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Fleißige Brummer

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Ihr Pelz schützt nicht nur vor Kälte – mit ihm bebrütet die Hummel auch den Nachwuchs. imago images
Ihr Pelz schützt nicht nur vor Kälte – mit ihm bebrütet die Hummel auch den Nachwuchs. imago images © imago images

Während es vielen Bienen noch zu kühl ist, tummeln sich bereits die ersten Hummeln an den Blüten. Überhaupt wurden die Insekten viel zu lange unterschätzt

Die ersten Hummeln sind schon unterwegs. Und das, obwohl Honigbienen als besonders fleißig gelten. Während aber Honigbienen erst bei Außentemperaturen ab etwa 10 Grad Celsius so richtig munter werden, sind Hummeln durchaus schon bei 6 Grad Celsius unterwegs, die Königinnen manchmal sogar schon um den Gefrierpunkt herum. Erstaunliche 18 Stunden pro Tag können die Arbeiterinnen insgesamt unterwegs sein, wenn sie gleich nach Sonnenaufgang starten und erst abends spät im Stock wieder zur Ruhe kommen – bis zu 1000 Blüten haben sie dann besucht.

Wie machen die Tiere das? In der Tat hat die Hummel so manchen Trick auf Lager, um diese Leistungen erbringen zu können. Zum einen ist da ihre Körperfülle, aufgrund derer sie viel mehr Wärme speichern kann als eine kleine Honigbiene. Der größere Körper bietet mehr Platz für Muskelpakete und somit auch für eine ausgezeichnete Thermoregulation.

Hummeln können ihre vier Flügel von den Muskeln abkoppeln, und diese dann, ohne die geringste Flügelbewegung, etwa 200 mal pro Sekunde zusammenziehen und wieder entspannen. Biolog:innen sprechen dabei vom „Wärmezittern“, weil durch diese Muskelkontraktionen Wärme entsteht, die den gesamten Körper aufheizt und – gewissermaßen im Leerlauf – auf Flugtemperatur bringt. Das ist wichtig, denn Hummeln benötigen zum Fliegen eine Muskeltemperatur von 30 Grad Celsius. Andererseits überhitzen sie aber auch schnell und müssen bei spätestens 44 Grad Celsius Muskeltemperatur erst mal abkühlen. So können sie zwar bei schlechtem Wetter ausfliegen, müssen dafür aber an heißen Tagen im Schatten bleiben oder sich auf andere Weise Kühlung verschaffen. Auch wenn sie ihren dichten Pelz, der im Sommer durchaus lästig sein kann, nicht ablegen kann, so kann die Hummel aber über ihren unteren Hinterleib überschüssige Wärme gezielt an die Umgebung abgeben. Der warme Po hat noch einen Vorteil: Mit ihm kann sie ihre Nachkommen bebrüten, was für Vögel normal, aber für Insekten doch eher ungewöhnlich ist.

Ein Sonnenbad belebt

Auch das Sonnenbaden hilft den Tieren, ihre Körpertemperatur zu regulieren. Lars Chittka und sein Team von der Queen-Mary-Universität in London konnten in einem Laborversuch mit künstlich beheizbaren Blüten nachweisen, dass schon eine höhere Temperatur von nur 4 Grad Celsius ausreicht, um die Mehrheit der Tiere zum Sonnenbaden anzulocken. Wurde der Temperaturvorsprung noch größer, so nahmen noch mehr Hummeln auf der wärmeren Blüte Platz. Betrug der Unterschied ganze 10 Grad Celsius, so landeten durchschnittlich fast zwei Drittel aller Individuen auf der höher temperierten Alternative. Chittka resümiert seine Studie, die im Fachmagazin „Biologist“ veröffentlicht wurde: „Die Ergebnisse zeigen, dass die Blüten den Bestäubern die Wärme als Belohnung anbieten und zwar zusätzlich zur Nahrung.“

Einige Pflanzen haben sich gezielt auf dieses Wärmebedürfnis eingestellt. Sie heizen sich dank spezieller Oberflächenstrukturen und dunkler Blüten morgens in der Sonne schneller auf als andere. Ein Team von der kanadischen Universität Guelph konnte nachweisen, dass einige Blüten die Sonnenenergie wie Satellitenschüsseln bündeln, so dass die Temperaturen in ihrem Zentrum bis zu 10 Grad Celsius über der Umgebungstemperatur liegen.

Andere Pflanzen, wie etwa die Hummelblumen, haben sich auf das Gewicht der dicken Brummer eingestellt: Deutlich zweigeteilt bietet der untere Teil der Blüte eine Art stabile Landebahn für die anfliegenden Hummeln. Die Tiere können aufgrund ihrer Größe auch wesentlich mehr Nektar und Pollen transportieren als Honigbienen. Ihre größere Kraft ermöglicht es ihnen zudem, tief in diejenigen Blüten vorzudringen, die den schwächeren Bienen verschlossen bleiben. Kein Wunder also, dass Hummeln aufgrund ihrer ausgezeichneten Bestäubungsleistung im gewerblichen Pflanzenanbau immer beliebter werden.

Gutmütige Bestäuberin

Zudem sind die Brummer ausgesprochen gutmütig, was vor allem für die Bestäubung in Gewächshäusern ideal ist. Dennoch ist es ein Irrtum, dass Hummeln nicht stechen könnten. Zwar verspüren sie dazu keine große Lust und tun es nur recht widerwillig, wenn sie sich oder ihr Nest bedroht sehen – sie können es aber sehr wohl. Zuerst wird in der Regel aber noch gedroht, indem dem Angreifer ein Bein abwehrend entgegen gestreckt wird. Versteht der diesen Wink nicht, so legen sie sich auf den Rücken und präsentieren ihren gut sichtbaren Stachel am Hinterleib, was oft von lautem Brummen begleitet wird. Wer dann immer noch nicht von Hummel ablässt, kann sich durchaus einen Stich einfangen.

Einfach so auf der Hand sitzend, kann eine Hummel übrigens nicht stechen, weil ihre Stechmuskulatur zu schwach ist. Sie muss sich dazu entweder mit dem Rücken abstützen oder schon beim Anflug so hart aufprallen, dass der Stachel die menschliche Haut durchdringen kann. Aber wer will das schon? Die Hummel bestimmt nicht.

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