet sich gegen Silbereisen und enthält auch „die Bitte um Prüfung einer Mitschuld der ARD“, wie Dehm und auch die Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagten. Die Behörde prüfe nun auch die Zuständigkeit; möglich sei etwa, dass das Verfahren an den Austragungsort der Sendung weitergeleitet werde, so die Sprecherin. Bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gilt die Unschuldsvermutung. Silbereisen hat sich bisher noch nicht öffentlich zu dem Verfahren geäußert.

Klaus Lage singt es 1984

„Wenn man einen Coversong stoppen will, wird man regelmäßig einen Grund finden“, sagte der Rechtsanwalt Hauke von der Brelje, der sich auf Urheber- und Musikrecht spezialisiert hat, auf FR-Anfrage. Hintergrund des veränderten Textes ist die Debatte um den diskriminierenden Begriff „Indianer“ als Sammelbezeichnung für indigene Völker Amerikas, der zum Zeitpunkt der ersten Veröffentlichung des Songs 1984 durch die Klaus-Lage-Band noch nicht umstritten war.

Dieter Dehm geht davon aus, dass es politische Gründe hatte, dass das Wort „Indianer“ gestrichen wurde. Wichtiger als die Begrifflichkeit sei, „für die Menschen etwas zu tun, damit es ihnen besser“ gehe. In der Streichung des Begriffes sieht Dehm einen paternalistischen Versuch, die Sprache zu „verhunzen“. (mit dpa)

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