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Abgeklebter Baum im Bochheimer Wald. Dirk Jansen/Bund
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Abgeklebter Baum im Bochheimer Wald. Dirk Jansen/Bund

Garzweiler

Fledermäuse müssen draußen bleiben

  • VonBarbara Schnell
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In einem Wald am Tagebau Garzweiler lässt RWE die Höhlen in Baumstämmen zukleben. Offenbar soll dort bald gerodet werden

Bei seinem Amtsantritt vor zwei Tagen hat Hendrik Wüst (CDU), der neue Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens, „Klimaschutz und Bewahrung der Schöpfung“ zu seinen „wichtigsten Zukunftsaufgaben“ erklärt. Hier und jetzt allerdings fragen sich die Menschen im Rheinischen Braunkohlerevier gleich an zwei Orten unverändert, wie der Energiekonzern RWE dort wohl weiter vorgehen wird.

„Ein kleiner, feiner Wald“

Baustelle eins: Der Bochheimer Wald bei Kerpen-Manheim. Für Dirk Jansen, den Geschäftsleiter der Naturschutzorganisation BUND in Nordrhein-Westfalen, ist die kleine Waldparzelle östlich des Hambacher Waldes „ein intakter ökologischer Trittstein“, der den verbliebenen, wertvollen Teil des Hambacher Waldes mit den umliegenden Wäldern zu einem auch räumlich bedeutenden Biotopverbund verknüpfen könnte. Auch lokale Akteure wie der „Zivilgesellschaftliche Koordinierungskreis Strukturwandel“ (ZKS) um Ex-Kohlekomissionsmitglied Antje Grothus haben ein solches Vernetzungskonzept vorgelegt.

Für RWE ist das Wäldchen Teil einer Fläche, auf der zwar keine Braunkohle mehr gewonnen werden soll, deren Oberfläche man aber zur Abraumgewinnung abbaggern will, um die Böschungen des Tagebaus Hambach zu stabilisieren. Dabei sei, so Dirk Jansen, die Frage noch ungeklärt, ob dieser Abraum nicht anderswo gewonnen werden könne. Ein diesbezügliches Gutachten des Braunkohle-Ausschusses sei noch in Arbeit, eine Klage des BUND gegen den Hauptbetriebsplan noch anhängig, eine schriftliche Bitte an die Bezirksregierung um Bestätigung, dass diese ihrer Aufsichtspflicht gegenüber dem Tagebaubetreiber nachkommen werde, noch unbeantwortet.

Ebenso wie Jansen sieht auch der ZKS die nötigen Abraummassen auf der erst zum Teil renaturierten Halde Sophienhöhe. In einem Schreiben des ZKS heißt es, auf RWE-Grafiken „werden gelbe Felder und grüne Wälder als existent suggeriert, wo sich tatsächlich großflächig ‚nackte‘ Abraummassen bis weit über 150 Meter Geländeoberkante türmen“. Und weiter: „Es wäre mehr als unsinnig, diese Abraummenge zur endgültigen Ablagerung auf der überhöhten Innenkippe vorzusehen, währenddessen nahezu zeitgleich eine Fläche von 600 Hektar überwiegend fruchtbarer Ackerboden im sogenannten östlichen Tagebauvorfeld (Großflur Manheim) zerstört werden sollen.“ Und eben auch der laut Dirk Jansen „kleine, aber feine“ Bochheimer Wald.

In dieser Gemengelage mit vielen Fragezeichen haben nun Biolog:innen im Auftrag von RWE damit begonnen, die Winterquartiere der Fledermäuse zu verschließen, um diese zu vergrämen. „Damit umgeht der Konzern einerseits korrekt das gesetzliche Tötungsverbot, nimmt den Tieren aber den Lebensraum, was einer passiven Tötung gleichkommt.“ Für Dirk Jansen ist dieses Vorgehen ein untrügliches Zeichen einer bevorstehenden Rodung, die angesichts der vielen offenen Fragen und der fortschreitenden Klimakrise zur Unzeit käme. „Wir haben den Eindruck, dass der Konzern versuchen will, im Schatten von Lützerath hier klammheimlich Fakten zu schaffen.“

Baustelle zwei: Lützerath. Mitte der Woche gab RWE bekannt, dem Oberverwaltungsgericht Münster eine Stillhaltezusage gegeben zu haben. Das heißt, der Konzern wird nicht aktiv, solange das Gericht nicht entschieden hat, ob die vorzeitige Besitzeinweisung des letzten Privateigentums in dem Örtchen am Tagebau Garzweiler durch das Allgemeinwohl erzwungen und damit rechtmäßig ist. Bis zum 7. Januar 2022 will das Gericht zu seinem Urteil gefunden haben, und bis dahin wird RWE den Hof nicht antasten, um den es in der Klage geht. Zudem, so Konzernsprecher Guido Steffen, werde RWE „bis zu dem genannten Termin in der Ortslage keine Räumungen oder Baumfällungen oder Abreißarbeiten vornehmen“.

Was für die Klimaschützer:innen, die auf diesem Hof ein Camp errichtet haben, kein Grund ist, nicht weiter in ihr solidarisches Reallabor einzuladen: „Jedes Brett, was du hier festnagelst, jede Suppe, die du kochst, jede Beziehung, die du aufbaust, ist ein Hindernis gegen die Zerstörung unser aller Lebensgrundlagen“, heißt es in ihrem Statement zu den jüngsten Entwicklungen. Zumindest dieser Satz enthält keine Fragezeichen.

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