1. Startseite
  2. Panorama

Fleisch ist kein Gemüse

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Andreas Sieler

Kommentare

Das bisschen Grünzeug kann nicht täuschen: Auch hierbei handelt es sich um Fleisch.
Das bisschen Grünzeug kann nicht täuschen: Auch hierbei handelt es sich um Fleisch. © afp

An Freiburger Schulen soll es bald nur noch vegetarisches Essen geben? Auch wenn die Entscheidung nicht allen schmeckt – vorbildlich ist sie allemal. Unsere Kolumne „Was soll das?“

Der Gemeinderat der Stadt Freiburg hat am Dienstagabend einen Entschluss gefasst: Für Kinder in den städtischen Kitas und Grundschulen der Stadt kommt mit Beginn des nächsten Schuljahrs nur noch je ein vegetarisches Essen auf den Teller. Der Anteil von Bio-Produkten soll zudem von 20 auf 30 Prozent steigen.

Der Schritt erfolge aus Kostengründen, hieß es – und hat offenbar Seltenheitswert: dem Stuttgarter Landwirtschafts- und Ernährungsministerium sei keine andere Stadt oder Kommune im Ländle bekannt, die in Kitas und Schulen auf komplett fleischlose Kost setzt. Allein im beschaulichen Freiburg werden jährlich mehr als eine halbe Million Mittagsmahlzeiten in den Mensen der Schulen ausgegeben.

Die Entscheidung sorgte erwartungsgemäß für Kritik: Aus den eigenen Reihen im Gemeinderat etwa von den Freien Wählern („Den Schülerinnen und Schülern wird vorgeschrieben, was sie zu essen haben“), aber auch von Elternbeiräten und vom Stuttgarter Agrarministerium. Eine ausschließlich vegetarische Ernährung als Vorgabe unterstütze man nicht, heißt es dort, Fleisch gehöre zu einer ausgewogenen Ernährung.

Um die Pseudoaufreger der Debatte schnell abzuhandeln: Dass zuallererst die „Bild“ mal wieder am Thema vorbeischießt und sich über ein Fleischverbot echauffiert – sei’s drum. Eine mitgebrachte Salamistulle im Pausenraum zu verzehren, das hat niemand verboten, was auch den Einwand entkräftet, dass den Schüler:innen vorgeschrieben werde, was sie zu essen hätten.

Letztlich kocht die Debatte ums Freiburger Schulessen aus mehreren Gründen hoch. Dabei geht es etwa um mangelnde Mitsprachemöglichkeiten sowie Preispolitik, vordergründig dreht sie sich aber zwangsläufig um den Fleischkonsum und damit einhergehende Tierschutz- und Klimaaspekte. So verteidigte Freiburgs grüne Bildungsbürgermeisterin Christine Buchheit den Vorstoß: „Wir wollen die Kostensteigerungen im Rahmen halten“, sagte sie, denn gutes Fleisch sei ein Preistreiber. Entscheidendes Stichwort: gutes Fleisch.

Denn dieses ist bekanntlich teuer; würde man darauf setzen, stellt dies einkommensschwache Familien vor eine Mehrbelastung. Und sollen Schulmensen auf Billigfleisch setzen? Die Argumente dagegen sind altbekannt, aber richtiger denn je, ist doch der Fleischkonsum unserer Wohlstandsgesellschaft schon lange nicht mehr zeitgemäß. Weder im Kampf gegen den Klimawandel noch im Hinblick auf die notwendige Massentierhaltung, um den Bedarf erschwinglich zu halten. Man denke an die in schaurig-schöner Regelmäßigkeit ans Licht kommenden Skandale um die armen Schweine bei Tönnies und Konsorten – Mensch wie Tier.

Und was das Fleisch selbst angeht: Wer es dennoch unbedingt will und braucht, soll es eben zu Hause genießen. Die Entscheidung des Freiburger Gemeinderats hat in dieser Hinsicht auf jeden Fall Vorbildcharakter – auch wenn’s nicht allen schmeckt.

Auch interessant

Kommentare